Newsletter ZDF-Fernsehrat:ZDF-Intendant Himmler von Fernsehrat mit großer Mehrheit wiedergewählt
Der Rückblick auf die ZDF-Fernsehratssitzung vom 13. März 2026
ZDF-Fernsehratssitzung am 13. März 2026
Quelle: ZDF/Torsten SilzEs ist ein großer Vertrauensbeleg: Der Fernsehrat hat ZDF-Intendant Norbert Himmler mit deutlicher Mehrheit wiedergewählt. In der Abstimmung votierten 48 der 53 anwesenden Fernsehratsmitglieder für Himmler – bei drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen. Gereicht hätten 36 Ja-Stimmen. Die Fernsehratsvorsitzende Gerda Hasselfeldt begrüßte das Votum, wünschte Himmler alles Gute und versprach, der Fernsehrat werde die neue Amtszeit weiter konstruktiv und kritisch begleiten. Himmler nahm die Wahl dankend an und betonte die Bedeutung des Rückhalts des Fernsehrats in diesen herausfordernden Zeiten.
ZDF-Intendant Norbert Himmler
Quelle: ZDF/Tim ThielWie relevant das Amt des Intendanten für den Sender ist, zeigte sich dabei auch an dem für die Wahl notwendigen Quorum: Um erfolgreich zu sein, musste der Kandidat mindestens drei Fünftel der Stimmen der gesetzlichen Fernsehratsmitglieder auf sich vereinen. Insbesondere angesichts der massiven digitalen und gesellschaftlichen Umbrüche bedurfte es einer kompetenten und entschlossenen Führungskraft an der Spitze des ZDF. Im Rahmen des öffentlichen Ausschreibungsverfahrens konnten sich Interessierte um das Amt bewerben. Auch hatte jedes Mitglied des Fernsehrates die Möglichkeit, geeignete Personen anzusprechen oder zu einer Bewerbung zu animieren, wie die Fernsehratsvorsitzende Gerda Hasselfeldt betonte. Eine solche Bewerbung war ebenso wie der Wahlvorschlag mindestens eines Mitgliedes des Fernsehrates Voraussetzung dafür, sich dem Votum des Gremiums stellen zu können. Bei der geheimen Abstimmung, die für eine Amtszeit von fünf Jahren erfolgte, stand nach dem Rückzug einer weiteren Kandidatin Amtsinhaber Norbert Himmler zur Wahl.
KI-generierte Videoszene im Fokus
Über eine hochaktuelle Herausforderung hatte der Fernsehrat da bereits debattiert – zuletzt war das ZDF wegen zweier aus dem Netz übernommener Videoszenen in die Kritik geraten; eine davon war mit KI generiert. Das entspricht in Nachrichtenbeiträgen auch mit entsprechender Kennzeichnung nur dann den Grundsätzen des ZDF, wenn es in dem Beitrag um KI geht. Im Verlauf der Diskussion wurde über die Wirksamkeit der Maßnahmen des ZDF und die Fehlerkultur debattiert. ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten informierte über die Aufarbeitung der Geschehnisse. Im Ergebnis seien fünf Handlungsfelder identifiziert worden. So werde die Chefredaktion das Wissen zu Künstlicher Intelligenz im redaktionellen Zusammenhang systematisch und nachhaltig stärken und die Kompetenzen zur Verifikation von Bildmaterial in den Redaktionen ausbauen. Fremdmaterial werde im Rahmen einer verbindlichen Quellenhierarchie grundsätzlich anders bewertet als selbstgedrehtes Bildmaterial; die Abnahmeprozesse würden an die Herausforderungen des Digitalen angepasst, und schließlich werde eine Fehlerkultur gestärkt, in der Fehler transparent und frühzeitig benannt, konsequent aufgearbeitet und korrigiert würden.
