Belgisches Königspaar zu Besuch in Berlin

    Dreitägige Deutschlandreise:Belgisches Königspaar zu Besuch in Berlin

    ZDF-Korrespondent Gunnar Krüger im Interview.
    von Gunnar Krüger
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    Belgiens Königspaar in Berlin: Die Beziehung zwischen Belgien und Deutschland ist ebenso ungleich wie reibungslos. Der kleinere Nachbar spielt eine größere Rolle als man denkt.

    Bundespräsident Frank Walter Steinmeier und seine Frau Elke Budenbender posieren für ein Foto mit Belgiens König Philippe und Königin Mathilde in Berlin, 05.12.2023.
    Bundespräsident Frank Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender treffen Belgiens König Philippe und Königin Mathilde.
    Quelle: Reuters

    Hubertus von Sachsen-Coburg und Gotha muss gut überlegen: "Albert ist ja mein Urururgroßvater, und der Onkel von Albert war Leopold I., also …". Heraus kommt ein Verwandtschaftsgrad, den wohl nur der Hochadel parat hat: Philippe, König der Belgier, ist sein Cousin in sechster Generation.
    Vor drei Jahren besuchte das belgische Königspaar Thüringen, wo das Stammhaus derer von Sachsen-Coburg und Gotha steht. Die belgische Verwandtschaft zeigt ein enges und entspanntes Band.

    Beim Export ist Deutschland für Belgien der wichtigste Partner. Umgekehrt ist Belgien für Deutschland der neuntgrößte Handelspartner. Das Handelsvolumen zwischen beiden EU-Staaten betrug 124,2 Milliarden Euro im Jahr 2022. Deutsche Firmen bauen in Belgien Autos, produzieren Chemie und Medizin und beziehen Fertigwaren und Rohstoffe über Antwerpen - der Hafen gilt als Nordrhein-Westfalens Tor zur Welt.

    Deutsch ist dritte Landessprache und wird von knapp 80.000 Belgierinnen und Belgiern in der deutschsprachigen Gemeinschaft in Ostbelgien genutzt - gelegentlich auch von ihrem König Philippe, nicht nur in der Weihnachtsansprache.

    Deutsche Wurzeln im belgischen Königshaus

    Das war nicht immer so. Wenn Philippe - mit seiner Frau Mathilde - nun zum Staatsbesuch anreist, dann steht "van Belgie" und "de Belgique" im Pass. Eigentlich hieß die Familie wie die thüringische Verwandtschaft: "von Sachsen-Coburg und Gotha".
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    Als Belgien 1830 einen König suchte, war das Adelshaus "wie ein royales Randstad", witzelt Königshaus-Experte Wim Dehandschutter - also eine Art Personalvermittlung für europäische Königshäuser.
    Doch die Überfälle auf Belgien in beiden Weltkriegen waren Grund genug für einen Abstand zur deutschen Herkunft - bis 2019. Da tauchte Sachsen im königlichen belgischen Wappen wieder auf.
    Und Philippes Halbschwester - vom Vater Albert II. lange verleugnet - durfte sich "Delphine de Saxe-Cobourg et Gotha" nennen. Dehandschutter, der für die belgische Tageszeitung "Het Laatste Nieuws" mitreist, meint:

    Ich bin davon überzeugt, dass der König in seiner Tischrede auf seine deutschen Wurzeln verweisen wird.

    Wim Dehandschutter, Königshaus-Experte

    Belgisches Königspaar drei Tage lang auf Deutschlandreise
    Für König Philippe und Königin Mathilde stehen bei ihrer dreitägigen Reise Termine in Berlin und Dresden an. (Archivbild vom 21.07.2023)
    Quelle: dpa

    Königspaar besucht Berlin und Dresden

    Dienstag und Mittwoch also Berlin, Donnerstag Dresden. Auf dem Programm viel Standard: Staatsbankett, Weihnachtsmarkt, Museumsbesuch. Neben alten Meistern aber geht es auch um Mikrochips und Energie. "50 Hertz" betreibt das Stromnetz in ganz Ostdeutschland, "X-FAB" baut die begehrten Halbleiter- Firmen in Schlüsselbranchen, an beiden halten Belgier Anteile.
    Was zeigt, wie eng die Wirtschaft der beiden EU-Staaten verzahnt ist. "Man merkt, dass unser König echt ein Auge drauf hat, mit seinem Besuch den Wirtschaftsaspekt zu beleuchten." Dessen Vater habe das kaum getan, so Dehandschutter.
    Royals im 21. Jahrhundert? Ein Job für Powerpaare! "ZDF-History" blickt auf die Herausforderungen der populären jungen Paare in den Königshäusern von England, Schweden und Spanien.30.10.2022 | 44:37 min

    Experte: König Philippe "weiß, was von ihm erwartet wird"

    Bei König Philippe gehe es mehr um die Sache, nicht um Skandale. "Es ist die Kombi aus allem", glaubt Dehandschutter. Als Thronfolger machte Philippe noch Fehler, bekam Kritik.
    Im zehnten Jahr als König fühle er sich sichtbar wohler in seiner Haut, habe die Unterstützung seiner Familie und einen guten Kabinettschef. "Mit 63 Jahren hat er zudem ein Alter, in dem er weiß, was von ihm erwartet wird - und was er nicht tun darf."

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