Mahnmal in Ahrweiler: Flut-Würfel gegen das Vergessen-Werden

    Mahnmal in Ahrweiler:Flut-Würfel gegen das Vergessen-Werden

    Christel Haas
    von Christel Haas
    11.02.2023 | 12:25
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    Ein riesiger Würfel, in dem Relikte der Flut "schwimmen". "Museum of modern ahrts" nennt sich das Mahnmal aus Kunstharz selbstbewusst, das in Ahrweiler an die Flut erinnern soll.

    Flut-Mahnmal im Ahrtal
    In Kunstharz gegossene Hochwasser-Relikte: Würfel erinnert in der Kirche St. Laurentius in Ahrweiler an die Flut im Juli 2021.
    Quelle: Thomas Frey/dpa

    Da steht er, blauschimmernd im Halbdunkel. In dem großen Kirchenschiff von St. Laurentius in Ahrweiler wirkt der Würfel fast unscheinbar, obwohl er 1,407 Meter hoch und breit ist. Das Maß steht für den 14. Juli 2021 (14.07.) - der Tag, an dem das verheerende Hochwasser kam.
    Der Ort ist bewusst gewählt. Die Kirche in Ahrweiler ist auch ein Flutopfer. Das Wasser stand hier hüfthoch. Renoviert werden kann noch nicht, das Mauerwerk, der Boden sind noch nass, die Flutschäden deutlich sichtbar.

    In Kunstharz gegossene Flut

    Ein Flutwürfel also in einer Flutkirche. Es ist ein starkes Ensemble. Da der blanke Erdboden, in dem große Löcher klaffen, dort die in Kunstharz gegossene Flut, in der viele überraschende Dinge schwimmen: Eine Trompete, ein verborgenes Autokennzeichen, ein Rad, ein Schwimmflügel. Es sind Original-Relikte, die Helfer aus dem Wasser und dem Schlamm gezogen haben. Jedes davon erzählt eine Geschichte. Da ist zum Beispiel eine schlammverkrustete Weinflasche.
    "Ich habe gedacht: Alles das, was Du Dir aufgebaut hast, ist zerstört," erinnert sich der Winzer Marc Adenauer. "In dem Moment weiß man ja nicht, wie es weiter geht, was passiert und wie die Zukunft aussieht. Man hat tatsächlich Existenzängste."
    Und da ist ein roter Ziegelstein. "Er steht für das, was zerstört wurde, aber auch für den Aufbau, für was Neues", sagt Pfarrer Jörg Meyrer.

    Das Ahrtal wird nicht mehr das, was es mal war. Es muss anders werden.

    Jörg Meyrer

    Es müsse schöner werden, besser werden, so Pfarrer Meyrer. "Dafür werden wir viel Zeit brauchen."

    Erinnerung an Flut und Blick in die Zukunft

    Erinnerung, aber auch der Blick auf den Wiederaufbau und in die Zukunft. Das alles soll der Würfel darstellen. Und er hat noch eine andere Botschaft: 'Vergesst uns nicht!'.
    Wiederaufbau im Ahrtal geht nur langsam voran:
    "Wenn man durchs Ahrtal geht, dann hört man dieses Satz immer wieder", erklärt Daniel Koller, einer der Initiatoren des Kunstwerks. "Das Vergessen ist das, was Katastrophen ausmacht. Am Anfang wird sehr viel darüber gesprochen."
    Doch wenn es um den Wiederaufbau gehe, sei die Aufmerksamkeit, die Unterstützung nicht mehr da. Dabei brauche das Ahrtal immer noch Hilfe. Deshalb auch der Würfel. Mit Kunst gegen das Vergessen-Werden ankämpfen.

    "Wichtig, dass viele wieder ins Ahrtal kommen"

    "Es ist für uns auch wichtig, dass die Menschen wieder ins Ahrtal kommen", sagt der Winzer Marc Adenauer. "Auch wenn viele Restaurants noch geschlossen sind. Die Region lebt vom Tourismus und wenn die Leute nicht kommen, haben wir ein Problem."
    Nach der Flutkatastrophe läuft der Tourismus im Ahrtal wieder an: 
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    Keine Frage - der Würfel weckt Emotionen, doch meist im positiven Sinn. "Ich hatte große Sorge, dass es mich traurig machen würde, ihn zu sehen. Aber das ist nicht der Fall", sagt Anwohnerin Carolin Groß. "Es macht mich stolz, weil es zeigt, was dieses Tal, was die Menschen, die hier leben, hier leisten und ertragen. Und dass sie nicht weggegangen sind."
    Das Ahrtal im Juli 2022 - ein Jahr nach der Flut. ZDF-Reporterin Christel Haas berichtet:
    14.07.2022 | 9:35 min

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