Tennis-Märchen um Eva "Lucky" Lys bei Australian Open
Tennis-Märchen in Melbourne:Unaufhaltsam: Eva Lys' bewegender Aufstieg
von Petra Philippsen
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Eigentlich war Eva Lys schon ausgeschieden, nun dreht die 23-Jährige bei den Australian Open groß auf. Und das, obwohl sie mit einer schweren Krankheit zu kämpfen hat.
Da stand sie nun, die junge Tennisspielerin Eva Lys, die sie in Melbourne nur noch "Lucky Lys" nennen, und konnte ihr Glück kaum fassen. Was für märchenhafte, aber auch ein bisschen verrückte Tage hatte die 23-jährige Hamburgerin bei den Australian Open da gerade erlebt?
Eigentlich war die Nummer 128 der Welt in der Qualifikation des ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres schon ausgeschieden, dann als "Lucky Loser" kurzfristig noch ins Hauptfeld gerückt und sensationell erstmals bis in die dritte Runde gestürmt.
Erfolg für Lys keine Glückssache
"Wortlos glücklich" sei sie, aber für "Lucky Lys" ist dieser Durchbruch eben alles andere als reine Glückssache.
Ich finde den Spitznamen super. Aber irgendwann ist es dann kein Luck mehr. Man muss die Matches ja auch noch gewinnen. Das geht nicht nur mit Glück.
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Eva Lys
Vater trainiert sie von klein auf
Talent hat Lys schon immer gehabt. Ihr Vater Vladimir war ukrainischer Davis-Cup-Spieler, 2003 zog er mit der Familie von Kiew nach Norddeutschland - da war Eva anderthalb Jahre alt. Von klein auf unterrichtete er sie, bis heute ist er ihr Trainer.
Und diese Vater-Tochter-Arbeitsbeziehung funktioniert nach eigenen Angaben gut, viel besser als bei manch anderen Tennis-Kolleginnen. Ausgerechnet bei ihrem Tennis-Märchen ist Vater Vladimir nun nicht mehr dabei, er war nach der Qualifikation abgereist. Doch sein Tipp half: "Geh' einfach raus und hab' Spaß."
Lys endlich unbekümmert und befreit
Das hatte bei Eva Lys bisher nicht immer geklappt, denn "es ist bei mir immer der Kopf, der sich irgendwann einschaltet". Sie ist eine kluge Tennisspielerin, ihr Abitur hat sie 2020 mit einem Schnitt von 1,7 gemacht und ist eine eloquente junge Frau, die sich nicht scheut, ihre Meinung zu äußern. Doch auf dem Platz stand ihr der Kopf beim Erfolg schon öfter im Weg. Bei diesem wilden Beginn der Australian Open aber hatte sie gar keine Zeit zum Nachdenken: "Das war das Beste, was mir passieren konnte."
Geteilte Freude ist doppelte Freude: Eva Lys und Frauen-Bundestrainer Torben Beltz
Quelle: imago
Zu ihrem ersten Match gegen die Australierin Kimberly Birrell wurde Lys spontan 15 Minuten vor Beginn von der Massagebank weggeholt. Vernünftig aufwärmen ging nicht mehr, essen ging auch nicht - aber das Gewinnen ging. Unbekümmert, fast befreit spielte Lys in dieser 1. Runde in einer der vier größten Arenen von Melbourne. "Es hilft mir bei meiner Einstellung, dass ich nichts zu verlieren habe." Und so ging es weiter.
Tennis trotz Autoimmunerkrankung
In der 2. Runde gegen die Französin Warvara Gratschewa machten sie dann die Fans auf dem berüchtigten "Party Court" Nummer sechs mit lautstarken Gesängen locker. Am Ende spielte Lys völlig losgelöst und könnte in Melbourne sogar noch weiter durchstarten. Denn ihre nächste Gegnerin, die Rumänin Jaqueline Cristian, hat sie zuvor schon drei Mal geschlagen.
Doch so traumhaft ihr Lauf in Melbourne bisher ist, es gibt einen Grund, warum es Lys trotz ihres großen Talents noch nicht unter die Top 100 geschafft hat. Sie leidet seit 2020 an einer rheumatischen Autoimmunerkrankung. "Dies ist eine körperliche Herausforderung, der ich mich tagtäglich neben der sportlichen Belastung stellen muss", sagte sie.
Lys will andere motivieren
Im vergangenen Frühjahr machte Lys öffentlich, warum sie mitunter Matches kurzfristig absagen muss und ihren Turnierkalender nicht so füllen kann wie andere Spielerinnen. Mitleid will Lys nicht und eine Ausrede für Niederlagen sei ihre Krankheit auch nicht.
Mir geht es darum, andere zu motivieren. Die Botschaft lautet: Weitermachen, kämpfen und dann kann man trotz Schwierigkeiten ans Ziel kommen.
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Eva Lys
Bei diesen Australian Open ist sie ihren eigenen Worten gefolgt. Doch ihr Tennis-Märchen hat sie noch nicht ins Ziel gebracht.
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