Studie aus Japan: Eignungstests für Ältere: Weniger Unfälle

    Studie aus Japan:Eignungstests für Ältere: Weniger Unfälle

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    Fahreignungstests für Ältere führen zu weniger Unfällen - zu diesem Ergebnis kommt eine Studie aus Japan. Auch in Deutschland wird das Thema diskutiert.

    Älterer Autofahrer
    Eignungstest für ältere Autofahrer? Bislang ist das nicht nötig.
    Quelle: dpa

    Obligatorische Fahreignungstests bei Seniorinnen und Senioren führen zu weniger Autounfällen. Das hat eine Studie aus Japan ergeben.
    Die Amerikanische Gesellschaft für Geriatrie (AGS) teilte mit, es wurden Polizeidaten zu Unfällen von Juli 2012 bis Dezember 2019 in Japan ausgewertet. Untersucht wurden Menschen über 70 Jahren, die an 602.885 Unfälle beteiligt waren.

    Verpflichtende kognitive Screeningstests für Senioren

    Im März 2017 gab es eine Gesetzesänderung, die verpflichtende kognitive Screening-Tests für ältere Fahrer vorsieht. Wenn Senioren Demenz nachgewiesen wurde, konnte ihnen der Führerschein entzogen werden. Daraufhin sanken laut der Studie die Unfallzahlen bei männlichen Autofahrern kontinuierlich. Bei Autofahrerinnen war der Zusammenhang nicht so deutlich.
    Der Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV), Siegfried Brockmann, sieht zwar in den Senioren eine ähnlich auffällige Risikogruppe wie bei jungen Fahrern von 18 bis 24 Jahren. Derzeit gebe es jedoch noch kein Problem mit übermäßig vielen Unfällen, da Menschen über 75 Jahren seltener einen Führerschein besäßen und weniger Kilometer zurücklegten.
    Vor allem viele Frauen in dem Alter hätten keine Fahrerlaubnis, was auch den unterschiedlichen Rückgang der Unfallzahlen bei Senioren und Seniorinnen in Japan erklären würde.

    Fahrtest und dann selbst entscheiden?

    Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, gibt es laut Brockmann eine ganze Palette an Maßnahmen. Allerdings seien medizinisch-psychologische Untersuchungen (MPU) so teuer, dass ihr Einsatz arme Rentner überproportional benachteilige.
    Brockmann plädiert für ein niederschwelliges Angebot: und zwar eine verpflichtende Rückmeldefahrt. Bei dieser Fahrt werde der Rentner beispielsweise 45 Minuten von einem Profi begleitet und beurteilt.
    Die Senioren würden dabei über ihre Fahrtüchtigkeit aufgeklärt und könnten danach selbst entscheiden, ob sie den Führerschein abgeben wollen.
    Bald soll es das 49-Euro-Ticket geben, doch in vielen ländlichen Regionen ist das Angebot im ÖPNV noch immer mau. Schnelle Abhilfe können sogenannte On-Demand-Verkehre sein: Busse auf Bestellung.12.11.2022 | 4:09 min

    ADAC: Mehr Unfälle wegen demografischer Entwicklung

    Für den ADAC zeigt die Unfallstatistik, dass die Gruppe der älteren Autofahrer und Autofahrerinnen nicht überdurchschnittlich viele schwere Unfälle verursacht. Der Anstieg von Unfällen mit Senioren über 75 Jahren liegt dem Verband zufolge an zwei Gründen: Erstens hat die Zahl der Menschen über 75 Jahren mit Führerschein zugenommen und zweitens steigt der Anteil dieser Altersgruppe in der Bevölkerung.
    Das Alter der Menschen sei nicht entscheidend für die Teilnahme am Straßenverkehr, sondern Gesundheitszustand und Fahrerfahrung. Die Gruppe älterer Fahrer und Fahrerinnen zeichne sich in der Regel durch einen situationsangepassten Fahrstil und vorausschauendes Fahren aus.

    Zahl der Verkehrstoten steigt
    :Wie lassen sich Unfälle in Städten vermeiden?

    Die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland steigt. Viele tödliche Unfallberichte kursieren in den Medien. Wie ist die Situation in deutschen Städten? Was sind die Lösungsansätze?
    von Josua Schwarz
    Feuerwehrleute stehen an einer Unfallstelle hinter einem Autowrack, aufgenommen am 06.04.2021 in Monheim

    Meldepflicht von Ärzten umstritten

    Beim Verkehrsgerichtstag in Goslar wird eine Meldepflicht für Ärzte von fahrungeeigneten Menschen diskutiert. Dabei geht es neben Senioren auch um schwer kranke Menschen.
    Es geht darum, ob und wann Ärzte Patienten mit Einschränkungen an Fahrerlaubnisbehörden melden dürfen oder sollen. Viele Verbände, darunter auch der ADAC, sind gegen eine solche Meldepflicht, die die ärztliche Schweigepflicht aufbrechen würde. Sie fürchten einen Vertrauensverlust zwischen Arzt und Patient.
    Quelle: Felix Müschen, dpa