Crossdressing in der Wehrmacht: Soldaten in Frauenkleidung
Schnappschüsse im Krieg:Soldaten, die in Frauenkleidern posieren
von Sebastian Scherrer
|
Wehrmachtssoldaten, die kostümiert und geschminkt sind: Private Fotos aus dem Zweiten Weltkrieg bieten einen anderen Blick auf den Kriegsalltag. Der nicht zur NS-Ideologie passte.
Ein geschminkter und kostümierter Soldat der Wehrmacht posiert für die Kamera. Im Hintergrund: eine gigantische Hakenkreuzfahne.
Quelle: Martin Dammann
Die Bilder scheinen wie aus einer anderen Welt: Soldaten der Wehrmacht, kostümiert in erbeuteten Kleidern, kokettieren mit geschminkten Gesichtern für die Kamera. Im Hintergrund: eine gigantische Hakenkreuzfahne. Oder auch zu sehen: zwei eng umschlungene Kameraden, in Uniform, sie küssen sich auf den Mund.
Die Fotos stammen aus privaten Fotoalben von Wehrmachtssoldaten, gefunden vom Künstler Martin Dammann auf Flohmärkten, Militaria-Börsen und in Archiven. Es handelt sich um Aufnahmen, die von den Armeeangehörigen selbst während des Krieges gemacht wurden.
Verfolgt, verhaftet und weggesperrt. Queeren Menschen drohte in der NS-Diktatur großes Leid und Tod. Selten wagten es homosexuelle Personen und Transpersonen, sich zu outen.27.01.2025 | 43:30 min
Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz. Der Ort gilt heute als Synonym für den Holocaust. Rund um den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus widmet sich das ZDF den Themen Judenhass, NS-Diktatur und Erinnerungskultur.
Im Zweiten Weltkrieg erstmals private Kameras dabei
Der Zweite Weltkrieg war der erste große Krieg der Amateurfotografie. Erschwingliche Kameras ermöglichten es den Soldaten, ihren Alltag zu fotografieren. Während die Wehrmacht diese Entwicklung für Propagandazwecke nutzte, entstanden auch unzählige private Schnappschüsse. Dort hielt man fest, was einem wichtig erschien und woran man sich erinnern wollte.
Am 1. September 1939 eröffnet das Kriegsschiff "Schleswig-Holstein" das Feuer auf die Halbinsel Westerplatte bei Danzig. Der Auftakt zu einem Krieg, der Europa ins Chaos stürzt.12.10.2020 | 43:59 min
Die Krieger von Hitlers Täterarmee - mal im Drag, mal in zärtlicher Umarmung. Diese Fotografien passen nicht ins Propagandabild der kruppstahlharten Wehrmacht. Doch sie ermöglichen einen vielschichtigen Einblick in das Seelenleben der Soldaten. Denn ganz sicher seien viele der gezeigten Männer nicht homosexuell gewesen, sagt Dammann. Insbesondere das Crossdressing knüpfe deutlich an Karnevalstraditionen an, diente wahrscheinlich der Unterhaltung bei Kompaniefeiern und habe eine Flucht aus dem Kriegsalltag geboten.
Crossdressing ist das Anziehen von Kleidung und Accessoires, die üblicherweise einem anderen Geschlecht zugeordnet sind. Das Phänomen kommt in vielen Kulturen und Epochen vor. Die Motive für das Crossdressing sind vielfältig. Mit einer medizinischen Geschlechtsangleichung steht Crossdressing meist nicht in Verbindung.
Sie alle umgibt der Schatten der Nazizeit noch heute. Sechs Nachfahren von NS-Tätern und Holocaustüberlebenden erforschen ihr schweres Erbe. Der Umgang damit ist unterschiedlich.28.09.2021 | 43:47 min
Fotos zeigen Intimität und Sehnsucht im Kriegsalltag
Eine melancholische Sehnsucht liegt in vielen Bildern. Die Kriegsteilnehmer waren lange und weit von ihrer Heimat entfernt. Das führte zu Bedürfnissen, die sie durch Crossdressing auszuleben versuchten.
