37 Grad - die Einzeldokus - Arm, abhängig, abgehängt: Frauen und Geld
Laut Umfrage fühlt sich jede dritte Frau in Deutschland finanziell abhängig – vom Staat oder Partner. Selbst mit guter Ausbildung stecken viele in Teilzeitfallen, Altersarmut oder Bürgergeld.
Beim Anblick der Tierarztrechnung versagen Gisela die Beine, sie muss sich erst einmal setzen. Die Katzen sind alles, was sie hat. Doch die hohen Kosten für die Behandlung ihrer geliebten Kater Schnuffel und Filou wird die Rentnerin nicht länger stemmen können. "Es sieht wirklich so aus, als müsste ich einen abgeben", so Gisela. "Das ist hart, weil ich bin viel alleine hier, und das sind meine kleinen flauschigen Familienmitglieder." Mehr als 35 Jahre hat sie Vollzeit gearbeitet, als Erzieherin, später als Bürokauffrau. Doch wie bei vielen schlecht bezahlten typischen "Frauenberufen" reicht nun die Rente hinten und vorne nicht. Da sie nie geheiratet hat und schon immer allein lebt, muss sie auch alle Kosten allein zahlen. "Manchmal sag ich mir jetzt: Ach, hätte ich mir einen Mann genommen, dann hätte ich jetzt mehr Geld. Aber ein Mann wäre auch eine Abhängigkeit gewesen." Fest steht: Ohne staatliche Aufstockung der Rente und die Lebensmittel der Tafel könnte Gisela in München nicht überleben. Zu hause wird sie drei Tage den gleichen Eintopf essen, um sich das Geld für die Katzenmedikamente im wahrsten Sinne des Wortes vom Mund abzusparen. Wie so oft. Und trotzdem bleibt die Frage, ob sie sich die Katzen weiter wird leisten können.
Ist bei ihr gerade die typische Teilzeitfalle zugeschnappt, oder findet sie noch rechtzeitig wieder heraus? Das fragt sich Carolin gerade jeden Tag, wenn sie zwischen Babybrei und Windelwechseln versucht, ihr Medizinstudium zu schaffen. Gerade ist die Patchwork-Mama mit ihrem zweiten Kind in Elternzeit, die Familienausgaben stemmt derzeit hauptsächlich ihr Mann. Aber gerade weil sie schon einmal eine Trennung hinter sich hat, will Carolin so schnell wie möglich wieder finanziell unabhängig werden. Nur wie, wenn sie ständig verantwortlich für die Kinder ist und kaum Zeit fürs Studium bleibt? Das Dilemma: Wenn sie ihr Studium durchzieht, ist sie mindestens noch vier Jahre komplett abhängig vom Ehemann. Wenn sie die zuverdienende Teilzeitmama bleibt, entstehen Erwerbslücken, und sie wird eines Tages nur eine geringe Rente bekommen, so wie Gisela. "Es ist für mich vom Kopf her schwierig zu sehen, dass er das ganze Geld verdient und ich gerade gar nichts. Ich bin quasi abhängig von meinem Mann. Und wenn wir dann zum Beispiel einkaufen gehen, habe ich ein schlechtes Gewissen, obwohl ich das nicht zu haben bräuchte, weil wir sind ja verheiratet, eine Familie." Wie trifft man als Paar eine faire Entscheidung? Für Carolin ist es ein ständiger Spagat zwischen ihrem Wunsch, eine gute Mutter zu sein, und dem Wunsch nach Selbstverwirklichung und finanzieller Unabhängigkeit. Wie wird sie sich entscheiden? Wird sie das Studium durchziehen und ihrem Traum, unabhängige Landärztin zu werden, treu bleiben?