Dating-Apps: Fünf Gründe auf die Tools zu verzichten
Online-Partnersuche:Fünf Gründe auf Dating-Apps zu verzichten
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Tinder, Bumble, Hinge - mit Dating-Apps den Partner fürs Leben suchen, ist normal geworden. Doch die Tools erhöhen auch den Druck auf Singles, warnt Therapeutin Schweiger.
Smartphone mit Dating-App
Quelle: reuters
Tinder, OkCupid, Bumble, Hinge und viele ähnliche Portale bestimmen längst die Flirt- und Dating-Kultur - und frustrieren immer mehr Menschen. So auch Johanna und Eugen.
Ihr letztes Online-Date lief wunderbar, bis sie vorschlug sich in einem Park zu treffen. "Er beendete den Kontakt mit den Worten, dass er kein Park-Mensch sei und es nie mit uns klappen werde", erzählt die 35-Jährige, die eigentlich anders heißt, noch immer verwundert. Für sie war der typische Lebenszyklus eines Online-Flirts irgendwann so frustrierend, dass sie Schluss machte mit ihren Apps.
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Auch Eugen, hier ebenfalls mit Pseudonym, hat alle Apps gelöscht. "Die Leute machen online viel Show, ich vielleicht genauso. Jeder will angeschrieben werden, meldet sich aber nicht zurück oder lässt sich nicht auf ein Treffen ein", meint der 42-Jährige. Aus Sicht der Psychotherapeutin Vera Schweigert gibt es daher fünf Gründe, weshalb Dating-Apps verzichtbar sind:
1. Online-Suche kann Druck auf die Psyche erhöhen
Wer wie Johanna und Eugen beim Online-Dating schon zu oft erlebt hat, wie sich Vorfreude in Enttäuschung verwandelt, der kann laut Psychotherapeutin Vera Schweiger "enormen Druck auf die Psyche" spüren. "Oft sind viele Hoffnungen mit den Apps verbunden. Doch dann wird man abgeurteilt, plötzlich ignoriert."
Wenn man ohnehin schon Angst vor Ablehnung aufgrund vergangener Erfahrungen oder Probleme mit dem Selbstwert hat, kann das solche Befürchtungen bestätigen.
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Vera Schweiger, Psychotherapeutin
2. Erfolgsaussichten mit Dating-Apps sind eher niedrig
Hinzu kommt: die Partnersuche lässt sich nur begrenzt optimieren. Das perfekte Gegenüber kann man auch mit der x-ten Überarbeitung des eigenen Online-Dating-Profils nicht materialisieren. "Wer sich darauf einlässt, sollte sich bewusst machen, dass es ein langer, anstrengender Weg sein kann, der nicht unbedingt von Erfolg gekrönt sein muss", sagt Schweiger.
Ein wenig wie beim Lotto kann man das schnelle Glück erleben - oder nie sechs Richtige haben. Auch deshalb rät Schweiger dazu, den Apps nicht zu viel Raum zu geben. "Ich erlebe oft in der Beratung, dass die Menschen auf immer mehr Dates gehen und die Dinge, die ihr Leben bereits erfüllen - Hobbys, Freunde, Familie - dafür vernachlässigen.
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Dabei ist es leichter, mit Zurückweisung umzugehen, wenn ich mir mit anderen Lebensbereichen Erfolgserlebnisse hole, etwa bei einem schönen Abend mit Freunden."
3. Die Online-Partnersuche ist zeitaufwändig
Für Rike, die auch nicht mit ihrem richtigen Namen erscheinen möchte, war das ein Grund, sich erst gar keine Flirt-App zu installieren. "Wenn mir Freunde und Kollegen von ihren Erlebnissen dort erzählen, denke ich: Fünf Dates in der Woche? Das ist doch Arbeit."
"Generell muss ich Menschen sehen, hören, spüren, um ein Gefühl zu entwickeln", erzählt die 45-Jährige. "Ich bestelle zum Beispiel auch keine Kleidung online."
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4. Das Hoffen auf den Traumpartner tut nicht gut
Das schier endlose Angebot an potentiellen Partnern im Internet kann dazu verleiten, eigene Ziele und Wünsche aufzuschieben. Die Traumreise nach Thailand? Der Tanzkurs? Allein doch doof. "Solche Gedanken sind mit der Vorstellung verbunden: Wenn er oder sie erst da ist, wird mein Leben ganz anders."
Dabei ist es viel sinnvoller, sich nicht auf die ferne Zukunft zu konzentrieren, sondern auf das Jetzt. Momentan bin ich Single, ja, aber wie nutze ich die Zeit für mich?
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Vera Schweiger, Psychotherapeutin
5. Einige entwickeln Angst vor Ablehnung
Menschen, die das ewige Swipen beenden, kapitulieren nicht vor der Partnersuche. Womöglich haben sie schlicht realisiert, wie erfüllt ihr Leben bereits ist - und dass man Menschen durchaus auf anderen Wegen kennenlernen kann.
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So führte für Rike eine Begegnung beim Tanzen in eine Beziehung. Auch Johanna hat ihre jüngsten "Affären", wie sie es nennt, alle offline getroffen: "in Bars, bei der Arbeit oder im Urlaub, ganz klassisch also".
Natürlich könnten Tinder und wie sie alle heißen das Leben durchaus bereichern, findet Psychotherapeutin Schweiger. Man lerne neue Menschen kennen, erlebe schöne Dinge.
Doch wenn man merkt: Sie tun mir nicht gut, ich verfalle in Verhaltensmuster, mit denen ich mich nicht wohlfühle oder habe Angst vor Ablehnung entwickelt, dann dreht man die Apps eben erst einmal ab.
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Vera Schweiger, Psychotherapeutin
Eine Absage an die Liebe sei das schließlich nicht.
Quelle: dpa
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