Flugzeugabsturz 1975: Wie man das Schlimmste verhinderte
Flugzeugabsturz vor 50 Jahren:Wie ein Pilot zum tragischen Helden wurde
von Jan Meier
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In der DDR waren die Details des schwersten Unglücks in der Geschichte der Luftstreitkräfte der NVA Verschlusssache. Erst jetzt wird der Pilot öffentlich als Held geehrt.
Nach dem Ausfall der Triebwerke stürzte ein Militärflugzeug der Nationalen Volksarmee am 14. Januar 1975 in einen Plattenbau. Bei dem schweren Unfall in Cottbus starben 7 Menschen.13.01.2025 | 7:29 min
Der NVA-Kampfjet stürzte in einen Cottbuser Plattenbau. Sieben Menschen kamen dabei ums Leben. Dennoch ist der Pilot ein Held, denn er hat wahrscheinlich viel Schlimmeres verhindert. Davon ist Klaus Junker überzeugt. Der heute 73-Jährige war selbst Pilot und wartete am 14. Januar 1975 im Aufenthaltsraum des Militärflughafens auf seinen Einsatz. Dann erfuhr er, dass die Maschine seines Kameraden Peter Makowicka abgestürzt war, nur zwei Kilometer vor der Landebahn.
Am Ende des Routineflugs ging Peter Makowicka zur Landung über. Doch als das Fahrwerk ausgefahren war, fiel die Wartungsklappe ab. Die Folge: Die angesaugte Luft konnte nicht mehr ausreichend verdichtet werden. Das Triebwerk fiel aus. Die MiG verlor dramatisch an Geschwindigkeit und Höhe, über dem Stadtgebiet von Cottbus.
Weniger als 7 Sekunden für eine schwere Entscheidung
Der Tower gab die Erlaubnis, den Schleudersitz zu benutzen und sich aus der abstürzenden Maschine zu katapultieren. Der 33 Jahre alte erfahrene Major musste schnell entscheiden.
Es blieben ihm vielleicht noch 6,7 Sekunden, bis er unten war, schätzt Klaus Junker ein.
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Er wollte bestimmt nicht sterben, aber das Flugzeug drohte, auf das Textilkombinat zu stürzen, in dem 4.000 Beschäftigte in drei Schichten gearbeitet haben.
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Klaus Junker, ehemaliger NVA Pilot
Daneben war auch noch ein Kindergarten. Da wollte er garantiert nicht rein, meint Klaus Junker, der Peter Mackowicka gut kannte.
Die MiG-21 bohrte sich in einen Plattenbau, zwischen dem ersten und dem zweiten Stock. Hunderte Liter Kerosin verbrannte. Das Treppenhaus wurde zur tödlichen Falle. In den oberen Etagen gerieten Menschen in Panik, wollten vom Balkon springen. Als die Feuerwehr eintraf, stand der ganze Wohnblock in Flammen.
Der schwerste Unfall der DDR-Luftstreitkräfte verursachte sieben Tote. Glücklicherweise konnte der Pilot ein größeres Unglück verhindern - dafür bezahlte er mit dem Leben.
Quelle: Bundesarchiv
Frank Niendorf war 14 Jahre alt und hatte schulfrei. Er hörte es krachen und lief in die Schmellwitzer Straße.
Dann habe ich das Flugzeug gesehen, das wie ein Pfeil in einen Körper reingebohrt war. Es zeigte nur noch das Leitwerk, also der hintere Teil raus.
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Frank Niendorf, Zeitzeuge
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Sieben Tote durch Absturz
Er ist nicht sicher, ob das Flugzeug ungesteuert in das Textilkombinat gestürzt wäre. Auf jeden Fall habe der Pilot sein Leben geopfert, damit es weniger Opfer insgesamt gebe, sagt Niendorf heute.
Als die Flammen gelöscht waren, bargen die Feuerwehrleute nicht nur den toten Piloten. Zwei junge Frauen, 20 und 21 Jahre alt, aus einem Dorf im Spreewald bewohnten gemeinsam ein Zimmer im Ledigenheim, in dem sie zusammen starben. Zwei Nachbarinnen, 19 und 20 Jahre alt, kamen ums Leben und eine 52-jährige Gastarbeiterin aus Polen. Eine 26-jährige Polin, die mit schweren Rauchgasvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert wurde, starb dort. 16 weitere Menschen wurden verletzt.
DDR-Propaganda versucht zu vertuschen
Der schwerste Unfall der DDR-Luftstreitkräfte passte nicht in die offizielle Propaganda. Doch solch ein Unfall mitten in einer Stadt ließ sich nicht verheimlichen. In den Zeitungen wurde eine knappe Mitteilung abgedruckt.
Die Öffentlichkeit erfuhr nicht, dass ein Militärgericht später den nachlässigen Flugzeugtechniker zu fünf Jahren Haft verurteilte. Der Unfall hatte aber Konsequenzen: Die DDR-Führung beschloss, den Militärflugplatz an der Stadtgrenze von Cottbus zu schließen und einen neuen in einer dünner besiedelten Region zu bauen. Im Jahr 1982 wurde das Jagdgeschwader schließlich von Cottbus nach Holzdorf verlegt.
Das Unglückshaus blieb trotz des enormen Aufpralls stehen. Der DDR-Plattenbau musste nicht abgerissen werden und wurde saniert. Klaus Junker und seine Kameraden von damals ließen hier vor einem Jahr eine Gedenktafel anbringen. Sie erinnert an Peter Makowicka und die sechs weiteren Menschen, die vor 50 Jahren in diesem Haus ums Leben kamen.
Die dreiteilige ZDFinfo-Doku-Reihe beleuchtet die über 40-jährige Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik. Dabei kommen prominente Zeitzeugen und Historiker zu Wort
Quelle: dpa
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