Um in Großbritanniens überfüllten Gefängnissen Platz zu schaffen, sollen einige Häftlinge vorzeitig entlassen werden. Die Regierung will auch Alternativen zu einer Haft überprüfen.
Die britische Regierung startet eine Untersuchung, um das Strafsystem zu überprüfen.
Quelle: dpa
Großbritannien entlässt erneut vorzeitig Häftlinge, um Platz in überfüllten Gefängnissen zu schaffen. Etwa 1.100 Gefangene sollen etwas früher als geplant freikommen, wie die britische Nachrichtenagentur PA meldete. Der ehemalige Justizminister David Gauke, der eine Untersuchung in das Strafsystem leiten soll, betonte:
Es ist offensichtlich, dass unsere Gefängnisse nicht funktionieren.
„
David Gauke, britischer Ex-Minister
Die Zahl der Gefangenen steige jedes Jahr um etwa 4.500, erklärte Gauke. Zudem seien fast 90 Prozent derjenigen, die zu Haftstrafen verurteilt werden, Wiederholungstäter.
Die Gefängnisse werden immer voller. Nach nur 40 Prozent der gebüßten Strafe wurden im September 1.800 Häftlinge vorzeitig entlassen. 11.09.2024 | 2:36 min
Britische Gefängnisse seit Langem am Anschlag
Justizministerin Shabana Mahmood hatte im Juli gewarnt, die Justizvollzugsanstalten stünden kurz vor dem Kollaps. Wenn man jetzt nicht handle, drohe ein Zusammenbruch von Recht und Ordnung. Bereits im September waren in England und Wales etwa 1.700 Häftlinge vorzeitig entlassen worden. Jetzt greift der nächste Schritt eines Notfallplans.
Um Platz zu schaffen, können einige Gefangene nun schon nach 40 Prozent ihrer verbüßten Strafe entlassen werden. Normalerweise müssen mindestens 50 Prozent abgesessen werden, bevor man gegen Auflagen auf freien Fuß kommt. Wer aber etwa wegen Terrorismus oder Sexualstraftaten einsitzt, kommt nicht früher frei.
Ein Stich in die Brust - mitten in einem Gefängnis: Ein Polizist wurde in England von einem Häftling schwer verletzt. Kann die neue Regierung die Überfüllung der Gefängnisse lösen?29.07.2024 | 2:10 min
Untersuchung soll Strafsystem überprüfen
Die Regierung will auch überprüfen, welche Haftalternativen stärker genutzt werden könnten - etwa Technologie, gemeinnützige Arbeit oder Geldstrafen. Ex-Minister Gauke sagte, es solle untersucht werden, wie Strafe und Rehabilitation im 21. Jahrhundert aussehen sollten und wie Großbritannien sein Justizsystem aus der Krise in eine langfristige, nachhaltige Zukunft führen könne.
Eine Idee wären nach Angaben der Nachrichtenagentur PA etwa Armbanduhren, die Menschen daran erinnern, dass sie einen Termin mit ihrem Bewährungshelfer oder bei der Therapie haben.
Es wurden "zum Teil auch Hotels abgefackelt". Diese "neue Qualität" der Proteste habe man "in Großbritannien bisher noch nicht gesehen", berichtet Rechtsextremismus-Experte Neumann.06.08.2024 | 4:51 min
Die neue Regierung von Premierminister Keir Starmer hat der konservativen Vorgängerregierung die Schuld daran gegeben, dass die Haftplätze knapp werden und etliche Gefängnisse in marodem Zustand sind.
Diese Regierung hat Gefängnisse in der Krise geerbt, die kurz vor dem Zusammenbruch standen.
„
Shabana Mahmood, britische Justizministerin
Die Gefängnisse gerieten außerdem wegen der rechtsextremen Ausschreitungen im Sommer unter Druck. Gerichte gehen hart gegen Randalierer vor und verhängen teils mehrjährige Haftstrafen.
Quelle: dpa
Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Dann sind Sie beim ZDFheute-WhatsApp-Channel richtig. Hier erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten auf Ihr Smartphone. Nehmen Sie teil an Umfragen oder lassen Sie sich durch unseren Podcast "Kurze Auszeit" inspirieren. Zur Anmeldung: ZDFheute-WhatsApp-Channel.
Um dir eine optimale Website der ZDFmediathek, ZDFheute und ZDFtivi präsentieren zu können, setzen wir Cookies und vergleichbare Techniken ein. Einige der eingesetzten Techniken sind unbedingt erforderlich für unser Angebot. Mit deiner Zustimmung dürfen wir und unsere Dienstleister darüber hinaus Informationen auf deinem Gerät speichern und/oder abrufen. Dabei geben wir deine Daten ohne deine Einwilligung nicht an Dritte weiter, die nicht unsere direkten Dienstleister sind. Wir verwenden deine Daten auch nicht zu kommerziellen Zwecken.
Zustimmungspflichtige Datenverarbeitung • Personalisierung: Die Speicherung von bestimmten Interaktionen ermöglicht uns, dein Erlebnis im Angebot des ZDF an dich anzupassen und Personalisierungsfunktionen anzubieten. Dabei personalisieren wir ausschließlich auf Basis deiner Nutzung der ZDFmediathek, der ZDFheute und ZDFtivi. Daten von Dritten werden von uns nicht verwendet. • Social Media und externe Drittsysteme: Wir nutzen Social-Media-Tools und Dienste von anderen Anbietern. Unter anderem um das Teilen von Inhalten zu ermöglichen.
Du kannst entscheiden, für welche Zwecke wir deine Daten speichern und verarbeiten dürfen. Dies betrifft nur dein aktuell genutztes Gerät. Mit "Zustimmen" erklärst du deine Zustimmung zu unserer Datenverarbeitung, für die wir deine Einwilligung benötigen. Oder du legst unter "Einstellungen/Ablehnen" fest, welchen Zwecken du deine Zustimmung gibst und welchen nicht. Deine Datenschutzeinstellungen kannst du jederzeit mit Wirkung für die Zukunft in deinen Einstellungen widerrufen oder ändern.