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Unicef-Report - Die Psyche jedes siebten Kindes leidet

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Junge Menschen könnten die Folgen der Pandemie auf ihre psychische Gesundheit noch viele Jahre lang spüren, warnt Unicef. Das sei aber nur "die Spitze des Eisbergs". Ein Überblick.

Die Corona-Pandemie hat psychische Probleme von Kindern und Jugendlichen verstärkt. Dies ergibt eine Umfrage vom Kinderhilfswerk Unicef.

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1 min
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Die Corona-Pandemie belastet die Psyche von Kindern und Jugendlichen. Doch das sei nur "die Spitze des Eisbergs", stellt Unicef in seinem heute veröffentlichten "Bericht zur Situation der Kinder in der Welt 2021" fest.

Das UN-Kinderhilfswerk kommt zu dem Schluss, dass bereits vor der Pandemie ein großer Anteil von ihnen unter psychischen Belastungen litt. Gleichzeitig werde weltweit wenig in ihre psychische Gesundheit investiert.

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Suizid ist vierthäufigste Todesursache bei jungen Menschen

Schätzungsweise jeder siebte junge Mensch zwischen zehn und 19 Jahren (13 Prozent) lebt laut Report mit einer diagnostizierten psychischen Beeinträchtigung. Das entspricht rund 80 Millionen Jugendlichen im Alter von zehn bis 14 Jahren und 86 Millionen Heranwachsenden im Alter von 15 bis 19 Jahren.

Besonders betroffen sind junge Menschen in den Regionen Mittlerer Osten und Nordafrika, Nordamerika und Westeuropa. Am häufigsten werden Angststörungen und Depressionen (40 Prozent) diagnostiziert.

Weltweit nehmen sich jedes Jahr schätzungsweise 45.800 junge Menschen zwischen zehn und 19 Jahren das Leben – einer alle elf Minuten. In der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen ist Suizid die vierthäufigste Todesursache nach Verkehrsunfällen, Tuberkulose und Gewalttaten.

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Risiko- und Schutzfaktoren für mentale Gesundheit

In entscheidenden Phasen der Entwicklung von Kindern können die Erfahrungen, die sie machen, sowie ihr Lebensumfeld ein Risiko für ihre mentale Gesundheit darstellen – oder sie können dabei helfen, die Kinder zu schützen. Drei Bereiche beeinflussen die psychische Gesundheit:

  • das Zuhause des Kindes und sein Erziehungsumfeld
  • Sicherheit und Bindungen in Kindertageseinrichtungen, Schulen und Gemeinden
  • Einflussfaktoren wie Armut, Naturkatastrophen oder Diskriminierung

Kinder seien laut Report häufig die Hauptleidtragenden in humanitären Krisen: 2018 waren hierdurch 415 Millionen Mädchen und Jungen Stresssituationen und traumatischen Erlebnissen ausgesetzt.

Pandemie "nur die Spitze des Eisbergs"

Die Folgen der Covid-19-Pandemie für die mentale Gesundheit seien besorgniserregend, so Unicef. Bei einer Befragung in 21 Ländern sagen im Durchschnitt 19 Prozent der 15- bis 24-Jährigen, dass sie sich in der ersten Jahreshälfte 2021 oft deprimiert gefühlt haben oder wenig Interesse an Dingen hatten oder daran, etwas zu unternehmen. In Deutschland gab das einer von vier der befragten jungen Menschen an (24 Prozent).

"Es waren lange 18 Monate für uns alle – insbesondere für Kinder. Aufgrund der pandemiebedingten Einschränkungen haben Kinder prägende Abschnitte ihres Lebens ohne ihre Großeltern oder andere Angehörige, Freunde, Klassenzimmer und Spielmöglichkeiten verbracht – Schlüsselelemente einer jeden Kindheit", stellt Unicef-Direktorin Henrietta Fore fest. "Die Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche sind gravierend."

Gleichzeitig sind sie nur die Spitze des Eisbergs, denn bereits vor der Pandemie litten viel zu viele Kinder an psychischen Belastungen, die unberücksichtigt blieben.
Henrietta Fore, Unicef

Kinder haben in der Corona-Krise Sorgen, sind einsam. Der Shutdown hat Folgen für die Psyche.

Beitragslänge:
28 min
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Geringe Investitionen in psychische Gesundheit

83 Prozent der Menschen zwischen 15 und 24 Jahren sagen, dass sich psychische Probleme besser bewältigen lassen, wenn man seine Erfahrungen mit anderen teilt und sich Hilfe sucht. In Deutschland sind sogar 91,7 Prozent der jungen Menschen dieser Meinung.

Trotz des großen Bedarfs betragen die Regierungsausgaben für mentale Gesundheit im globalen Durchschnitt nur 2,1 Prozent der Gesundheitsausgaben insgesamt. In einigen der ärmsten Länder geben Regierungen durchschnittlich weniger als einen US-Dollar pro Person für die Behandlung aus. In Entwicklungs- und Schwellenländern kommen auf 100.000 Einwohner*innen im Schnitt 0,1 Psychiater*innen, die sich auf Kinder und Jugendliche spezialisiert haben. In den Industrieländern sind es 5,5 pro 100.000.

Wie psychische Gesundheit gestärkt werden kann

Unicef ruft mit seinem Bericht Regierungen und Partner aus der Privatwirtschaft und die Öffentlichkeit dazu auf, die psychische Gesundheit von jungen Menschen und Betreuenden zu fördern und gefährdete Kinder zu schützen, und fordert:

  • mehr Investitionen in die psychische Gesundheit in allen Bereichen der Gesellschaft
  • Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit sollten ausgeweitet werden
  • Schulen sollten Hilfsangebote ausbauen und Kinder durch ein positives Lernumfeld unterstützen

"Die Förderung der psychischen Gesundheit junger Menschen ist kein Luxus, sondern ein wichtiger Beitrag für ihr Wohlbefinden, ihre Entwicklung und ihre Teilhabe am Leben", erklärt Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland.

Wir müssen das Thema aus der Tabuecke holen und Kindern und jungen Menschen die Unterstützung geben, die sie brauchen.
Christian Schneider, Unicef

Pandemie-Folgen für Jugend - "Politik hat dieses Thema ignoriert" 

Während Schüler*innen langsam zum Präsenzunterricht zurückkehren, zeigen sich bei vielen die Folgen der Pandemie: Fast ein Drittel von ihnen ist psychisch auffällig.

Videolänge
15 min
von Sue Odenthal und Anne Herzlieb
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