Nackte Touristen: Bali kämpft mit Benimmregeln um seine Würde

    Nackte Touristen:Bali kämpft mit Benimmregeln um seine Würde

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    Weil sich Touristen an heiligen Orten nackt gezeigt haben, zieht Bali die Zügel an. Schon am Airport werden Regeln für den Umgang mit Wahrzeichen der Insel in den Pass geheftet.

    Touristen machen Fotos rund um den Beratan-See in Kintamani, Bali
    Kultur und Religion spielen auf Bali eine große Rolle. Nicht alle Touristen respektieren das. (Symbolbild)
    Quelle: imago/NurPhoto

    Der Duft von Räucherstäbchen zieht durch die laue Tropenluft. Balinesinnen in leuchtenden Sarongs beten vor kleinen Schreinen und legen Opfergaben nieder. Auf Bali sind Kultur und Religion allgegenwärtig - es scheint, als gebe es hier mehr Tempel als Häuser. Gerade das macht die indonesische Trauminsel so besonders. Aber mit der Harmonie hapert es gerade.
    Zuletzt kam es wiederholt zu unmanierlichen Zwischenfällen mit nackten oder halbnackten Touristinnen und Touristen - mit Folgen für alle Bali-Fans. Insel-Gouverneur I Wayan Koster will sich das despektierliche Verhalten nicht länger ansehen und fährt einen harten Kurs.

    Bali führt Verhaltensregeln ein

    So bekommen Einreisende nun gleich am Flughafen einen Leitfaden mit Benimmregeln in den Pass geheftet. Und Trekking-Touren auf die prächtigen Vulkane Gunung Batur und Gunung Agung könnten bald der Vergangenheit angehören.
    Denn der Name "Insel der Götter" ist kein Klischee. Der balinesische Glaube - "Agama Hindu Dharma" genannt - ist eine besondere und komplexe Art des Hinduismus, gemischt mit mythologischen Elementen. Er ist der zentrale Punkt im Leben der Menschen dort. Besucher sollten die Kultur des Gastlandes respektieren, speziell wenn es um sakrale Orte geht.
    Deshalb gibt es jetzt klare Verhaltensregeln für jeden Urlauber: Absolutes No-Go ist es etwa, auf heilige Bäume oder religiös verehrte Bauwerke zu klettern. Auch sah sich Koster veranlasst, unanständige Kleidung oder gar Nacktheit zu verbieten.

    Nackte Touristen benehmen sich auf Bali daneben

    Im März wurde ein russischer Blogger abgeschoben, nachdem er auf dem Berg Agung, der als Sitz der Götter betrachtet wird, sein nacktes Gesäß zur Schau gestellt hatte. Im Mai hatte sich eine Dänin im Urlaubsort Seminyak als Beifahrerin auf einem Motorrad entblößt - sie wurde festgenommen.
    Und ebenfalls im vergangenen Monat schmiegte sich eine russische Touristin gänzlich hüllenlos an einen heiligen Banyan-Baum und postete Fotos davon online. Auch sie wurde abgeschoben.
    Auszeit auf der "Insel der Götter":

    Unfälle: Leihroller nur über offizielle Vermieter

    Vergangene Woche gab Koster bekannt, dass nur noch offizielle Vermieter Zweiräder verleihen dürfen, nachdem es auf den Straßen zu Regelverstößen und Unfällen gekommen war. Speziell im Süden rund um die Party-Hochburg Kuta gilt ein Helm oft als unnötiges Accessoire.
    Gleichzeitig forderte er Einheimische auf, Touristen zu melden, die sich anstößig verhalten oder Vorschriften missachten. Dem Tourismussektor müssten "Qualität und Würde" zurückgegeben werden. Bei Zuwiderhandeln drohen harte Strafen - von Haft bis zur Abschiebung.

    Gouverneur will Berge für Touristen sperren

    Kosters jüngster Vorstoß - die Berge der Insel für jede Art von Tourismus zu sperren - ging dann aber selbst vielen Balinesen zu weit. Nach Kosters Angaben hatten Urlauber nackt auf den Gipfeln getanzt und unsittlich posiert.

    Die Berge besitzen eine heilige Essenz, was sie zu verehrten Orten macht. Daher verbieten wir Bergsteigeraktivitäten.

    I Wayan Koster, Insel-Gouverneur

    Das stößt nicht nur bei Bergführern, sondern auch bei Lokalpolitikern auf Widerstand - schließlich sind speziell der Batur und der Agung beliebte Ausflugsziele. Kritiker warnen, dass ein Verbot viele Balinesen ihrer Lebensgrundlage berauben und den wichtigen Industriezweig stark beeinträchtigen würde.
    [Tourismus und Klimawandel: Wie viel Reisende für Nachhaltigkeit zahlen.]
    Der stellvertretende Sprecher der Provinzregierung, Tjok Gde Asmara Putra Sukawati, forderte Koster auf, den Plan zu überdenken. Er schlug vor, Touristen zu verpflichten, lokale Bergführer zu engagieren. Auch der Reiseführer Ade Firmasnyah ist gegen ein Pauschalverbot.

    Es gibt viele Menschen, die im Bergtourismus arbeiten. Wenn das verboten wird, dann wird es große Proteste geben.

    Ade Firmasnyah, Bergführer

    Jedoch plädiert er dafür, die Preise für Trekking-Touren auf die Vulkane zu erhöhen, klare Regeln aufzustellen und hart gegen diejenigen durchzugreifen, die sich trotzdem danebenbenehmen.
    Quelle: C. Frentzen und A. Pathoni, dpa

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