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Das vergessene Jubiläum : 30 Jahre EU-Binnenmarkt: Nur kein Neid, Welt!

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Der EU-Binnenmarkt ist 30 Jahre alt geworden. Kaum einen interessiert es. Dabei ist er ein Champion, um den uns die Welt beneidet und der gerade uns Deutschen viel gebracht hat.

Container im Handelshafen des Rhein-Neckar-Hafens
Die Bertelsmann-Stiftung hat gerechnet: Der EU-Binnenmarkt sorgt für mehr Wohlstand.
Quelle: Uwe Anspach/dpa/Symbolbild/Archiv

Zugegeben, die Nachrichtenlage gab es nicht her: Krieg. Inflation. Gaskrise. Zwischen all diesen bedrohlichen Meldungen gab es einfach keinen Platz für eine Bestandsaufnahme oder gar Lobeshymne auf eine ohnehin als Selbstverständlichkeit wahrgenommene Sache.

Für viele ein abstraktes Element in der Wirtschaft

Allerdings ist unklar, ob es unter weniger herausfordernden Umständen eine große Jubiläumsberichterstattung für den EU-Binnenmarkt gegeben hätte. Denn auch der Begriff selbst ist alles andere als geeignet dafür, sich einen Ehrenplatz im kollektiven Gedächtnis der Bundesbürger zu erobern. Ein technischer Terminus, weitgehend unbenutzt und ohne Bezug zu einem selbst - könnte man meinen.

Wahrscheinlich könnten auch die wenigsten Deutschen die vier Säulen des Binnenmarkts herunterbeten, als die da sind: Freiheit des Personenverkehrs, des Warenverkehrs, des Dienstleistungsverkehrs sowie des Kapitalverkehrs. Dabei sind gerade sie es, die für uns Deutsche der Grund sein müssten, jedes Jahr eine Extra-Feier für den Binnenmarkt abzuhalten.

Er ist ein Kern der europäischen Integration: Der EU-Binnenmarkt bringt den meisten Mitgliedsstaaten wirtschaftliche Vorteile. Doch er hat auch Gegner.

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Denn auch wenn wir ihn kaum noch für erwähnenswert halten, so hat er uns doch jede Menge Wohlstand gebracht. Nicht nur Produkte aus dem EU-Ausland sind für uns deutlich erschwinglicher geworden, er hat auch jeden einzelnen wohlhabender gemacht.

Studie: Bringt jedem Deutschen vierstelligen Euro-Betrag

Die Bertelsmann-Stiftung hat es vor ein paar Jahren auf Euro und Cent errechnen lassen. Demnach werden wir Deutsche wegen des EU-Binnenmarktes jedes Jahr pro Einwohner rund 1.050 Euro reicher. Im EU-Durchschnitt waren es lediglich 840 Euro. Kein Wunder, dass auch Jürgen Stehn, vom Kiel Institut für Weltwirtschaft konstatiert:

Der Binnenmarkt ist die zweitwichtigste Errungenschaft der Europäischen Union - nach dem Frieden.
Jürgen Stehn, Institut für Weltwirtschaft Kiel

Auch das Kieler Institut hat dessen Wert für Deutschland untersucht. Der Beitritt zur EU und damit vor 30 Jahren auch zum EU-Binnenmarkt hat laut IfW zu einer Verdopplung unseres Bruttoinlandsproduktes geführt. "Die EU kostet uns eben nicht nur was, sie bringt uns auch was - auch monetär", sagt Stehn dazu.

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Großer Faktor: Öffnung des Marktes

Deutschland hat deswegen so große Vorteile vom freien Handel in der EU, weil es wirtschaftlich sozusagen zu stark nur für sich allein ist - wir produzieren viel mehr, als wir in Deutschland alleine verkaufen könnten. Die Marktöffnung war deshalb ein entscheidender Hebel.

Neben Deutschland ist der Binnenmarkt auch für die oft so fordernd auftretenden osteuropäischen Nationen besonders einträglich. Denn, so Stehn: "Gerade Länder mit geringer Größe profitieren. Denn da sie klein sind, haben sie auch nur einen kleinen Markt. Wenn der Handel sich öffnet, profitiert man deshalb umso stärker."

Eine Insel der Einigkeit in der EU

Der gemeinsame Markt der Europäer ist schon ein kleines Wunder, wenn man sich die sonstige Zerstrittenheit der Europäischen Union vor Augen führt. Aber am Binnenmarkt wird nie gerüttelt. Denn insgeheim wissen alle Mitgliedsländer, dass sie davon profitieren, auch wenn dieser Profit nicht überall gleich groß ist. Selbst in Deutschland sind Bayern oder Baden-Württemberg größere Nutznießer als beispielsweise die Bundesländer im Osten.

Diese Ungleichheit ist auch einer der wenigen Kritikpunkte am EU-Binnenmarkt, der ja mit seiner Freizügigkeit auch im Dienstleistungsbereich und Kapitalverkehr weit darüber hinausgeht, nur eine profane Freihandelszone zu sein.

Nationalismus bremst

Aber gerade in diesen Bereichen wurden zuletzt kaum Fortschritte erzielt. Auch ist wieder deutlich mehr Nationalismus zu spüren. Und gerade die nationalen Parlamente können weiterhin jede Menge Subventionen beschließen und damit den Wettbewerb aushebeln.

Heißt: Es gibt natürlich noch vieles zu verbessern und zu vollenden. Allerdings ist das ein Meckern auf einem Niveau, wofür man uns in anderen Breiten dieser Welt beneiden würde.

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