Wintersport und Klimawandel: Irrsinn auf den Gletschern

    Wintersport und Klimawandel:Ski Alpin: Irrsinn auf den Gletschern

    von Elisabeth Schlammerl
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    Der Klimawandel wird für den Wintersport immer mehr zum Problem. Einen späteren Saisonstart und weniger Rennen - das fordern nun deutsche Skirennläufer und Snowboarder.

    Sölden
    Sölden 2022: Weißes Band durch Geröllwüste
    Quelle: dpa

    Wenn Ende Oktober der alpine Ski-Weltcup beginnt, gibt es diese Bilder immer wieder einmal: eine perfekt präparierte Piste, die sich wie ein weißes Band durch eine Geröllwüste zieht.  Der Auftakt auf dem Gletscher in Sölden kann schon seit langem nur noch dank eines Schneedepots und ein paar kalter Nächte zum Beschneien stattfinden.
    Aber so schlimm wie dieses Mal kam es für die Alpinen noch nie. Von den ersten sechs geplanten Weltcuprennen mussten fünf abgesagt werden. Der Frauen-Riesenslalom sowie die für dieses und nächstes Wochenende angesetzten Abfahrten in Zermatt/Cervina.

    Auch die Rennen in Lech/Zürs gefährdet

    Und auch Nummer sieben und acht im Kalender stehen auf der Kippe.  Mitte November sollen in Lech/Zürs zwei Parallelrennen ausgetragen werden, aber noch ist die Piste dort braun. Um die 400 Meter lange Strecke weiß zu bekommen, benötigen die Veranstalter zwei kalte Tage, die sind jedoch erst einmal nicht in Sicht.
    Der Klimawandel wird für den Wintersport immer mehr zum Problem. Diskussionen um Rennen und Trainingsbetrieb auf Gletschern gibt es schon länger, aber die nahmen nach der Absage-Welle und den fast sommerlichen Temperaturen noch einmal Fahrt auf – auch innerhalb des Internationalen Skiverbandes (FIS).

    Wir müssen die Natur respektieren.

    Markus Waldner

    "Es wurden Fehler im Programm gemacht", hatte Renndirektor Markus Waldner bereits in Sölden eingeräumt. Abfahrten Ende Oktober auszutragen, sei einfach zu früh.

    Irrsinn oder nur Publicity-Show?

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    von Elisabeth Schlammerl
    Archiv: Das Zielgelände vor der FIS Alpine Ski World Cup Saison in Sölden, Österreich, am 22. 10. 2021
    Doppel-Olympiasieger Markus Wasmeier fürchtet um die Existenz des Weltcups. "Es besteht die Gefahr, dass das ganze Ding an die Wand gefahren wird", sagte er zuletzt in einem Interview mit der "Augsburger Allgemeinen". Die FIS-Pläne bezeichnet er als "Irrsinn" und wirft Eliasch vor, seine eigene "Publicity-Show" veranstalten zu wollen.

    Snowboarder reagieren

    Der Präsident von Snowboard Germany, Michael Hölz, findet, es sei Zeit umzudenken und fordert, "die Auswüchse" im Rennkalender zurückschrauben. Denn der Wintersport müsse doch "Teil der Lösung" sein und nicht "Teil des Problems". Sein Verband ist in diesem Sommer vorangegangen, hat das Schneetraining reduziert und auf die Trainingscamps in Übersee verzichtet.
    Soweit können die Alpinen nicht gehen, denn sie benötigen ausreichend Schneetage, um für den frühen Start fit zu sein. In Europa aber waren die Trainingsmöglichkeiten wegen der schmelzenden Gletscher in diesem Sommer stark eingeschränkt.

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    Alpinchef Maier verteidigt Sölden-Start

    Auch deshalb fordert Wolfgang Maier, Alpinchef im Deutschen Skiverband, "die Rahmenbedingungen" bei der Terminplanung zu ändern. Er plädiert dafür, sich auf die Kernmonate zu konzentrieren, wenn halbwegs verlässlich Schnee liegt und die Anzahl der Rennen zu reduzieren.
    Sein Vorschlag: "Wir fangen erst Anfang, Mitte November an und fahren dann bis Mitte März." An den Gletscherrennen in Sölden will er aber nicht rütteln, "weil es über Jahre hinweg ein unglaubliches Event bietet", sondern nur am Termin. Man müsse damit einfach weiter nach hinten gehen, rein in den November.

    Sölden: Gletscher abgedeckt

    Zudem sind der Aufwand und die Schneemengen, die es für die Präparierung einer Riesenslalom-Piste braucht, fast übersichtlich. Zumindest im Vergleich zu einer wesentlich längeren Abfahrt, die obendrein größere Sturzräume haben muss.
    Die Veranstalter in Sölden bemühen sich seit langem, ihren Gletscher zu schonen. Im Sommer wird er abgedeckt und gesperrt. Das kann aber nicht verhindern, dass auch der Rettenbachferner schmilzt und jedes Jahr ein Stück kleiner wird.

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