Weinanbau im Klimawandel: Wie Winzer den Weinanbau verändern
Klimawandel im Wingert:Wie Weinanbau sich anpassen muss
von Anna-Maria Bolenius
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Der Klimawandel macht deutschen Winzerinnen und Winzern zu schaffen. Wetterextreme sorgen für Schwierigkeiten am Weinberg. Wie begegnet die Weinwirtschaft den Problemen?
Der Klimawandel fordert Winzer und Winzerinnen heraus. Sie müssen umdenken. Welche Trauben landen künftig in den Weingläsern? ZDF-Gartenexpertin Sabine Platz will es herausfinden.06.10.2024 | 28:45 min
Der Klimawandel setzt den Reben zu und schwächt sie. Das hat Auswirkungen auf die Ernte. Etliche Winzer reagieren darauf mit einem angepassten Sortenspektrum. Laut Statiststischem Bundesamt gibt es hohe Zuwachsraten bei wärmeliebenden Reben.
Von 2012 bis 2022 verzeichneten die Flächen von Sauvignon blanc ein Plus von 162 Prozent, Chardonnay von 83 Prozent, Merlot von 69 Prozent oder Cabernet von 43 Prozent, meldet das Statistische Bundesamt. Aber es gibt noch mehr Alternativen.
Pilzresistente Rebsorten sparen auch CO2
Zum Beispiel Piwi-Rebsorten. Die Abkürzung steht für pilzwiderstandsfähig. Sie wurden gezüchtet, damit sie gegen Pilze wie den echten und falschen Mehltau resistent sind.
Das bedeutet, dass die Sorte auch resistent ist gegen die Peronospora-Pilze, die die Ernte zerstören können.
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Andreas Hemer, Winzer
Seit 2022 breitet sich eine neue Rebholzkrankheit aus: der Esca-Pilz. Doch es gibt einen Weg, den Schädling zu bekämpfen - durch eine Impfung des Rebstocks.17.08.2022 | 4:09 min
Solche Sorten sind beispielsweise Cabernet Blanc, Solaris, Souvignier Gris, Muscaris oder Regent. Allein der Souvignier gris wurde 2022 in Deutschland auf 205 Hektar angebaut, das waren 57 Prozent mehr als im Jahr 2021.
Die Winzerinnen und Winzer können durch Piwis den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln um bis zu 80 Prozent reduzieren. Darüber hinaus können durch weniger Überfahrten im Weinberg zusätzlich der CO2-Ausstoß und Bodenverdichtungen verringert werden. Für die Weinerzeuger bedeutet das sowohl Kostenersparnis als auch ein Gewinn an Zeit.
Das Weinjahr 2024 war durchwachsen - Frost und Pilzbefall haben den Rebstöcken zu schaffen gemacht. Deswegen wird es vom Jahrgang 2024 weniger geben - dafür soll er gut werden.30.09.2024 | 2:39 min
Große Hitze produziert viel Zucker in Trauben
Auch die sogenannten Laubwände verändern sich, also das Blattwerk in den Rebenreihen: vor 15 Jahren noch zogen Weinerzeugerinnen und Weinerzeuger die Laubwand möglichst hoch, damit eine große Blattmasse Photosynthese leistet und möglichst viel Zucker bildet. Heute wird die Laubwand der Reben niedrig gehalten.
Denn aufgrund der erhöhten Sonnenstrahlung wird so immer noch genug Zucker umgewandelt, außerdem verliert die Pflanze über eine kleinere Laubfläche weniger Feuchtigkeit, was in trockenen Sommern besonders wichtig ist.
Ein Forschungsschwerpunkt widmet sich daher auch den Auswirkungen des Klimawandels die Qaulität der Trauben. An der Hochschule Geisenheim University geht es nicht nur um Reben, sondern auch um Geschmack, wie Claudia Kammann, Professorin für Klimafolgen an Sonderkulturen.
Wir versuchen die typischen Charakteristika vom Riesling zu erhalten.
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Claudia Kammann, Professorin für Klimafolgen an Sonderkulturen
Mit VitiVoltaic die Weinqualität bewahren
Denn es ist eigentlich zu heiß für den Riesling. Ein zukunftsweisendes Forschungsprojekt ist deshalb die sogenannte VitiVoltaic-Anlage: eine Solaranlage über den Reben. Die Paneele sind semitransparent, so dass ausreichend Sonne durchscheint.
Denn der Klimawandel hat die Reife des Rieslings extrem beschleunigt. Früherer Blattaustrieb, stärkerer Säureabbau und hohes Mostgewicht sind die Folgen. Dann ist der Wein sehr alkoholhaltig und nicht mehr erfrischend spritzig.
Seit drei Jahren gibt es inzwischen die Anlage und die Mitarbeitenden der Hochschule sind zufrieden mit dem Ergebnis, berichtet Manfred Stoll, Leiter des Instituts für allgemeinen und ökologischen Weinbau. Denn es hat weitere Vorteile:
Normalerweise braucht die Rebe drei Jahre, um den ersten Ertrag zu produzieren. Unter der Voltaik schaffen wir es, glaube ich, in zwei.
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Manfred Stoll, Institut für allgemeinen und ökologischen Weinbau
Strom aus dem Wingert nicht nur als Frostschutz
Der grüne Strom wird zum Beispiel für einen Heizdraht entlang der Fruchtroute verwendet. Damit schützt man Jungreben vor Spätfrost, beschreibt Claudia Kammann das Verfahren:
Das sind oft nur ein paar Stunden, die dann darüber entscheiden, ob der Winzer nachher einen wahnsinnigen Ertragsausfall hat und vielleicht sogar seinen Betrieb aufgeben muss oder eben nicht.
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Claudia Kammann, Professorin für Klimafolgen an Sonderkulturen
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