Weltärztebund-Chef fordert EU-weite Medikamentenreserven

    Weltärztebund-Chef :Montgomery für EU-weite Reserve an Arznei

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    Zuletzt schlugen immer mehr Kinderärzte wegen Engpässen bei Medikamenten Alarm. Um dem Mangel zu entgegnen, plädiert der Weltärztebund-Chef Ulrich Montogmery für EU-weite Reserven.

    Frank Ulrich Montgomery - Archivbild vom 30. Mai 2019
    Frank Ulrich Montgomery. (Archivbild)
    Quelle: dpa

    Angesichts des Mangels an einzelnen Arzneien fordert der Vorsitzende des Weltärztebunds, Frank Ulrich Montgomery, eine EU-weite Medikamentenreserve. Seit über zehn Jahren nähmen die Engpässe zu. "Der Grund sind falsch gesetzte wirtschaftliche Anreize bei der Pharmaindustrie", sagte er den Zeitungen der Funke-Gruppe.
    "Bei Massenprodukten außerhalb des Patentschutzes werden die Margen als gering eingeschätzt, 'Big Pharma' hat kein Interesse mehr an diesen Medikamenten und schiebt die Produktion in Billiglohnländer wie China oder Indien ab. Brennt dort eine Fabrik ab, fehlt eine Grundsubstanz oder gibt es Qualitätsmängel - plötzlich fehlt ein Arzneimittel auf der ganzen Welt", sagte Montgomery.
    Blick in das automatisierte Medikamentenlager einer Apotheke. Hausärzte und Apotheken rechnen trotz der angekündigten Gegenmaßnahmen mit einem anhaltenden Medikamentenmangel in den kommenden Monaten.
    Im Herbst könnte sich der Mangel an Medikamenten verschärfen. Ärzte sehen vor allem die Gesundheit der Kinder gefährdet – und zwar europaweit.29.04.2023 | 1:51 min

    Montgomery: EU-Reserve lässt sich sofort schaffen

    Eine EU-Reserve als "Verpflichtung für die Pharmaindustrie, überwacht und gemanagt von Staat und Ärzteschaft", lasse sich sofort schaffen, erklärte Montgomery. Auch müsse die Politik mit passenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Produktionsstandorte zurück nach Europa holen. Lieferketten sollten mit mehreren Quellen für Medikamente gesetzlich abgesichert werden.
    In der vergangenen Woche hatten Kinder- und Jugendärzte aus mehreren europäischen Ländern einen Brandbrief an ihre Gesundheitsminister verfasst und fehlende Kinderarzneimittel angeprangert. Das Bundesgesundheitsministerium erklärte jüngst offiziell einen Versorgungsmangel mit Antibiotikasäften für Kinder - damit können die Importregeln gelockert werden.

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