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Chance oder Gefahr für Lehre? : Was Schulen und Unis zu ChatGPT sagen

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ChatGPT kann Texte und Aufsätze schreiben - und wird zum Debattenthema unter Lehrkräften. Denn die Auswirkungen des Chatbots auf Schulen und Unis sind noch nicht zu überblicken.

Archiv: Studenten nehmen am 13.10.2014 in Heidelberg in einem Hörsaal der Universität an einer Erstsemester-Veranstaltung teil.
Studierende an der Universität in Heidelberg.
Quelle: dpa

Ist ChatGPT eine Gefahr für Lehre und Unterricht in Deutschland? In den sozialen Netzwerken gibt es darüber seit Tagen eine Debatte. Manche Beobachterinnen und Beobachter kommen zu dem Schluss: Die Künstliche Intelligenz (KI), die Aufsätze und Artikel zu allen möglichen Themen erzeugen kann, könnte dafür sorgen, dass Studierende an Unis und Jugendliche an Schulen künftig auf ChatGPT statt Eigenleistung setzen.

Wenn man den Chatbot bittet, zu erklären, vor welche Probleme ChatGPT Schulen und Universitäten stellt, antwortet er - durchaus "selbstkritisch":

Das sagen Lehrer- und Hochschulverband zu ChatGPT

Aufmerksam beobachten Lehrer- und Hochschulverbände die aktuelle Debatte. Bisher sei es aber schwer einzuschätzen, "welche Veränderungen damit für die  Lehr-, Lern- und Prüfungskultur an deutschen Schulen und Hochschulen einhergehen", erklärt Matthias Jaroch, Sprecher des Deutschen Hochschulverbands.

"Eine durchaus berechtigte Sorge ist, dass es zusehends schwieriger werden könnte, die Vortäuschung eigenständiger Erkenntnisleistungen zum Beispiel in Hausarbeiten zu erkennen", so Jaroch. Der Grund sei: Fortlaufend optimierte KI-Tools könnten bald anspruchsvolle Texte schaffen, die faktisch und juristisch nicht als Plagiate zu erkennen seien.

Dennoch gibt Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, zu verstehen: "Sorgen macht uns als Lehrerverband ChatGPT nicht." Denn Schülerinnen und Schüler hätten schon lange die Möglichkeit, bei Aufgaben, Übersetzungen, Aufsätzen oder Hausaufgaben, sich Hilfen von außen aus dem Internet zu holen.

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von Carolin Wolf

Die Grenzen der KI

Noch ist eine gute Hausarbeit für viele Lehrende durchaus von einem Ergebnis von ChatGPT zu unterscheiden: Denn oft sind die Antworten des Bots oberflächlich und wenig komplex. Gleichzeitig fällt es auf, wenn sich die Texte von Schülerinnen, Schülern und Studierenden stark ähneln, weil sie den Bot mit ähnlichen oder gar gleichen Fragen füttern.

"Lehrkräfte berichten, dass es meist schnell auffällt, ob jemand Aufgaben selbstständig gelöst hat, die genauen Quellen seiner Recherchen angeben kann oder ob er eben Unverdautes von sich gibt", sagt Meidinger.

Entscheidend bei Bildungsprozessen, bei der Kompetenzvermittlung und Wissensaneignung wird auch in Zukunft sein, inwieweit der Lernende die Sachverhalte selbst verstanden hat. ChatGPT ersetzt diesen Prozess nicht, kann allerdings dabei unter Umständen assistieren.
Heinz-Peter Meidinger, Deutscher Lehreverband

"Wir brauchen auf jeden Fall weiter alte Kulturtechniken wie Schreiben. Wir können das nicht einfach an eine KI auslagern", sagt Wirtschaftswissenschaftler Prof. Robert Lepenies.

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KI als Chance im Unterricht

Bisher greift ChatGPT "nur" auf Daten bis 2021 zurück und befindet sich noch in einer Art kostenlosen Testphase. Doch die KI entwickelt sich stetig weiter. "Der weitere Blick in die Zukunft fällt schwer, weil kein Ende der Entwicklung erkennbar ist", heißt es in einem aktuellen Gastbeitrag, den Doris Weßels, Margret Mundorf und Nicolaus Wilder für das Hochschulforum Digitalisierung verfasst haben.

Klar ist aber: Abseits der Bedenken bietet ChatGPT auch Chancen - als Recherchetool und Forschungsgegenstand gleichzeitig. So könnte man Schülerinnen und Schüler damit beibringen, "systematische Quellenkritik einzuüben und zu erlernen", so Meidinger.

Ein Problem bei ChatGPT besteht ja auch darin, dass das System immer wieder Fakenews und Falschaussagen unter die Mehrzahl der belastbaren Fakten mischt.
Heinz-Peter Meidinger, Deutscher Lehrerverband

Das Bildungssystem ist gefordert

Mit Blick auf das Bildungssystem stellen sich die Expertinnen und Experten daher die Frage, wie man Werkzeuge wie ChatGPT besser in Unterricht und Lehre einbinden kann - und welche Kompetenzen Studierende, Schülerinnen und Schüler, aber auch Lehrkräfte dafür zwingend benötigen.

Zu nennen wären hier zum Beispiel die Fähigkeit zum wissenschaftlichen Arbeiten, Textmusterwissen etc., insbesondere aber analytisches und kritisches Denken, um automatisierte Produkte zu bewerten und ihre Nutzung zu steuern.
Doris Weßels, Margret Mundorf und Nicolaus Wilder

Hinzu kommt die Frage, wie man eine Leistung bewerten soll, die mithilfe von KI entstanden ist. Zu all diesen Aspekten müssten sich die zuständigen Institutionen Antworten überlegen.

Doch wird ein Bildungssystem, das in Sachen Digitalisierung weit hinterherhinkt, überhaupt eine schnelle Antwort im Umgang mit Künstlicher Intelligenz in Schulen und Unis finden können?

Egal ob in Praxen oder Schulen: Im Vergleich zu anderen EU-Ländern liegt Deutschland bei der Digitalisierung weit zurück. Die Bundesregierung möchte das ändern.

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