Nachhaltiger Goldschmuck: Bienenzucht statt gefährliche Mine

    Nachhaltiger Schmuck:Designerin bekämpft gefährliche Goldminen

    von Jasmin Cilesiz Linhart und Sophie Scheufen
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    Gold fasziniert Menschen seit Jahrtausenden. Der Abbau aber hat oft fatale Folgen für Umwelt und Minenarbeiter. Deren Schicksal zu verbessern - dafür kämpft Guya Merkle.

    Sehen Sie hier die plan-b-Doku "Gold richtig"16.02.2023 | 29:44 min
    Die Berliner Schmuckdesignerin Guya Merkle verwendet Gold, das nicht aus Minen kommt - sondern aus alten Handys. Darüber haben wir schon einmal berichtet. Doch ihr Engagement geht weit darüber hinaus. Jetzt haben wir sie auf einer Reise nach Uganda begleitet, in die Region Busia, bekannt für ihr großen Goldvorkommen.

    Lebensgefährliche Minenarbeit

    Neben großen industriellen Minen gibt es hier viel sogenannten Kleinbergbau - mehr oder minder inoffizielle Self-Made-Minen. Ohne Schutzkleidung und große Sicherheitsvorkehrungen riskieren die Minenarbeiter hier jeden Tag ihr Leben - wie etwa 25 Millionen Menschen weltweit.
    Auch Kinderarbeit und Menschenrechtsverletzungen sind keine Seltenheit. Außerdem sorgen illegale Rodungen und die Nutzung des giftigen Metalls Quecksilber für eine enorme Verschmutzung oder gar Zerstörung der Umwelt.

    Zwei Dollar für zehn Stunden Arbeit

    Merkle besucht eine dieser Minen. Die Schächte sind gerade mal einen halben Meter breit und notdürftig mit Brettern abgesichert. In einer Tiefe von circa 14 Metern verzweigen sich vier Schächte in alle Richtungen. Hier schuften die Männer zehn Stunden am Tag und schlagen Erz aus der Erde - für zwei Dollar am Tag. Viele Kollegen sind hier schon verschüttet worden und ums Leben gekommen.
    Doch für viele Menschen ist dies die einzige Chance, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. "Es ist einfach unfassbar", sagt die 36-jährige Deutsche, "wenn du einfach siehst, dass diese braunen Steine, die unter den härtesten Bedingungen hier rausgeholt werden, der Beginn von dem sind, was wir machen."
    Auf der indonesischen Insel Bangka beuten 100.000 Arbeiter eine Zinnerzader aus. Das Metall ist für unsere moderne Konsumwelt unentbehrlich. Doch dafür wird die Natur verwüstet.16.10.2022 | 28:45 min

    Fairer Schmuck kann aus alten Handyteilen entstehen

    Sie will ihre Kollektionen nicht mit einem schlechten Gewissen herstellen. "Eigentlich brauchen wir keinen Kleinbergbau mehr", sagt sie. "Wir haben genug Quellen, aus denen wir Gold immer wieder in den Kreislauf rein bekommen." Alte Smartphones zum Beispiel. Die werden tonnenweise in Afrika gesammelt und in Europa recycelt.
    Darin schlummern wertvolle Metalle, die wiederverwertet werden können. Laut einer Untersuchung des Öko-Instituts sind in einem Smartphone etwa 30 Milligramm Gold verarbeitet. Klingt nach wenig, ist es aber nicht: Denn in einer Tonne alter Handys befinden sich 250 Gramm Gold - während eine Tonne Golderz, mühsam aus einer Mine zu Tage gefördert, nur circa vier Gramm Gold enthält. Es müssten also 62,5 Tonnen Golderz abgebaut werden, um dieselbe Menge Gold zu gewinnen.

    Von der Schmuckdesignerin zur Aktivistin

    Deshalb setzt Merkle sich für die Schließung aller Kleinbergbau-Minen weltweit ein. Dafür hat sie eine Stiftung gegründet, die Earthbeat Foundation. Die stellt finanzielle Hilfen und professionelles Knowhow zur Verfügung. Und in Uganda feiern sie jetzt einen ersten großen Erfolg: das Zuschütten einer Goldmine. Damit verlieren die Bergleute ihr Einkommen, doch dafür hat sich eine Lösung gefunden. Die nennen sie ihr "flüssiges Gold".
    Aus dem Minenarbeiter Emklot Paul ist ein Imker geworden. Für das flüssige Gold, wie er den Honig nennt, muss er nicht sein Leben aufs Spiel setzen. "Man muss nicht bis zur Erschöpfung arbeiten. Wenn du die Arbeit in den Bienenstöcken erledigt hast, gehst du nach Hause und entspannst. Dann wartest du drei Monate und kannst ernten. So verdient man Geld! Ohne zu schwitzen!"
    Auch Merkle macht das glücklich. Für sie ist Schmuck noch wertvoller, wenn er ohne Schaden für Mensch und Natur hergestellt wurde.

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