Nagelsmann gegen de la Fuente: Das Trainerduell auf der Bank
Nagelsmann gegen de la Fuente:Trainerduell: Wer hat die besseren Werkzeuge?
von Frank Hellmann
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Seit 36 Jahren hat Deutschland keine Pflichtpartie mehr gegen Spanien gewonnen. Julian Nagelsmann wird im EM-Viertelfinale von Luis de la Fuente herausgefordert.
Tatsächlich schon 36 Jahre ist es jetzt her, dass die deutsche Nationalmannschaft ihr letztes Pflichtspiel gegen Spanien gewann. Rudi Völler erinnert sich bestens an jenen 17. Juni 1988, als das letzte Gruppenspiel bei der Heim-EM lief. Unter dem Zeltdach des Münchner Olympiastadions, als Franz Beckenbauer auf der Laufbahn Beifall klatschte und Lothar Matthäus auf dem Platz mit der Hacke auflegte: Danach hatte der heutige Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) seinen Doppelpack geschnürt.
So wie damals geht es wieder darum, die Tür ins Halbfinale eines Heimturniers aufzustoßen, wenn jetzt das Viertelfinale Deutschland und Spanien in Stuttgart (Freitag 18 Uhr im ZDF) ansteht.
Ähnliche Ansätze der Nationaltrainer
Insbesondere zwischen 2008 und 2012 hat "Furia Roja" mit seinem Tiki-Taka-Stil als Vorbild gedient: Bundestrainer Joachim Löw galt als Bewunderer des Ballbesitzfußballs spanischer Bauart. Das Verhältnis zwischen Lehrmeister Vicente del Bosque und Löw war irgendwann freundschaftlich, die Schnittmengen zwischen den beiden Ästheten nicht zu verachten.
Spaniens Trainer Luis de la Fuentes
Quelle: Imago
Erst seit dem vergangenen Jahr tragen Luis de la Fuente für Spanien und Julian Nagelsmann für Deutschland die Verantwortung. Persönliche Verbindungen der Nationaltrainer gibt es kaum, der Altersunterschied ist groß, aber auch ihr Ansatz ähnelt sich in 2024: Man will dominant agieren, soll aber auch mit Köpfchen kombinieren.
Es ist der Anspruch, die Überzeugung und auch der Auftrag selbst den Ball zu haben, auch wenn uns das nicht immer gelingen wird.
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Julian Nagelsmann auf der DFB-PK am Donnerstag
Offen ob Leroy Sané oder Florian Wirtz beginnt
Der Bundestrainer wollte die Kardinalfrage, ob Leroy Sane oder Florian Wirtz auflaufen wird, nicht beantworten. "Wenn man sich zwischen Flo und Leroy entscheiden kann, dann ist das grundsätzlich etwas Gutes." Der 36-Jährige erwartet ein "Spiel auf Augenhöhe". Er wollte aber "weniger sprechen, sondern im Spiel zeigen, was wir vorhaben."
Da wirkte einer nicht übermäßig angespannt, obgleich er zugab, dass "eines der bedeutsameren Spiele der Karriere" bevorstände. Ein Erfolg würde die Wertschätzung seiner Person immens steigen lassen. Schon jetzt hat sich die Stimmung im Vergleich zu früheren Turnieren rund um die DFB-Auswahl radikal gedreht - und genau das Momentum gelte es zu nutzen: "Wir haben viel Emotionalität geboten. Da ist eine gute Symbiose entstanden."
De la Fuente: Keiner besser als wir
Die Iberer sehen sich vor diesem Showdown dennoch auf dem Toplevel. "Ich denke, es gibt keine Mannschaft, die besser ist als wir", betonte de la Fuente zuletzt mehrfach. Beim 63-Jährigen geht es in einem 4-3-3-System mit großem Mittelstürmer (Alavaro Morata) und echten Flügelspielern (Nico Williams und Lamine Yamal) schwungvoll nach vorn. "Der Gegner erspielt sich mehr Torchancen als früher", hat auch Nagelsmann festgestellt.
Klar, Deutschland sei eine "großartige, sehr gut organisierte Mannschaft", erklärte de la Fuente, aber: "Wir haben unsere Werkzeuge." Da redete einer, als habe er alles schon zurechtgelegt. Zange, Feile, Hammer und Bohrer. Viele sprechen von einem Trainerduell, weil Kleinigkeiten entscheiden, vielleicht eine überraschende Standardsituation oder ein taktischer Kniff. Beide Kontrahenten möchten den Ball, aber nicht mehr bedingungslos. Beide Teams wollen Unterhaltung anbieten, jedoch nicht mehr um jeden Preis.
Von Spaniens Flügelzange droht Gefahr
Nagelsmann: Elfmeterschützen haben wir zu viele
Wenn die Spanier Freiräume vorfinden, können sie einen Gegner zerlegen wie zuletzt im Achtelfinale den Außenseiter Georgien (4:1). Gegen Deutschland sah es im Rahmen der Nations League im November 2020 ganz ähnlich aus. Mitten in der Pandemie bekam die DFB-Auswahl eine Lehrstunde (0:6) verpasst, weil die Absicherung nicht passte. Für Löw war es der Anfang vom Ende.
Kurz vor dem Viertelfinale gegen Spanien sammeln sich auf den Fanmeilen in Berlin bereits die ersten Fußballbegeisterten. Wie ist groß ist die Vorfreude bei den Fans?05.07.2024 | 1:15 min
Der bislang letzte Vergleich fand bei der WM 2022 in Katar statt. Anfangs wirkte es so, als würde sich der spanische Spielwitz durchsetzen, doch die Führung von Morata egalisierte der eingewechselte Niclas Füllkrug spät mit deutscher Entschlossenheit. Auch wenn die Trainer in Doha noch Luis Enrique und Hansi Flick hießen, war der Spielverlauf vielleicht eine Blaupause.
Es gibt nur einen marginalen Unterschied: Wenn es jetzt 1:1 ausginge, müsste eine Verlängerung oder notfalls ein Elfmeterschießen entscheiden. Auch davor ist Nagelsmann aber nicht bange: "Wir haben eine vorgefertigte Liste im Kopf. Eigentlich haben wir schon zu viele, die antreten möchten."
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