Bolzplatz by Manu Thiele: Werksklubs - Fall fürs Kartellamt?

    Bolzplatz by Manu Thiele:Investorenklubs - ein Fall fürs Kartellamt?

    von Ralf Lorenzen
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    Vier Bundesliga-Klubs werden von einem Konzern dominiert - drei von ihnen müssen sich auf Änderungen einstellen. Nur RB Leipzig bleibt unter dem Radar des Bundeskartellamtes.

    Verzerren konzerndominierte Vereine wie RB Leipzig oder die TSG Hoffenheim den Wettbewerb? Sportjournalist Manu Thiele geht der Rolle der sogenannten Plastikklubs nach.16.03.2023 | 14:47 min
    Die TSG Hoffenheim hat sicher nicht die meistens Fans der Bundesliga - aber auch die können kreativ und humorvoll sein: "Wir wollen unseren Thron zurück: Deutschlands meistgehasster Verein." Dies schrieben sie auf einem Plakat beim Eröffnungsspiel der Saison 2016/2017 gegen den damaligen Aufsteiger RB Leipzig.

    Kritik an "Plastikklubs"

    Hoffenheim und Leipzig gelten als Inbegriffe der "Plastikklubs", die von den Fanszenen anderer Vereine aufgrund ihrer wirtschaftlichen Konstruktion angefeindet werden. "Der Vorwurf ist, dass sie den Wettbewerb verzerren", sagt Manu Thiele in seiner aktuellen Bolzplatzsendung, in der er das Pro und Contra dieser Klubs analysiert. "Investoren pumpen Geld rein und kaufen sich quasi den Erfolg. Ohne Hilfe wären sie nie in der Bundesliga gelandet!"
    In Bezug auf die Besitzverhältnisse gehören auch die Werksklubs Bayer Leverkusen und VFL Wolfsburg in diese Reihe. Sie verfügen zwar über eine längere Tradition im Profi-Fußball - befinden sich aber ebenfalls im Besitz eines Mutterkonzerns, der über seine Geschicke entscheidet.

    Teurere Mannschaft, mehr Sicherheit

    Durch die gesicherte Kapitalzufuhr ihrer Besitzer können auch sie sich wesentlich teurere Mannschaften als vergleichbare Klubs leisten und verfügen über eine größere Planungssicherheit. In Krisen, wie den Einnahmeverlusten während der Corona-Pandemie, werden sie vom Mutterkonzern aufgefangen.
    Bei aller Kritik an den Wettbewerbsvorteilen geben diese Klubs der Bundesliga wichtige Impulse. Manu Thiele nennt im Bolzplatz vor allem die moderne Infrastruktur und die vorbildhafte Nachwuchsarbeit.

    Die TSG Hoffenheim hat ein extrem modernes NLZ, die Talente werden auf einem hohen Level ausgebildet.

    Manu Thiele in seiner aktuellen Bolzplatz-Sendung

    Als Beispiele nennt Thiele den Mönchengladbacher Jonas Hoffmann und den Dortmunder Niklas Süle, die beide in Hoffenheim ausgebildet wurden.

    Bundeskartellamt fordert Änderungen

    Ohne Leipzig, Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim wären Bayern München - und mit Abstrichen Borussia Dortmund - noch dominanter in der Bundesliga. Dass es ihnen trotzdem noch nicht gelungen ist, ihr Plastikimage abzustreifen, sieht man an den Einschaltquoten im Pay-TV, bei den Stadionauslastungen sowie der Zahl der Fans, die zu Auswärtsspeilen reisen. In all diesen Statistiken rangieren sie wesentlich schlechter als in der Leistungstabelle.
    RB Leipzig hat im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League klar die Grenzen aufgezeigt bekommen. Bei Manchester City gingen die Sachsen mit 0:7 unter, Haaland traf fünf Mal.15.03.2023 | 2:59 min
    Auch dem Bundeskartellamt stößt die Konstruktion der sogenannten "Förderklubs" sauer auf. Es hat moniert, dass Bayer 04 Leverkusener, der VFL Wolfsburg und die TSG Hoffenheim als einzige Bundesliga-Mannschaften von der 50-plus-1-Regel ausgenommen sind. Diese bestimmt, dass bei ausgegliederten Kapitalgesellschaften die Stimmenmehrheit beim Stammverein bleiben muss.

    Kompromissvorschläge der DFL

    RB Leipzig ist von der Kartellamts-Kritik ausgeschlossen, weil in seinem Konstrukt die Stimmenmehrheit formal beim extra gegründeten Verein liegt. Der wird allerdings wiederum vom Konzern dominiert. "Es dürfen nur 21 abstimmen und alle sind eng im Red-Bull-Kosmos verstrickt", sagt Manu Thiele.
    Hoffenheim-Investor Dietmar Hopp hat mittlerweile erklärt, freiwillig auf die Stimmenmehrheit zu verzichten. Und die DFL hat Vorschläge unterbereitet, um den Konflikt mit dem Kartellamt grundsätzlich zu lösen.

    Mitbestimmung und Teilhabe gefordert

    Laut Sportwissenschaftler und Fanforscher Harald Lange geht es im Kern darum, dass die Klubs sich öffnen. "Sie müssen den Mitgliedern und Fans Mitbestimmung und Teilhabe ermöglichen", fordert Thiele im Bolzplatz. Dafür müssten ernstgemeinte Strukturen geschaffen werden.
    Das Resümee von Thiele zur Diskussion um die Konstruktion dieser Klubs lautet: "In Deutschland hat man einen guten Mittelweg gefunden: Ja, es gibt Investoren - aber es sind Konzerne, die aus der Region kommen bzw. eng mit dem Klub verwurzelt sind. Das Gute ist, dass die Bundesliga trotzdem ausgeglichen ist: Diese Klubs dominieren nicht."

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