In vielen deutschen Städten werden Clubs von starken finanziellen Problemen geplagt. So auch in Hamburg. Dort kämpft die "MS Stubnitz" gegen den Sturm an. Hält sie Kurs?
Die "MS Stubnitz" auf dem Heimweg nach Hamburg: im Sommer wurde das Clubschiff in Stralsund generalüberholt. (Archivfoto)
Quelle: Imago
Das Clubschiff "MS Stubnitz" in Hamburg ist eigentlich ein alter DDR-Kühlfrachter. Heute gehört es zu den angesagtesten Live-Clubs in Hamburg. In der HafenCity, wo kühle Luxusneubauten und leere Bauflächen das Stadtbild prägen, ankert die Stubnitz.
Auf dem wuchtigen Schiff treten seit 1992 Bands aus aller Welt auf. Doch damit könnte bald Schluss sein. Stefan Hangl, Booker der Stubnitz, sagt:
Ab 120 bis 130 Leute wird der erste Euro verdient. Wenn du einen Abend hast, bei dem du diese Zahl nicht erreichst, machst du Minus.
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Stefan Hangl, Booker der "MS Stubnitz"
Die Kosten für Security, Barpersonal und Ton- und Lichttechniker seien enorm gestiegen und ließen die Stubnitz durch raue Zeiten segeln, so Hangl.
Club-Szene in finanzieller Not
Zu allem Überfluss drohe der Stubnitz auch noch der Verlust ihres Liegeplatzes. Die "HafenCity GmbH" lässt den Vertrag planmäßig 2026 auslaufen. Ihre Machbarkeitsstudie hätte ergeben, dass es für das Szeneschiff in Europas größtem innerstädtischen Stadtentwicklungsprojekt keinen Platz gäbe. Stefan Hangl und seine Crew haben noch keinen neuen Heimathafen für ihr Herzensprojekt gefunden.
Viele Clubs in ganz Deutschland haben finanzielle Probleme. In Berlin muss der legendäre Techno-Club "Watergate" zum Ende des Jahres schließen und hinterlässt eine Lücke in der Szene.
Spendenkampagne hält "Stubnitz" vorerst über Wasser
Bei der "MS Stubnitz" ging es gerade so nochmal gut: Durch eine Spendenkampagne konnte sich das angeschlagene Szeneschiff im Fahrwasser halten. Vorerst zumindest. Die Community des Clubs hat sogar so viel gespendet, dass das ausgerufene Ziel klar übertroffen wurde. Am Ende kamen 33.000 Euro mehr zusammen als erwartet.
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Für Thore Debor, Geschäftsführer des Hamburger Clubkombinats, sind solche Aktionen aber nicht nachhaltig: "So eine Spendenkampagne macht man alle zehn Jahre." So könnten aber nicht die strukturellen Probleme gelöst werden, erklärt Debor bei einem Mitgliedertreffen des Clubkombinats, das die Interessen der Hamburger Clubszene vor der Öffentlichkeit vertritt.
Eine nachhaltigere Lösung könnte die Clubszene in einem Modell finden, das aktuell in Großbritannien hohe Wellen schlägt. Es sieht eine freiwillige Abgabe beim Kauf eines Operntickets oder ähnlichen Musikveranstaltungen der staatlich subventionierten Hochkultur vor, die dann kleinen Bühnen zugutekommt.
Das findet auch Hangl gut: "So schauen Hochkultur und Musikindustrie danach, wie es der Basis geht." Hangl erweitert den Vorschlag und fordert eine Abgabe des Ticketpreises bei Stadionkonzerten, um die lokalen Clubs zu retten.
Stehplatz-Tickets für Taylor Swift kosten teilweise über 200 Euro. Einen Euro davon an die lokale Szene zu geben, das würde auch die "MS Stubnitz" näher ans rettende Ufer bringen.
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Kleine Clubs brauchen Förderung
Der Geschäftsführer des Hamburger Interessenverbands Clubkombinat betont:
Ohne Förderung ist Live-Musik in dieser Größenordnung nicht mehr möglich. Es gibt nichts, was nicht teurer geworden ist,
Die Stadt Hamburg fördert die Clubs. Im Vergleich zur Förderung der städtischen Oper, die im letzten Jahr von der Stadt 68 Millionen Euro erhalten hat, aber nur mit wenig Geld.
Auf die rund 337.000 Euro, die von der Kulturbehörde an die Clubs gehen, kommen 56 antragsberichtigte Clubs in Hamburg. Am Ende bleiben jedem so 520 Euro im Monat. Für die Clubbetreiber viel zu wenig, um ihre Bühnen und Tanzflächen durch diese stürmischen Zeiten zu bringen.
Spaltet die finanzielle Förderung die Kulturszene? Während Opern und Theater als "Hochkultur" oft Zuschüsse vom Staat erhalten, kämpfen Clubs und Festivals häufig um ihre Existenz.
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