DIHK-Umfrage: Azubi-Mangel war laut Betrieben nie größer

    DIHK-Umfrage:Betriebe klagen: Azubi-Mangel war nie größer

    |

    Knapp die Hälfte der Betriebe in Deutschland kann nicht alle Azubi-Stellen besetzen. Das geht aus einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer hervor.

    In Deutschland gibt es viele freie Ausbildungsplätze. Dennoch bleiben viele Jugendliche außen vor.
    In Deutschland gibt es viele freie Ausbildungsplätze. Dennoch bleiben viele Jugendliche außen vor. Gewerkschaften sagen, die Ausbildung müsse attraktiver gemacht werden.23.08.2023 | 1:36 min
    Fast die Hälfte der Ausbildungsbetriebe der Industrie- und Handelskammern in Deutschland hat einer Umfrage zufolge im vergangenen Jahr nicht alle Ausbildungsplätze besetzen können - so viele wie nie zuvor. 47 Prozent der befragten Unternehmen in diesem Bereich meldeten 2022 offene Ausbildungsplätze.
    Zehn Jahre zuvor war es nur jeder fünfte Betrieb, teilte die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) am Mittwoch in Berlin mit. Mehr als jeder dritte Betrieb mit offenen Ausbildungsplätzen habe nicht eine einzige Bewerbung erhalten.

    Gastgewerbe am häufigsten betroffen

    An der Online-Umfrage nahmen den Angaben zufolge im Mai 14.278 Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Baugewerbe, IT, Medien, Handel, Gastgewerbe, Veranstaltungswirtschaft, Verkehr, Banken und Versicherungen, Gesundheit und Pflege, Immobilien und sonstige Dienstleistungen teil.
    Ausbildungskrise: Betriebe werden kreativ
    Neben dem allgemeinen Fachkräftemangel herrscht hierzulande auch ein Defizit an jungen Menschen, die eine Ausbildung beginnen. 23.08.2023 | 2:28 min
    Manche Betriebe bieten kreative Extras, um attraktiver zu werden:
    Am häufigsten meldeten das Gastgewerbe mit 62 Prozent und die Industrie mit 56 Prozent demnach unbesetzte Stellen. In der Immobilienbranche waren es 13 Prozent, bei den Medienausbildungsberufen 28 Prozent.

    Vor allem demografischer Wandel Schuld

    Ausschlaggebend für die steigenden Zahlen offener Ausbildungsplätze sei vor allem der demografische Wandel, erklärte DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. Aktuell gebe es etwa 100.000 weniger Schulabgängerinnen und Schulabgänger als noch vor zehn Jahren.
    Die "Babyboomer-Generation" gehe in Rente, die "Generation Z" könne das zahlenmäßig nicht ausgleichen. Zudem wollten sich immer mehr Menschen in der jüngeren Generation nach Schulabschluss durch Reisen und Praktika orientieren, bevor sie eine Ausbildung beginnen.
    Acht von zehn Unternehmen kündigten der Umfrage zufolge an, mehr in die berufliche Orientierung investieren zu wollen, um so auch um Auszubildende zu werben. Knapp zwei Drittel der Unternehmen wollen zusätzliche Praktikumsplätze anbieten. Auch sollen Ausbildungsbotschafter und "Azubiscouts" als Orientierungshilfen zum Einsatz kommen.

    Azubis legen wert auf flache Hierarchie und gute IT

    Für Auszubildende seien vor allem flache Hierarchien und der Einsatz moderner IT-Technik häufig geäußerte Wünsche. Daneben seien auch finanzielle Anreize, etwa zum Wohnen oder zur Mobilität, für künftige Auszubildende Entscheidungsanreize, erklärte Dercks.
    Für das laufende Jahr sieht er positive Tendenzen. "Es bestehen insgesamt gute Aussichten, dass 2023 mehr Betriebe und Azubis über einen Ausbildungsvertrag zueinander finden als im Vorjahr."
    Bis Ende Juli seien knapp 207.000 neue Ausbildungsverträge im IHK-Bereich gezählt worden, sagte Dercks. Das seien 3,7 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.
    Quelle: KNA

    Mehr zu Azubis