USA vernichten letzte Chemiewaffen-Bestände

    US-Präsident Joe Biden:Chemiewaffen: USA vernichten letzte Bestände

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    Mit Chemiewaffen wurden einige der schockierendsten Angriffe der Geschichte ausgeführt. Die USA haben nun laut Präsident Biden ihre letzten Bestände vernichtet.

    SA, Pueblo: Techniker arbeiten an der Zerstörung der Chemiewaffenbestände der Vereinigten Staaten im U.S. Army Pueblo Chemical Depot.
    Die USA haben die letzten Bestände ihrer Chemiewaffen vernichtet. Laut Regierung wurden damit die letzten der offiziell bekannten hochgiftigen Kampfstoffe in den USA beseitigt.08.07.2023 | 0:17 min
    US-Präsident Joe Biden teilte am Freitag mit, dass damit die letzten der offiziell bekannten hochgiftigen Kampfstoffe in den USA beseitigt wurden - ein Meilenstein gut 26 Jahre nach Inkrafttreten der Konvention zum Verbot von Chemiewaffen.

    Ich bin stolz, Ihnen mitteilen zu können, dass die Vereinigten Staaten die letzte Munition in diesem Vorrat sicher vernichtet haben - was uns einer Welt ohne die Schrecken chemischer Waffen einen Schritt näher bringt.

    Joe Biden

    Joe Biden: Letzte hochgiftige Kampfstoffe beseitigt

    Chemische Waffen seien für einige der schrecklichsten Ereignisse mit menschlichen Verlusten verantwortlich, erklärte der republikanische Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell, der in seiner Amtszeit die Beseitigung der Waffen vorangetrieben hat.
    "Obwohl der Einsatz dieser tödlichen Kampfstoffe immer ein Schandfleck in der Geschichte bleiben wird, hat unsere Nation heute endlich ihr Versprechen eingelöst, unser Arsenal von diesem Übel zu befreien".
    McConnell ist Senator im US-Bundesstaat Kentucky, wo die Anlage zur Vernichtung der Waffen steht.

    Kontrollbehörde: Tonnen von Senfgas und Sarin weltweit vernichtet

    Die 193 Vertragsstaaten der Konvention zum Verbot von Chemiewaffen haben sich 1997 dazu verpflichtet, alle Bestände ihrer Chemiewaffen zu melden und zu vernichten sowie keine Chemiewaffen einzusetzen.
    Die Kontrollbehörde zum Verbot der Chemiewaffen (OPCW) mit Sitz in Den Haag kontrolliert ihre Durchsetzung.
    Mehr als 70.000 Tonnen der tödlichsten Waffen wie Senfgas oder Sarin sind seit 1997 vernichtet worden. In den USA warteten zuletzt noch rund 127 Tonnen auf ihre Vernichtung.

    Chemische Kampfstoffe erstmals im 1. Weltkrieg eingesetzt

    Einige der schockierendsten Angriffe auf Menschen in der Geschichte sind auf Chemiewaffen zurückzuführen. Der OPCW zufolge wurden chemische Kampfstoffe erstmals im 1. Weltkrieg eingesetzt. Bis zum Ende des Krieges starben durch sie etwa 100.000 Menschen.
    In den vergangenen zehn Jahren hatten syrische Regierungstruppen im Bürgerkrieg mehrfach verbotene Kampfstoffe eingesetzt - allein bei einem folgenschweren Angriff 2018 in der Stadt Duma wurden mehr als 40 Menschen getötet.

    Was die Chemiewaffen im Körper machen

    Bekannte Chemiewaffen sind Chlorgas, Senfgas und Sarin. Wird das stechend riechende Chlorgas eingeatmet, greift es Atemwege und Lunge an. In hohen Konzentrationen führt es zu Atemnot und schließlich zum qualvollen Tod.
    Das Zellgift Senfgas verätzt Schleimhäute, Augen und Atemwege. Auch neurologische Störungen sind möglich. Senfgas wurde auch unter den Namen Lost, Yperit und Gelbkreuz bekannt.
    Sarin gehört neben Tabun, Soman und VX zu den giftigsten Nervengasen. Es wird durch Einatmen und über die Haut aufgenommen und kann in Minuten zu Atemlähmung und Herzstillstand führen.

    Einsatz der verbotenen Chemiewaffen in Syrien

    Viele der schockierenden Angriffe auf Menschen sind auf Chemiewaffen zurückzuführen. In den vergangenen zehn Jahren hatten syrische Regierungstruppen im Bürgerkrieg mehrfach verbotene Kampfstoffe eingesetzt. Beim Verdacht auf Einsatz von Chemiewaffen in Konfliktfällen schickt die OPCW Ermittler in das betreffende Land.
    Die Behörde inspiziert auch regelmäßig die chemische Industrie in Vertragsstaaten. Zu den Staaten, die die Konvention nicht unterzeichneten, gehören:
    • Nordkorea
    • Israel
    • Ägypten
    • Südsudan
    Die OPCW war für ihren Einsatz 2013 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.
    Quelle: AP, dpa