Rocholl zu Credit Suisse: Fusion im "Hauruck-Verfahren"

    Übernahme von Credit Suisse:Rocholl: Bankenfusion im "Hauruck-Verfahren"

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    Wirtschaftswissenschaftler Rocholl kritisiert die Not-Übernahme der Credit Suisse durch die UBS scharf. Die Fusion sei im "Hauruck-Verfahren" vollzogen worden, sagte er im ZDF.

    Die Schweizer Großbankenfusion von UBS und Credit Suisse sei im "Hauruck-Verfahren" vollzogen worden und auf Kosten der Steuerzahler, so der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Jörg Rocholl.21.03.2023 | 5:22 min
    "Es ist wirklich ein Hauruck-Verfahren gewesen, in dem über das Wochenende diese Rettung durchgeführt wurde", bewertet Wirtschaftswissenschaftler Jörg Rocholl im ZDF Morgenmagazin die Übernahme der Schweizer Bank Credit Suisse.
    Man habe es mit "Druck zu einer Fusion kommen lassen", erläutert der Präsident der European School of Management and Technology. Dabei habe man nicht die erwartete Reihenfolge der Haftung genutzt. Viele Fragen seien noch offen, wer zum Beispiel nun noch Geldansprüche hat.

    Zum anderen ist es so, das jetzt eine Institution entsteht, die deutliche größer ist als das, was vorher schon die Schweiz verkraften konnte.

    Jörg Rocholl

    "Enorme Risiken" für die Schweiz

    Die UBS ist nun doppelt so groß wie das gesamte Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Schweiz. Mit der Fusion laste sich die Schweiz "enorme Risiken auf", sagte Rocholl im ZDF weiter.

    Wenn es wirklich zu Problemen kommen sollte, kommt auch die Schweiz an die Grenzen, was sie noch tun kann.

    Jörg Rocholl, Wirtschaftswissenschaftler

    "Und das ist genau das "too big to fail", was wir eigentlich seit 15 Jahren lösen wollten." Alles, was man sich vorher überlegt hatte, was man als Abwicklung hätte nutzen können, wurde "kurzerhand übers Wochenende über Bord geworfen", so Rocholl.

    "Rettung hätte vermieden werden können"

    Die Bank Credit Suisse habe an "Missmanagement nichts ausgelassen, was in den letzten Jahren an Möglichkeiten da war", so Rocholl. Es habe verschiedene Abschreibungen, Personalwechsel und Skandale gegeben.
    Dennoch meint Rocholl: "Die Rettung hätte vermieden werden können, indem vorher genau die Regularien genommen worden wären, die ja letztlich seit der Finanzkrise als Antwort auf die Finanzkrise umgesetzt werden."

    Und das ist wirklich die Tragik hier, dass die Steuerzahler wieder eingreifen mussten, um diese Bank zu retten.

    Jörg Rocholl, Wirtschaftswissenschaftler

    Die Schweizer Großbank UBS hat in einer Rettungsaktion die schwer angeschlagene Rivalin Credit Suisse für drei Milliarden Franken übernommen. Zusätzlich steht sie für Verluste von bis zu fünf Milliarden Franken gerade.
    Die Schweizerische Nationalbank (SNB) unterstützt den Deal mit Liquiditätshilfen und gewährt den Banken ein Darlehen von insgesamt bis zu 100 Milliarden Franken.
    Die Schweizer Großbank Credit Suisse stand kurz vor dem Aus. Nun wird sie von ihrem Lokalrivalen UBS für umgerechnet rund drei Milliarden Euro übernommen. 20.03.2023 | 1:31 min

    Wirtschaftsexperte: Vertrauenskrise, keine Finanzkrise

    Dennoch ist Rocholl überzeugt, dass man nicht von einer Finanzkrise sprechen könne. Denn seit der Krise 2008 habe sich viel verändert. Laut Rocholl gebe es mehr Sicherheitsmechanismen, Regeln und Vorschriften, wie viel Liquidität Banken vorhalten müssen.
    Deshalb gehe es im Moment hauptsächlich um das Vertrauen in die Banken: "Es ist wirklich im Moment erst eine Vertrauenskrise." Rocholls Prognose für die kommenden Wochen ist allerdings nicht allzu gut. Das liegt auch daran, dass in den USA weiteren Banken eine Pleite drohe.

    Es wird unruhig bleiben, gleichzeitig sind wir aber noch weit von dem entfernt, was 2008 uns bestimmt hat.

    Jörg Rocholl, Wirtschaftswissenschaftler

    Nach der Übernahme der Credit Suisse durch die UBS sind die Börsen immer noch unruhig. Ob durch die Übernahme eine Bankenkrise abgewendet ist, beurteilt Stephanie Barrett. 20.03.2023 | 1:27 min

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