Lauterbach: Krankenhausreform rettet kleine Häuser zuerst

    Interview

    Lauterbach zu Krankenhausreform:Kleine Krankenhäuser "werden zuerst gerettet"

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    Karl Lauterbach verteidigt im ZDF die geplante Krankenhausreform. Entgegen häufiger Kritik käme diese vor allem kleinen Krankenhäusern zugute, so der Gesundheitsminister.

    14.03.34: Marietta Slomka spricht mit Karl Lauterbach.
    „Die kleinen Häuser auf dem Land werden zuerst durch die Reform gerettet“, sagt Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Ohne die Reform hätten sie „keine Perspektive“.14.03.2024 | 5:12 min
    Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) treibt die Krankenhausreform voran. In den kommenden Tagen will er dazu ein neues Krankenhausgesetz vorstellen. Kritiker wie die Deutsche Krankenhausgesellschaft befürchten weitere Insolvenzwellen und eine Unterversorgung besonders auf dem Land.
    Im ZDF heute journal sprach der Minister mit Marietta Slomka über die Kritikpunkte und verteidigte die Krankenhausreform.
    Sehen Sie das gesamte Interview mit Gesundheitsminister Karl Lauterbach oben im Video oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Lauterbach über...

    ... den Streit mit der Krankenhausgesellschaft

    Es sei eine "Gefechtslage", es gehe um "sehr viel Geld", so Lauterbach. Daher werde auch schon mal "gröber" verhandelt. "Aber im Großen und Ganzen geht es um die Sache. Wenn da ein bisschen Schärfe reingekommen ist, muss das auch wieder weg. Wir machen weiter."

    ... die Insolvenzwelle bei deutschen Kliniken und Krankenhäusern

    Die Deutsche Krankenhausgesellschaft berichtete im letzten Jahr bereits von 40 Insolvenzen, in diesem Jahr könnten es demnach sogar 80 oder mehr werden. "Wir machen die Reform, um die Häuser, die gebraucht werden, zu retten", betont Lauterbach daher.

    Wenn wir die Reform jetzt nicht machen würden, dann würde es in den nächsten Jahren ein Krankenhaussterben von einem ungeahnten Ausmaß geben, das ist ganz klar. Das wenden wir ab.

    Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD)

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    Immer mehr deutschen Krankenhäusern droht die Insolvenz. Die Krankenhaus-Reform sollte eigentliche die Rettung sein - doch die Umsetzung lässt auf sich warten.14.03.2024 | 1:46 min
    Im letzten Jahr habe die Regierung ungefähr sechs Milliarden Euro mehr für die Krankenhäuser ausgegeben, noch einmal sechs Milliarden kämen laut Berechnungen der AOK in diesem Jahr für den Pflegebereich dazu. Zudem sollen die aktuellen Tarifsteigerungen mit dem Krankenhausgesetz für das gesamte Jahr 2024 ausgeglichen werden, so Lauterbach.

    Wir nehmen sehr viel Geld in die Hand.

    Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD)

    ... eine mögliche Unterversorgung im ländlichen Raum

    Schon jetzt sei es so, sagt der Minister, dass die Menschen vom Land wegziehen oder für größere Operationen in die Stadt fahren würden. Kleine Krankenhäuser hätten also weniger Fälle, was nun durch die Reform ausgeglichen werden soll.
    Mit der Reform bekämen die Krankenhäuser nämlich 60 Prozent des Budgets als "Vorhaltepauschale" unabhängig von den Fallzahlen - und die restlichen 40 Prozent nur über die Fälle.
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    Wenn die Fallzahlen also wie auf dem Land sinken, hätten kleine Krankenhäuser Lauterbach zufolge ohne die Reform keine Perspektive.

    Die kleinen Häuser auf dem Land werden zuerst durch die Reform gerettet.

    Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD)

    ... eine Spezialisierung der Kliniken und Krankenhäuser

    Kleine Krankenhäuser auf dem Land seien gut "in dem, was sie machen sollen", so der Minister, "nämlich die Grundversorgung abzudecken". Auch hier verteidigt er die Reform: Für die Notfallversorgung und auch die Geburtshilfe gäbe es Sonderzahlungen.
    Die Behandlungsergebnisse bei großen Operationen seien dagegen, das zeige beispielsweise die Deutsche Krebsgesellschaft, in Spezialkliniken besser.

    Wir wollen es den kleinen Kliniken auf dem Land möglich machen, auszukommen, ohne, dass sie diese große Chirurgie machen.

    Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD)

    Dazu solle die Reform sichern, dass jeder - nicht nur Privatversicherte - für Spezialeingriffe in den Spezialkliniken versorgt werden können.
    Quelle: ZDF

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