Santiago de Compostela:Jakobsweg: Wenn Pilger zu viel Krach machen
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Massentourismus sorgt im Wallfahrtsort Santiago de Compostela für Ärger - vor allem Lärm stört die Anwohner. Beauftragte sollen nun mit Dezibelmessgeräten durch die Straßen ziehen.
Pilger auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Galicien, Spanien.
Quelle: Imago
Santiago de Compostela ächzt unter dem anhaltenden Massentourismus. Für Bewohner des weltberühmten Wallfahrtsortes in Spanien sind die Grenzen der Toleranz längst überschritten. Der Streit um den Lärm von Jakobspilgern und gewöhnlichen Touristen geht nun in eine neue Runde. Künftig sollen Lärmmessgeräte zum Einsatz kommen.
Denn beim Einzug in die Stadt im Nordwesten Spaniens halten sich manche Pilger nicht zurück. Lauthals hört man sie jubilieren und singen, selbst zu frühester Morgenstunde. Vereinzelt kommen in organisierten Gruppen sogar musikalische Begleitung durch Instrumente wie Trommeln und Flöten hinzu. In den Altstadtgassen hallt der Lärm besonders wider. Anwohner werden um Schlaf und Ruhe gebracht.
Übermäßiger Lärm, Radfahren auf verbotenen Strecken, Alkoholkonsum - all diese Verhaltensweisen von Pilgern auf dem Jakobsweg sind unerwünscht, kommen aber reichlich oft vor.24.08.2023 | 2:14 min
Lärm und Krach: Stadt will gegensteuern
Nun tragen die Beschwerden der Bewohner Früchte. Die Stadtverwaltung von Santiago de Compostela hat bekanntgegeben, dass voraussichtlich ab Ende August oder Anfang September zehn "Informations-Erteiler" im historischen Bezirk zu Fuß unterwegs sein werden.
Man wird sie an ihren Schutzwesten, Tablets und Rucksäcken erkennen. Mit im Gepäck werden sie Lärmmessgeräte haben, die wichtigsten Bestandteile ihres Equipments.
Damit sollen sie die Dezibelwerte von Pilger- und Touristengruppen kontrollieren. Beim Überschreiten bestimmter Grenzen sollen die Verursacher des Lärms zwar zurechtgewiesen und informiert, aber zunächst nicht bestraft werden. Zudem sind die "Informations-Erteiler" dazu abgestellt, Besuchern Hinweise zu anderen möglichen Zielen zu geben als dem wichtigsten, nämlich dem Kathedralplatz, der Praza do Obradoiro.
Damit, so der Plan, könnte der Massenandrang zumindest ein wenig entzerrt werden. Laut einem Beitrag des spanischen Fernsehsenders Tele 5 ist die Maßnahme mit einem Etat von knapp 100.000 Euro verabschiedet worden.
Auch andere Orte in Spanien leiden unter Massentourismus:
Gelder zurück in die Stadtkasse spülen derweil Bußgelder, die von der Polizei verhängt werden. Im laufenden Jahr sind in Santiago de Compostela laut einem Bericht der Zeitung "ABC" Geldstrafen gegen fast 400 Personen wegen "unzivilisierten Verhaltens" verhängt worden. Ob es sich dabei um Jakobspilger, Touristen oder Einheimische handelte, ist im Detail nicht ersichtlich. Strafen gab es für diese Vergehen:
202 Strafen trafen jene, die beim Urinieren auf der Straße erwischt wurden,
152 Mal ging es um den Konsum alkoholischer Getränke im öffentlichen Raum,
31 Mal um Gesänge und Gegröle,
7 Mal um die unerlaubte Benutzung von Megafonen.
Pilgerstätte plädiert für stilles Genießen
Vorgeschrieben für Reisegruppen und ihre Führer ist eigentlich der Einsatz von Headsets. Die Verstöße können teuer werden: bis zu 750 Euro für den Alkoholgenuss, zwischen 60 und 1.500 Euro für jedwede Art von Lärmbelästigung.
Pilger und Touristen, so schwebt es der Stadtverwaltung vor, sollten aus alledem entsprechende Konsequenzen ziehen: Die Gäste sind angehalten, Santiagos Flair so still wie möglich zu genießen - und auf die glückliche Ankunft nur in den Kneipen anzustoßen.
Quelle: dpa
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