Intuitives Essen, die Anti-Diät: Hören, was der Körper sagt

    Intuitives Essen:Die Anti-Diät: Hören, was der Körper sagt

    von Lara Wiedeking
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    Das Versprechen klingt gut: Essen, was man will und schlank werden. Doch beim intuitiven Essen geht es nicht ums Abnehmen, sondern um ein gesundes Verhältnis zum Körper.

    Ein Portion Kartoffelchips in einer Schüssel
    Übungssache: Essen, bis das Signal "satt" wieder funktioniert
    Quelle: imago

    Sie nennt sich die "Anti-Diät". Das Prinzip: weg von Diät- und Ernährungsregeln. Stattdessen hört man auf die Körpersignale: Hunger, Sättigung und Appetit. Kinder machen das automatisch, doch das wird im Laufe der Jahre vielen abtrainiert. "Wir bekommen leider schon häufig als Kinder vermittelt, dass wir unserem Körpersignal nicht trauen dürfen", sagt Ernährungswissenschaftlerin Antonie Post, "gerade bei mehrgewichtigen Kindern, die nicht den Schönheitsidealen unserer Gesellschaft entsprechen. Dann heißt es: 'Du darfst nicht so viel essen', oder 'Was, du hast schon wieder Hunger?'"

    Der Körper weiß, was er braucht

    Doch auf Social Media wird die Methode von Abnehm-Coaches vereinnahmt. "Ich finde es schade, dass wir gerade in Deutschland glauben, 'intuitiv essen' sei das gleiche, wie 'intuitiv abnehmen'", erklärt Post. Die Expertin hat nach zahllosen Diäten vor einigen Jahren das intuitive Essen entdeckt - eine Methode aus den USA, die bereits Mitte der 1990er Jahre entwickelt wurde.
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    "Es gibt viele Programme, die Diäten verkaufen und sich am Wording der intuitiven Ernährung und der Hoffnung bedienen: 'Ich kann alles essen, was ich möchte und ich werde dabei trotzdem schlank'. Diese Hoffnung haben viele Menschen, und die verkauft sich verdammt gut", so Post.
    Der Körper, so die Theorie dabei, weiß, was er braucht: eine warme Mahlzeit oder einen leichten Snack. Ob Vitamine aus Obst und Gemüse fehlen. Und, ob eine Mahlzeit mit Freunden gerade genau das ist, was der Geist braucht. Denn Essen kann auch den Hunger nach Gesellschaft und dem Miteinander mit Freunden oder Familie sättigen.
    Ernährungsexpertin Brigitte Bäuerlein zeigt, was man essen soll, um möglichst lange satt zu bleiben: 
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    Sich vorstellen, wie es einem nach dem Essen geht

    Dauerhafter Mangel durch Diäten und restriktives Essen versetzen den Körper in eine Art permanente Notsituation. So verliere er die Intuition, welche Nährstoffe er im Normalzustand braucht.
    Der Weg zurück ist nicht immer einfach, sagt auch Ernährungswissenschaftlerin Maike Ehrlichmann: "Auf diese Signale zu hören wurde durch all die Regeln in unserem Kopf überschrieben." Man müsse auf seinen Bauch hören - und das nicht im esoterischen Sinne: "Man kann zum Beispiel mit einer Skala von eins bis zehn für Hunger und Sättigung arbeiten, beobachten und notieren, auf welchem Hungerstatus man vor dem Essen ist und wie es danach ist. So kann man quantifizieren, das gibt den Menschen Sicherheit." Es helfe, sich vor dem Essen genau vorzustellen, wie es einem danach wohl geht, ob Mohrrüben-Salat, Butterbrot oder ein Stück Schokoladenkuchen jetzt richtig sind:

    Und dann muss man ehrlich mit sich sein und sagen: 'Ne, Salat reicht mir jetzt nicht'.

    Maike Ehrlichmann, Ernährungswissenschaftlerin

    Eine Nachholphase, durch die man durchmuss

    Es sei wichtig, sich vorab mit der Theorie auseinander zu setzen. Für manche Menschen mit Vorbelastungen kann auch ein Coach oder Berater sinnvoll sein, der den Prozess begleitet und die wichtigsten Punkte erklärt. Ernährungswissenschaftlerin Ehrlichmann:

    Es geht darum, wirklich nach innen zu hören und aufzuhören, wenn man satt ist.

    Maike Ehrlichmann, Ernährungswissenschaftlerin

    "Nicht, weil 'du sonst zu viele Kalorien gegessen hast'", sagt Ehrlichmann. "Du hörst auf, wenn du satt bist, damit das Signal wieder funktioniert. Wenn du ständig über die Sättigung hinaus isst, dann kommt das Signal 'satt' irgendwann nicht mehr richtig an."
    Beide Ernährungswissenschaftlerinnen beobachten die Sorge der Menschen, dass sie dann zügellos nur noch Pizza, Pommes und Chips essen. "Ja, es gibt am Anfang diese Nachholphase, durch die man durchmuss", sagt Antonie Post. Doch irgendwann sei der Nachholbedarf an Pizza und Chips oder was auch immer gestillt. "Ich hätte nie gedacht, dass ich mal einen Clip für meine Chipstüte brauche", ergänzt Post und lacht.

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