Das Gute zum Wochenende: Umdenken für die nächste Generation

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    Das Gute zum Wochenende:Umdenken für die nächste Generation

    Christian Dezer
    von Christian Dezer
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    ZDFheute Good News

    Guten Morgen,

    von Wales lernen, heißt Umdenken lernen. Denn der kleine Teil Großbritanniens beschreitet überraschend konsequent und zukunftsweisend neue Wege. Sophie Howe ist die walisische Ministerin mit dem programmatischen Titel "Future Generations Commissioner". Sie vertritt die Interessen der Generation von Morgen in der Regierung. Eine Funktion, die es bei uns nicht einmal ansatzweise gibt.
    Diese Ministerin überprüft bei allen Gesetzesvorlagen der walisischen Regierung, ob sie die Interessen der Jüngeren genügend berücksichtigen. In dieser Funktion stoppte sie schon mal den Bau einer Straße durch ein Naturschutzgebiet. Sie hatte auch Anteil daran, dass mehr Grün in die Innenstädte kommt, Fahrradwege ausgebaut und der Nahverkehr moderner wurde. Und bei allem geht es einzig um ein besseres Leben für zukünftige Generationen.
    30.07.2022 | 29:59 min
    So ist wohl auch der jüngste Beschluss aus der walisischen Hauptstadt Cardiff zu verstehen. Dort hat die Labour-geführte Regionalregierung jetzt Dutzende großer Straßenprojekte gestoppt. Die Entscheidung fiel, nachdem die Auswirkungen der landesweiten Straßenbaupläne auf die Klimaziele des Landes überprüft wurden.
    Das zuständige Ministerium für Klimawandel - ja, auch das ist Teil der Waliser Regierung - will künftig Trassen nur noch genehmigen, wenn sie strenge Klimaauflagen erfüllen - wenn zum Beispiel durch den Neubau die CO2-Emissionen oder die erwartete Zahl der Autos nicht steigen. Natürlich gibt es auch Kritik, unter anderem aus der Baubranche, der Opposition und der Autoindustrie. Aber Wales hat schon 2015 "Zukunftsgesetze" verabschiedet und will im Interesse der nächsten Generationen daran festhalten.
    Auch in Deutschland verändert sich manches: Der Ausbau von Fahrradwegen geht in vielen Städten und Gemeinden voran. Tempolimits im Innenstadtbereich werden mehr und mehr zur Normalität, ebenso wie verkehrsberuhigte Zonen. Frankfurt hat gerade beschlossen, alle Parkplätze im Fließverkehr abzuschaffen und den Autoverkehr künftig gezielter in Parkhaussysteme zu leiten. Andere Städte wollen dem Beispiel folgen.
    Es tut sich was, auch bei uns. Aber in Deutschland werden täglich noch immer knapp 50 Hektar für Siedlungs- und Verkehrsflächen zubetoniert, Tendenz nur leicht sinkend. Diese Fläche entspricht einer Verkaufsfläche von 29 schwedischen Möbel-Märkten pro Tag. Und die derzeitige Bundesregierung, allen voran ihr Verkehrsminister, will viele Milliarden in den großflächigen Autobahnausbau stecken. Walisische Ministerien und Entscheidungsgrundlagen für die Zukunft klingen da doch irgendwie zukunftsweisender. Ok, vielleicht ist Wales nur ein kleines Land, aber auch von Kleinen lässt sich gelegentlich Großes lernen.
    Ich wünsche Ihnen viel Zuversicht.
    Ihr Christian Dezer, Redaktionsleiter plan b  

    Was noch gut war diese Woche

    Nachhaltiger Kunstrasen: Kunststoffrasen wird aus fossilen Rohstoffen produziert. Er ist mehrschichtig aufgebaut - mit einem Granulat, dass den Rasen elastisch macht. Aber die Granulate dieser Faserschicht sind gleichzeitig die Hauptverursacher für Mikroplastikabrieb. Ein Forscherteam arbeitet jetzt an einem biobasierten, biologisch abbaubaren Kunststoffrasensystem. Dabei sollen sich die Partikel im Erdreich innerhalb von 24 Monaten und im Wasser innerhalb von sechs Monaten abbauen. Einen Testrasen soll die Stadt Ellwangen bekommen.
    Straßen aus Joghurtbechern: Viele deutsche Straßen haben Risse, Dellen und Löcher. Um Asphalt stabiler zu machen, mischt die Industrie Kunststoff unter, der jedes Mal neu hergestellt wird. Das Start-Up Ecopals will das ändern und durch zum Beispiel Joghurtbecher, Käse- und Wurstverpackungen ersetzen. 30 Millionen Tonnen dieser Verbundstoffe landen in der Recyclingtonne und werden verbrannt. Das Unternehmen hat ein Verfahren entwickelt, bei dem diese Kunststoffe wiederverwertet und dem Asphalt beigemischt werden können. 
    Pille für den Mann: Forschende in den USA haben eine Verhütungspille für den Mann entwickelt. Sie macht die Spermien zeugungsunfähig und unbeweglich, hindert sie so daran, die Eizelle zu erreichen. Die gute Wirksamkeit, die bisher an Mäusen getestet wurde, ist allerdings nur auf wenige Stunden beschränkt. Die Entwicklung der Verhütungsmethode gilt als vielversprechend.

    Ihre Portion Konstruktives am Wochenende

    Im ZDF geht es in den nächsten Wochen viel um das Thema Meer. Wenn Sie wissen wollen, was sie, für einen besseren Umgang mit der Ressource Fisch und dem Meer tun können, empfehlen wir Ihnen die plan b-Dokumentation "Ein guter Fang":
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    Zusammengestellt von Christian Dezer und Jan Schüßler.