Reden hilft - vor allem beim Klima | Terra-X-Kolumne
Kolumne
Terra X - die Wissens-Kolumne:Reden hilft - vor allem beim Klima
von Lea Dohm
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Die Klimakrise könnte unsere Gesellschaft tief polarisieren. Doch mit guter Kommunikation und sinnvollem Handeln können wir der drohenden Spaltung begegnen.
In der Corona-Zeit mussten viele Menschen die Erfahrung machen, dass Gespräche rund um die Themen Impfung, Masken und Co selbst etablierte, langjährige Beziehungen schwer gespalten haben, zeitweise gar in Kontaktabbrüchen mündeten.
Ähnliches könnte uns in den kommenden Jahren rund um das Thema Klima bevorstehen.
Krisenbewältigung und ihre Unterschiede
Wenn wir mit äußeren Krisen konfrontiert werden, unterscheiden sich unsere menschlichen Bewältigungsmechanismen erheblich: Oft reagieren wir problemfokussiert, das heißt wir informieren uns über das Problem und versuchen dann eine Lösung herbeizuführen. So wechselten Menschen während der Corona-Pandemie zum Beispiel mit ihrer Arbeit direkt ins Homeoffice oder nahmen vorerst virtuell an Kulturveranstaltungen teil.
In der Terra-X-Kolumne auf ZDFheute beschäftigen sich ZDF-Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten wie Harald Lesch, Mirko Drotschmann und Jasmina Neudecker sowie Gastexpert*innen jeden Sonntag mit großen Fragen der Wissenschaft - und welche Antworten die Forschung auf die Herausforderungen unserer Zeit bietet.
Manchmal reagieren wir Menschen jedoch auch emotionsfokussiert. Dann ist es vor allem wichtig, eigene unangenehme Gefühle (zum Beispiel Angst oder Überforderung) loszuwerden. Mit diesem Fokus war es in der Pandemie für einige naheliegend, sich den Stimmen zuzuwenden, die Corona als nicht so gefährlich und die Kontakteinschränkungen als weitgehend überflüssig bewerteten.
Angst, Wut, Scham – jeder zweite junge Mensch empfindet starke negative Gefühle, wenn es um den Klimawandel geht. Was steckt hinter den Klimaängsten, und was kann man dagegen tun?11.02.2024 | 28:13 min
Gescheiterte Problemlösestrategien in der Klimakrise
In der Klimakrise ist durch eigenes Handeln leider keine schnelle Problemlösung zu erwarten. Die berechtigten Gefühle von Sorge, Ohnmacht oder Frustration sind nur schwer loszuwerden, zumal alle demokratischen Parteien die Krise ebenfalls als ernst anerkennen.
Aus dieser Perspektive ist es verständlich, dass populistische Stimmen lauter werden, die die Krise als nicht so schlimm bewerten oder einfache Lösungen versprechen. "Das Klima hat sich immer schon gewandelt" oder "Durch technische Innovation werden wir das in den Griff bekommen" sind Aussagen, die vor allem darauf abzielen, das Problem kleinzureden, um sich keine Sorgen machen zu müssen. In der Realität ist das nicht haltbar. Emotionsfokussierte Bewältigung eben - und die Krise schreitet derweil weitgehend ungebremst voran.
Die psychologische Forschung prognostiziert eine klimakrisenbedingte Zunahme von gesellschaftlichen Segmentierungsprozessen für die kommenden Jahre. Wir können erwarten, dass hier wie in der Pandemie wieder unterschiedliche Grundhaltungen zunehmend aufeinanderprallen. Häufigere Extremwetterereignisse und beängstigende mediale Berichterstattung werden diese Tendenz befeuern.
Der Klimaschutz scheint wie in Zeitlupe voranzugehen. Sollten wir uns also aufs Schlimmste vorbereiten? Harald Lesch meint: Nein! Denn noch ist nicht alles verloren...01.11.2021 | 19:58 min
Klimakommunikation hilft
Was können wir tun? Am besten fangen wir schnellstmöglich (also heute) an, mehr über das Klima zu sprechen! Noch sind die Fronten weniger verhärtet, als sie es zukünftig sein werden. Gespräche lassen uns gegenseitig besser verstehen und wirken dem Auseinanderdriften entgegen.
Doch Klimakommunikation ist knifflig und Übungssache. Wer sie betreibt, hat Grund, sich selbst zu loben. Sie funktioniert dann besser, wenn der Inhalt beide Beteiligten interessiert. Beispiel für einen solchen gemeinsamen Nenner zur Fußball-EM: Die Klimakrise macht das Bier teurer.
Wichtig ist es zudem, Klimathemen möglichst zusammen mit Handlungsmöglichkeiten zu kommunizieren, die auch für unser Gegenüber machbar und wirksam sind. Wer weiß, was er tun kann, kann die unangenehmen Gefühle besser aushalten und fühlt sich weniger hilflos. Die Notwendigkeit für rein emotionsfokussierte Bewältigungsversuche sinkt dann.
Sinnfokussiertes Handeln als Ausweg
Auch wenn es keine schnellen Problemlösungen gibt: Es ist in vielerlei Hinsicht sinnvoll, die Klimakrise in unser tägliches Denken, Reden und Handeln zu integrieren. Es hilft, die Krise an sich abzumildern, stößt persönliches Wachstum an, fördert gute Gemeinschaften, ist vorbildhaft und gut für die psychische Gesundheit.
Das geht nicht von heute auf morgen, sondern ist ein Prozess. Aber wenn es uns gelingt, finden wir auf diese Weise zur dritten und reifsten Bewältigungsstrategie: sinnorientiert. Das Finden von Sinn im eigenen Handeln lässt uns als Persönlichkeiten reifen, stärkt unser Wertefundament und ist Motor für gesellschaftliche Veränderung.
Die Veränderungen des Klimas werden jedes Jahr - auch für uns Menschen in Mitteleuropa - mehr und mehr erfahrbar. Zukünftig werden wir nicht mehr überall leben und arbeiten können.29.02.2024 | 58:22 min
... ist Dipl.-Psychologin und Transformationsberaterin bei der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) e.V. sowie Mit-Initiatorin der Psychologists for Future (Psy4F) e.V. Sie ist außerdem tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapeutin mit einiger klinischer Erfahrung und Fach- und Sachbuchautorin. Für Menschen, die sich verletzlich und nahbar zeigen können, hat sie große Sympathien.
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