Synodalversammlung: Segensfeiern für Homosexuelle erlaubt

    Katholische Synodalversammlung :Segensfeiern für Homosexuelle beschlossen

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    Die Synodalversammlung in Frankfurt hat eine Entscheidung getroffen: Homosexuelle Paare - und auch wiederverheiratete geschiedene Menschen - sollen gesegnet werden.

    Nach langwierigen Beratungen hat der "Synodale Weg" Reform-Beschlüsse gefasst: Zu homosexuellen Paaren und zum Einsatz von Nicht-Priestern - gegen Vorgaben aus Rom.10.03.2023 | 2:56 min
    In der katholischen Kirche in Deutschland kann es Segensfeiern auch für homosexuelle Paare geben. Das hat die Synodalversammlung zur Reform der katholischen Kirche am Freitag in Frankfurt am Main beschlossen. Zivil wiederverheiratete Geschiedene sollen ebenfalls ihre Beziehung von der katholischen Kirche segnen lassen können.

    81 Prozent der Bischöfe stimmen dafür

    Das Reformprojekt Synodale Weg verabschiedete nach einer kontroversen Debatte mit einer Mehrheit von knapp 93 Prozent ein Papier, das empfiehlt, zeitnah angemessene liturgische Feiern zu entwickeln und einzuführen. Von den Bischöfen stimmten knapp 81 Prozent dafür.
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    Erarbeitet werden soll eine Handreichung für Segensfeiern für verschiedene Paarkonstellationen. Seelsorgern, die eine solche Segensfeier durchführen, dürften keine disziplinarischen Konsequenzen mehr drohen. Für alle interessierten Paare solle es zur Vorbereitung Gespräche mit Seelsorgenden und gegebenenfalls Seminare geben.

    Prüfstein für die katholischen Kirche in Deutschland

    Die drei Jahre bis dahin sollen genutzt werden, um unter Beteiligung der Bischöfe Formulare und die liturgische Form der Zeremonie zu erstellen. Die Zulassung von Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare war eine Hauptforderung für den seit 2019 laufenden Reformprozess Synodaler Weg und galt als Prüfstein für die Veränderungsfähigkeit der katholischen Kirche in Deutschland.

    Jürgen Erbacher, ZDF-Redaktion Kirche und Leben

    Die Entscheidung, künftig auch in der katholischen Kirche in Deutschland die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren zu ermöglichen, ist ein entscheidender Fortschritt und eine Art Nagelprobe für den Reformwillen der deutschen Bischöfe. 80 Prozent der anwesenden Bischöfe stimmten für den Text "Segensfeier für Paare, die sich lieben". Dieser sieht Segnungsfeiern auch für wiederverheiratete Geschiedene vor.

    Damit wird das aus der Grauzone herausgeholt, was bereits in vielen katholischen Kirchengemeinden in Deutschland praktiziert wird. Dies bringt auch Sicherheit für die Segnenden, die künftig nicht mehr disziplinarisch belangt werden können. Zugleich wird eine zentrale Forderung der Mehrheit der deutschen Katholiken, die Reformen in ihrer Kirche wünschen, erfüllt. In einem ersten Schritt soll nun eine gemeinsame Kommission unter Leitung der Bischofskonferenz und des Dachverbands der katholischen Laien eine Handreichung erarbeiten.

    Mit der Entscheidung stellt sich die Versammlung gegen eine Vorgabe aus dem Vatikan. Die Glaubenskongregation hatte 2021 festgestellt, dass eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare "nicht erlaubt" sei. Allerdings berichtete der Bischof von Antwerpen, Johan Bonny, kurz vor der Abstimmung in der Synodenaula in Frankfurt, dass die belgischen Bischöfe eine entsprechende Regelung eingeführt hätten.

    Hier habe es aus dem Vatikan kein Veto gegeben. Vielmehr habe Papst Franziskus lediglich die Frage gestellt, ob die gesamte Bischofskonferenz hinter dem Beschluss stehe. Das sei der Fall.  Eine solche Einmütigkeit gibt es innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz nicht. Daher bleibt abzuwarten, wie Rom auf den Beschluss der Synodalversammlung reagiert.

    Jürgen Erbacher ist Leiter der ZDF-Redaktion Kirche und Leben katholisch.

    Das Papier mit dem Titel "Segensfeiern für Paare, die sich lieben" betont, eine Weigerung, die Beziehung zweier Menschen zu segnen, "die ihre Partnerschaft in Liebe, Verbindlichkeit und Verantwortung zueinander und zu Gott leben wollen" sei unbarmherzig bis diskriminierend. Insbesondere weil sich dies "gnadentheologisch nicht überzeugend" begründen lasse.

    Abgeschwächte Form des ursprünglichen Textes

    Der Vatikan hatte 2021 klargestellt, dass es "nicht erlaubt" sei, homosexuelle Partnerschaften zu segnen, da solche Verbindungen "nicht als objektiv auf die geoffenbarten Pläne Gottes hingeordnet anerkannt werden" könnten. Die Segensfeiern werden in vielen Gemeinden heute schon praktiziert, finden aber in einer kirchenrechtlichen Grauzone statt.
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    Genau diese Grauzone kritisierten viele der Synodalen. Es sei an der Zeit, Segensfeiern aus Wohnzimmern und heimlichen Treffen in einer Kirche herauszuholen, hieß es mehrfach.
    Künftig sollen die Priester, die den Segen spenden, keine Sanktionen mehr zu befürchten haben. Auch wiederverheiratete Geschiedene sollen gesegnet werden können. Das verabschiedete Papier ist eine etwas abgeschwächte Form des ursprünglichen Textes, indem nun zunächst eine Arbeitsgruppe mit unter anderem der Deutschen Bischofskonferenz und dem Laien-Dachverband ZdK eine liturgische Handreichung erarbeiten soll.
    Quelle: dpa, KNA

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