Private Fotos von Wehrmachtssoldaten aus dem Zweiten Weltkrieg zeigen Geschichten, die nicht zur NS-Ideologie passten.
Quelle: Martin Dammann
Martin Dammann sieht darin eine Reaktion auf die enorme Spannung, die das Regime selbst erzeugte: Die Förderung von Kameradschaft war ein fundamentaler Bestandteil der militärischen Disziplin. Das schuf eine intime Männerwelt, in der zwischenmenschliche Nähe nicht nur erlaubt war, sondern verordnet wurde. Doch genau diese Vertrautheit brachte die Männer in einen Graubereich, in dem sich die rigide Sexualmoral der NS-Ideologie auflöste.
Diese Männer sollten sich verbinden, sie sollten miteinander kämpfen. Sie sollten eine starke Bindung haben, um besser kämpfen zu können.
„
Martin Dammann, Künstler
Das sei bis hin zur Liebe zwischen Männern gegangen, erklärt Dammann. "Aber eben nicht bis zur Sexualität."
Warum wurden Schwule, Lesben und Transpersonen im Nationalsozialismus verfolgt? Die Dokumentation zeigt, wie die Nazis Strafen verschärften und queere Menschen terrorisierten.27.01.2024 | 44:58 min
Verborgene Seite des Zweiten Weltkriegs
Die Trennung von der Heimat und die ständige Todesgefahr schufen Bedingungen, in denen die Grenzen, die im zivilen Leben klar gezogen waren, überschritten wurden. Die Wehrmachtsführung tolerierte solche Ausbrüche, solange sie die Moral nicht untergruben oder die militärische Ordnung gefährdeten.
Die Bilder aus Martin Dammanns Sammlung bleiben besonders im Gedächtnis. Sie sind mehr als historische Kuriositäten. Stattdessen beleuchten sie eine verborgene Seite des Zweiten Weltkriegs. Sie zeigen eine sehnsüchtige, menschliche Seite in Hitlers Täterarmee und werfen grundlegende Fragen auf: nach Macht, Identität und den Grenzen totalitärer Ideologie.
Um dir eine optimale Website der ZDFmediathek, ZDFheute und ZDFtivi präsentieren zu können, setzen wir Cookies und vergleichbare Techniken ein. Einige der eingesetzten Techniken sind unbedingt erforderlich für unser Angebot. Mit deiner Zustimmung dürfen wir und unsere Dienstleister darüber hinaus Informationen auf deinem Gerät speichern und/oder abrufen. Dabei geben wir deine Daten ohne deine Einwilligung nicht an Dritte weiter, die nicht unsere direkten Dienstleister sind. Wir verwenden deine Daten auch nicht zu kommerziellen Zwecken.
Zustimmungspflichtige Datenverarbeitung • Personalisierung: Die Speicherung von bestimmten Interaktionen ermöglicht uns, dein Erlebnis im Angebot des ZDF an dich anzupassen und Personalisierungsfunktionen anzubieten. Dabei personalisieren wir ausschließlich auf Basis deiner Nutzung der ZDFmediathek, der ZDFheute und ZDFtivi. Daten von Dritten werden von uns nicht verwendet. • Social Media und externe Drittsysteme: Wir nutzen Social-Media-Tools und Dienste von anderen Anbietern. Unter anderem um das Teilen von Inhalten zu ermöglichen.
Du kannst entscheiden, für welche Zwecke wir deine Daten speichern und verarbeiten dürfen. Dies betrifft nur dein aktuell genutztes Gerät. Mit "Zustimmen" erklärst du deine Zustimmung zu unserer Datenverarbeitung, für die wir deine Einwilligung benötigen. Oder du legst unter "Einstellungen/Ablehnen" fest, welchen Zwecken du deine Zustimmung gibst und welchen nicht. Deine Datenschutzeinstellungen kannst du jederzeit mit Wirkung für die Zukunft in deinen Einstellungen widerrufen oder ändern.