In der folgenden Debatte kritisierte NRW-Medien-Minister Nathanael Liminski die Reaktion des ZDF unmittelbar nach der Ausstrahlung der KI-generierten Videoszene. Erst im weiteren zeitlichen Verlauf sei diese von einer Rechtfertigung zu echter Aufarbeitung geworden. Die nun vorgeschlagenen Maßnahmen begrüßte er. Er mahnte neben Technik und Handwerk auch eine "Binnenhygiene" in den Redaktionen und eine "echte Fehlerkultur" an. Unter anderem Katrin Kroemer (Deutscher Journalisten-Verband) lobte, dass es mit den neuen Regeln Klarheit für die Mitarbeitenden im ZDF zum redlichen Umgang mit Bildmaterial gebe.
Die Fernsehratsvorsitzende Gerda Hasselfeldt betonte, das Publikum erwarte vom ZDF zu Recht auch im Zeitalter von KI verlässliche Informationen. "Nun müssen die vorgestellten Maßnahmen zur Sicherung der journalistischen Standards konsequent Anwendung finden", fügte Hasselfeldt abschließend hinzu. Sie kündigte an, der Fernsehrat werde dies weiter überprüfen.
Fernsehrat zeigt sich wirkmächtig
Lebhaft debattiert wurde auch über die Finanz- und Wirtschaftsberichterstattung im ZDF. Das Thema war auf Initiative des Fernsehrats auf die Tagesordnung gekommen. Steffen Kampeter (Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände) zeigte sich daher erfreut, dass die ZDF-Geschäftsleitung solche thematischen Anregungen aus dem Gremium aufgreift; er sah darin einen Beleg für die Selbstwirksamkeit des Fernsehrates.
In der weiteren Debatte darüber regte Lisa Paus (Vertreterin des Bundes) mehr Beachtung von Konjunktur und Makroökonomie an, und Claudia Conen (Europa-Union Deutschland) sowie Beate Preuschoff (Zentralverband des Deutschen Handwerks) plädierten für mehr Augenmerk auf grundlegende Werte und Zusammenhänge "unserer Wirtschaftsordnung". Cornelia Tausch (Bereich Verbraucherschutz) ermutigte das ZDF, Verbraucherthemen darüber nicht zu vernachlässigen. Diese seien ebenso Teil der Wirtschaft. Sandra Hartig (Deutsche Industrie- und Handelskammer) lobte die Berichterstattung über Mittelstand und Unternehmertum und wünschte sich noch mehr Augenmerk auf Gründerinnen, um zu zeigen, dass Wirtschaft auch weiblich sei. Mehrfach wurde aus dem Gremium die Formatneuerung "Lange Nacht der Wirtschaft" gelobt. ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten dankte dem Fernsehrat und seinen Mitgliedern ausdrücklich für deren Expertise und den inhaltlichen Input für die Arbeit des Hauses.
Eine ähnlich thematisch tiefgreifende Diskussion wie bei der Finanz- und Wirtschaftsberichterstattung erfolgte auch im anschließenden Tagesordnungspunkt zum "Sport im ZDF" mit seiner Rückschau und dem Ausblick (siehe hierzu auch Interviews mit Fernsehräten im Newsletter).
Einleitung von Drei-Stufen-Tests und Einigung beim Körbemodell
Mit der Sitzung hatte der Fernsehrat zudem das Genehmigungsverfahren ("Drei-Stufen-Test") für die Änderungskonzepte der Telemedienangebote von ZDF, 3sat und phoenix eingeleitet. Dritte haben bis zum 8. Mai 2026 die Möglichkeit, Stellungnahmen zu den vorgeschlagenen Konzepten abzugeben.
Außerdem informierte der Intendant über die Abstimmung mit der ARD, die Vorgaben des Reformstaatsvertrages, durch die Bündelung öffentlich-rechtlicher Angebote sowie die Streichung von drei linearen Sendern, umzusetzen. Darüber hinaus entschied der Fernsehrat über sieben Programmbeschwerden.
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