DIW-Chef über Warnstreik: "Forderung ist gerechtfertigt"

    Interview

    DIW-Chef über Warnstreik:Fratzscher: "Forderung ist gerechtfertigt"

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    DIW-Chef Fratzscher hält die Lohnforderung der Gewerkschaften für gerechtfertigt. Nur der Staat könne die höheren Kosten stemmen - er gehöre zu den großen Gewinnern der Inflation.

    Sehen Sie hier das Interview mit DIW-Chef Marcel Fratzscher bei ZDFheute live. 27.03.2023 | 6:28 min
    DIW-Präsident Marcel Fratzscher zeigt Verständnis für die Lohnforderungen der Gewerkschaften:

    Die Forderung ist gerechtfertigt, wenn man sich die Inflation anschaut.

    DIW-Präsident Marcel Fratzscher

    "Acht Prozent 2022, in diesem Jahr vermutlich nochmal um die sechs Prozent: Das heißt Ende des Jahres werden die Menschen 14 Prozent weniger Kaufkraft mit ihren bestehenden Löhnen haben", sagte Fratzscher am Montagmorgen in ZDFheute live.
    Selbst wenn sich Verdi mit der Forderung nach 10,5 Prozent mehr Lohn durchsetzen sollte, würde dies immer noch einen Reallohnverlust bedeuten, so Fratzscher. "Die Menschen würden immer noch ihren Wohlstand einschränken."
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    Fratzscher: Staat gehört zu Gewinnern der Inflation

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    "Wenn jemand die höheren Kosten stemmen kann, dann ist es der Staat." Nicht jede Kommune könne dies, so Fratzscher weiter, es ginge um die Verteilung der Gelder.

    Aber erst einmal muss man festhalten, diese Forderung liegt weit unter der Bewertung der Kaufkraft der Löhne.

    DIW-Präsident Marcel Fratzscher

    "Der Staat hat Rekord-Steuereinnahmen", sagte der DIW-Chef im ZDF weiter. Bei einer "stagnierenden Wirtschaft" habe allein der Bund in diesem Jahr knapp fünf Prozent mehr Steuereinnahmen durch den Mechanismus, "dass wir natürlich alle mehr Steuern zahlen, wenn die Preise steigen".

    Das Geld ist da beim Staat. Es ist eine Frage, es dort zu mobilisieren, wo es benötigt wird.

    DIW-Präsident Marcel Fratzscher

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