DFB-Testspiel gegen Ukraine: Es geht um mehr als nur Fußball
DFB-Testspiel gegen Ukraine:Es geht um mehr als nur Fußball
von Frank Hellmann
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Die Ukraine steht bei dieser Fußball-EM besonders im Fokus. Das DFB-Testspiel in Nürnberg ist Teil der Solidarität mit einer kriegsgeplagten Nation.
Beim ersten DFB-Testspiel gegen die Ukraine gab es ein 3:3.
Quelle: dpa
Natürlich hat Sergiy Rebrov seinen erfolgreichen Einstand vor genau einem Jahr nicht vergessen. "Das erste Spiel war sehr besonders. Es war damals eine große Verantwortung", sagte der Nationaltrainer der Ukraine dieser Tage nach den ersten Trainingseinheiten in Eltersdorf von Erlangen, wo sich seine Auswahl auf das EM-Testspiel gegen Deutschland in Nürnberg (Montag, 20:45 Uhr/ARD) vorbereitet hat.
Für den 75-fachen Nationalstürmer schließt sich gewissermaßen ein Kreis, denn seinen Job hatte der viel herumgekommene Fußballlehrer erst in jenen Tagen angetreten, als die Ukraine als Gegner für das 1000. Länderspiel in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach Bremen kam.
Das 3:3 in Bremen war für Deutschland glücklich
Alle Einnahmen aus TV-Honorar, Bandenwerbung und Kartenverkauf waren an Einrichtungen und Organisationen der unter dem russischen Angriffskrieg leidenden Menschen in der Ukraine gegangen. Rebrov dachte jedoch gar nicht daran, bei der großen Solidaritätsaktion des DFB den dankbaren Sparringspartner zu geben. Erst am Ende rettete die am 12. Juni 2023 noch von Hansi Flick trainierte DFB-Elf ein 3:3 gegen die kriegsgeplagte Nation.
Im Weserstadion konnten viele Anhänger der "Schowto-blakytni" (Gelb-Blauen) ihr Glück kaum fassen, wie gut sie von den drückenden Sorgen des Alltags abgelenkt wurden. "Wir haben damals viel Selbstbewusstsein gewonnen", befand der am Sonntag 50 Jahre alt gewordene Coach. "Auch jetzt gibt es wieder viele Erwartungen an uns."
Vielleicht das zweite Heimteam der EM
Kein EM-Teilnehmer bewegt sich in einem solch schwierigeren Spannungsfeld. Während an der Front die Soldaten die Heimat verteidigen, sollen die Fußballer bei der Endrunde in Deutschland mindestens ebenso tapfer auftreten. Die ukrainische Nationalelf könnte so etwas wie das zweite "Heimteam" werden. Für die Gruppenspiele in München gegen Rumänien (17. Juni), in Düsseldorf gegen die Slowakei (21. Juni) und in Stuttgart gegen Belgien (26. Juni) werden vermutlich viele Landsleute irgendwie Unterstützung leisten. Rund 1,6 Millionen Menschen aus der Ukraine haben seit Kriegsbeginn in Deutschland Zuflucht gefunden.
Die Situation nahm Rebrov wiederholt als Ansporn. Sein Team brachte im Frühjahr einen bewundernswerten Widerstandsgeist auf, drehte nach Rückständen beide Partien gegen Bosnien und Island jeweils mit 2:1.
"Die Raketen fliegen jeden Tag. Es ist unsere Aufgabe zu zeigen, dass wir alle noch am Leben sind und gegen die Russen kämpfen.
„
Sergiy Rebrov, Nationaltrainer der Ukraine
Der Zwiespalt der ukrainischen Stars
Oleksandr Zinchenko von FC Arsenal bekannte zu diesem Zeitpunkt offen, dass er sich genauso hätte vorstellen könnten, in den Krieg zu ziehen: "Ich will ehrlich sein, wenn ich nicht für meine Tochter und meine Familie da wäre, wäre ich dort." Nun aber will man die fußballerischen Fähigkeiten demonstrieren. Es gehe darum zu zeigen, "wie gut wir sind und wie gut es ist, Ukrainer zu sein."
Hochveranlagte Mitspieler wie Dribbler Mykhaylo Mudryk vom FC Chelsea oder Torjäger Artem Dovbyk vom FC Girona als Torschützenkönig der spanischen Liga sind beseelt davon, es wie bei der EM 2021 bis ins Viertelfinale zu schaffen. Damals trainierte Legende Andriy Schewtschenko das Nationalteam. Zum Jahresanfang stieg der 47-Jährige zum Präsident des wiederholt von Korruptionsskandalen erschütterten Fußballverbandes auf. Den Menschen zuhause, "ein kleines Stückchen Glück geben", nennt das Idol den Auftrag für diese vierte EM-Teilnahme in Folge.
Quartier im hessischen Taunusstein
Die Ukrainer bestreitet noch weitere Testspiele gegen Polen in Warschau (7. Juni) und gegen Moldawien in Chisinau (11. Juni), ehe der ukrainische Tross sein EM-Basecamp im hessischen Taunusstein aufschlägt. Trainiert wird auf dem Halberg, dem Trainingsgelände des Zweitliga-Absteigers SV Wehen Wiesbaden.
Torsten Dörffeldt, Gründungsmitglied des deutsch-ukrainischen Vereins Taunusstein-Idstein-Untertaunus, hat bereits angekündigt, diese besonderen EM-Gast am 13. Juni herzlich zu empfangen. Ob sich die gewünschten Begegnungen mit der heimischen Bevölkerung wirklich organisieren lassen, ist noch zu klären: Die deutschen Sicherheitsbehörden werden auf diese Delegation ein erhöhtes Augenmerk legen.
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