DFL - Finanzinvestor: Bundesliga winkt Milliarden-Einnahmen

    Neuer Geldregen für die Liga:Wie die DFL an einem Milliarden-Deal arbeitet

    von Frank Hellmann
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    Die DFL will der Bundesliga durch Finanzinvestoren neue Einnahmequellen verschaffen. Der Widerstand einiger Vereine mehrt sich - denn das Geld sei nur auf Pump.

    Offizieller Spielball der Bundesligasaison 2022/2023
    Die DFL treibt den Einstieg von Investoren in die Bundesliga voran.
    Quelle: dpa/Soeren Stache

    Geld kann im Profifußball weiterhin nicht genug fließen. Auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) bereitet nun konkret den Einstieg eines Finanzinvestors vor.

    Bis zu drei Milliarden Euro für die Bundesliga

    15 Prozent der künftigen Medienerlöse für die nächsten 25 bis 30 Jahre sollen an einen strategischen Partner gehen, der dafür eine hohe Einmalzahlung leistet.
    Die Rede ist von bis zu drei Milliarden Euro, die die Zukunftsfähigkeit der Bundesliga absichern soll, die etwa bei der Auslandsvermarktung weit hinter England und Spanien zurückgefallen. Damit sollen Investitionen in langfristige Projekte (Digitalisierung, TV-Produktion) getätigt werden, ein Teil könnte aber auch sofort den Klubs direkt zufließen.

    Zahlreiche Unternehmen sind interessiert

    Angeblich interessieren sich ein halbes Dutzend Private-Equity-Firmen für eine Beteiligung an der wichtigsten Einnahmequelle der 36 Lizenzvereine, darunter sollen Branchenriesen wie KKC, Blackstone oder CVC sein, die bis Ende März bereits erste Gebote hinterlegen sollen.
    Sportlich läuft es für Hertha BSC schlecht. Dabei steckt viel Potenzial in dem Klub. Mit "777 Partners" steht ein Investor bereit, der der Hertha neues Leben einhauchen will.02.02.2023 | 14:41 min
    Eine solche strategische Partnerschaft wird bei der anstehenden DFL-Mitgliederversammlung am Freitag aber nur am Rande besprochen.
    Derzeit laufen von DFL-Seite mit Hochdruck die Gespräche mit den Klubs, erst in der zweiten April-Hälfte soll es zu der Thematik eine außerordentliche Mitgliederversammlung geben. Noch ist viel Überzeugungsarbeit zu leisten, heißt es. Erstaunlich, dass eine öffentliche Diskussion bislang kaum stattgefunden hat.

    Die Vereine verlangen nach mehr Informationen

    Beim Neujahrsempfang in einer Offenbacher Eventlocation Mitte Januar verloren weder Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke (Borussia Dortmund), noch die interimsmäßig an die Spitze gerückten Vorstände Axel Hellmann (Eintracht Frankfurt) und Oliver Leki (SC Freiburg) darüber viele Worte. Neben den beiden Geschäftsführern sind über die "AG Zukunftsszenarien" noch Jan-Christian Dreeßen (FC Bayern) und Rüdiger Fritsch (Darmstadt 98) in die konkrete Umsetzung eingebunden.

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    Präsidium und Aufsichtsrat der DFL beschlossen Anfang Februar, dass "für eine Weiterentwicklung des deutschen Profifußballs und eine mögliche strategische Partnerschaft auf Liga-Ebene nächste Schritte folgen", wie es von der DFL hieß. Auf Vereinsseite herrscht bis heute großer Aufklärungs- und Informationsbedarf.

    Warnrufe vom 1. FC Köln

    "Wenn wir wüssten, was wir wollen, wäre zum Beispiel klar, ob wir wirklich immer höhere Medienerlöse brauchen. Oder ob die 1,1 Milliarden Euro pro Saison nicht vielleicht reichen", sagte der Geschäftsführer des 1. FC Köln, Christian Keller.
    Die Liga-Organisation beschwichtigte, "dass es sich nicht um einen Verkauf von Anteilen an der Bundesliga und 2. Bundesliga handelt, sondern um eine zeitlich begrenzte Minderheitsbeteiligung an Lizenzerlösen aus der Verwertung von Bundesliga-Rechten". Doch angedacht ist ein Zeitraum von einem Vierteljahrhundert und mehr. Im schnelllebigen Fußballgeschäft eine Ewigkeit.
    Eckhard Sauren, Vizepräsident des 1. FC Köln, stellte grundlegende Fragen nach der Notwendigkeit für den raschen Kapitalzufluss. "Den bisherigen Prozess sehen wir kritisch. Den aktuellen Zeitplan halten wir für mehr als ambitioniert." Der Finanzexperte kritisierte in der "Süddeutschen Zeitung": "Aus einem Hundert-Euro-Schein wird auf Dauer ein 85-Euro-Schein. Der Einmalzahlung stehen die 15 Euro gegenüber, die für Jahrzehnte verloren gehen."

    Bei Hertha BSC hat der Investor nicht geholfen - im Gegenteil

    Die plötzlich verfügbaren Finanzmittel würde doch wieder nur dazu führen, dass Spielergehälter, Ablösesummen und Beraterhonorare steigen würden, denn: "Die Historie hat bisher nicht aufgezeigt, dass alle Klubs immer eine große Finanzdisziplin an den Tag legen und überlegen, wie sie in langfristige Zukunftsprojekte investieren könnten."
    Für Hertha BSC beginnt eine neue Ära. Nach der "Big City Club"-Zeit mit teuren Spielern soll jetzt der eigene Nachwuchs eine Chance bekommen.24.02.2023 | 10:13 min
    Der Kölner Funktionär befürchtet, dass das Geld schnell aufgebraucht ist: "Einmal ins Rattenrennen eingestiegen, sind Exzesse programmiert." Dafür liefert auch die Bundesliga unrühmliche Beispiele: Hertha BSC hat es bekanntlich geschafft, 374 Millionen Euro des Finanzinvestors Lars Windhorst in Windeseile zu verbrennen.

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