Japanisches Kaiserhaus: Dürfen Frauen seine Zukunft sichern?

    Japans Hof in der Männer-Krise:Für immer Prinzessin?

    von Laura Schäfer
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    Japans Erbmonarchie steht auf sehr wackligen Beinen: Nur Männer dürfen erben, doch viele gibt es nicht mehr. Das Land ringt mit einer Reform zur Gleichberechtigung.

    Das Buch "Endgame" von Omid Scobie sorgt für Aufregung über das britische Königshaus. In den Niederlanden wurde es aus dem Verkauf gezogen, was viel Raum lässt für Spekulationen.30.11.2023 | 1:59 min
    Happy Birthday, Prinzessin Aiko - und künftige Kaiserin? Am 1. Dezember 2023 feiert das einzige Kind von Japans regierendem Kaiserpaar, Naruhito und Masako, seinen 22. Geburtstag. Eigentlich könnte die Prinzessin recht entspannt auf ihr Leben blicken, denn sie ist eine Frau.
    Weibliche Mitglieder werden in der Kaiserfamilie speziell behandelt: Laut Gesetz haben sie keinen Platz in der Thronfolge und werden mit der Heirat mit einem Bürgerlichen aus der Familie ausgeschlossen. Das heißt, Aiko würde ihrem Vater niemals auf den Thron folgen und wahrscheinlich eines Tages als Bürgerliche leben.
    Wenn es da nicht eine Männer-Krise gäbe.
    Ein neuer Prinz oder eine Prinzessin wird geboren - und die Welt jubelt! Königskinder sind Popstars - aber auch rund um die Uhr im Dienst für den Fortbestand von Monarchie und Macht.31.12.2018 | 0:20 min

    Vorwürfe gegen Masako nach Geburt von Tochter

    Vor knapp 20 Jahren war die japanische Politik in Aufregung, denn das Ende der kaiserlichen Dynastie schien absehbar. Die damalige Kronprinzessin Masako hatte mit Aiko "nur" ein Mädchen auf die Welt gebracht und kein weiteres Kind bekommen. Ein schlimmes Versagen in den Augen der Erzkonservativen und Traditionalisten.
    Die frühere Diplomatin hatte daraufhin mit Depressionen zu kämpfen - und kann auch heute nur noch ein an ihren Zustand angepasstes Programm absolvieren. Nach dem damaligen Kaiser Akihito waren nur noch seine Söhne Naruhito und Fumihito in direkter Linie in der Thronfolge. Es folgten ältere Verwandte. Das Ende der Monarchie schien nahe.
    Anfang des neuen Jahrtausends fragte sich die Politik deshalb, wie es mit der Kaiserfamilie weitergehen solle und so setzte der damalige Premierminister Junichiro Koizumi ein Beratungsgremium ein. Seine einzige Aufgabe: herausfinden, wie das Hofgesetz geändert werden müsste, um Frauen in die Thronfolge wieder aufzunehmen. Denn es gab in früheren Zeiten sehr wohl Kaiserinnen in Japan.

    Der Weg schien bereitet für eine Thronfolge-Reform

    2005 kam dieses Gremium zu dem Schluss, dass das älteste Kind des regierenden Kaisers "Priorität" haben müsse, ungeachtet des Geschlechts. Laut einer Umfrage der japanischen Tageszeitung "Mainichi Shimbun" stimmten 85 Prozent der Befragten einer Frau auf dem Thron zu. Dann teilte der Palast die dritte Schwangerschaft von Prinzessin Kiko, Fumihitos Ehefrau, mit - und die Offenheit für eine Gesetzesänderung verschwand. Sie brachte tatsächlich einen Jungen zur Welt, Prinz Hisahito. Auf ihm lastet nun die Zukunft der japanischen Monarchie.
    Doch in den vergangenen zwei Dekaden kam die Forderung nach einer Reform der Thronfolge immer mal wieder auf. Es wurden Gremien ins Leben gerufen, Umfragen gestartet, während die älteste Tochter von Fumihito und Kiko sowie weitere Frauen die Kaiserfamilie verlassen mussten, weil sie bürgerliche Männer heirateten.

    "Macht aus Aiko eine kaiserliche Erbin"

    Im Juli 2023 fand in Tokio das Event "Macht aus Aiko eine kaiserliche Erbin" des Manga-Künstlers Kobayashi Yoshinori statt. Er setzt sich seit Jahren dafür ein, dass die Prinzessin zur Thronfolgerin ernannt wird, zeichnete schon einen Manga mit derselben Botschaft. Auf seinem Event trat die frühere Parlamentsabgeordnete Shiori Kanno auf und stellte laut "nippon.com" fest: "Die japanische Öffentlichkeit befürwortet nicht nur entschieden eine Kaiserin, sondern erlaubt auch die matrilineare Thronfolge, die die Kinder weiblicher Kaiser auf den Chrysanthemen-Thron sehen würde."

    In den Sitzen der Macht wächst jedoch weiterhin die Unterstützung dafür, die Nachfolge auf die männliche Linie oder nur die patrilineare Nachfolge zu beschränken.

    Shiori Kanno

    Das japanische Volk zeigt sich laut Umfragen offen für Kaiserinnen und eine gleichberechtigte Erbfolge, die Politik ist strikt dagegen und verlangt Debatten in einem ruhigen Umfeld.

    Prinzessin Aiko studiert

    Und Aiko? Die Prinzessin studiert derzeit Japanische Literatur an der traditionsreichen Universität Gakushuin in Tokio. In diesem Jahr erklärte sie bei ihrer ersten Pressekonferenz, dass sie ihre Pflichten bestmöglich erfüllen wolle. Sie wisse jede Aufgabe zu schätzen und empfinde tiefe Dankbarkeit im Herzen für all jene, die sie auf ihrem bisherigen Weg begleiteten. Ein paar emotionale Worte richtete die Prinzessin an das Kaiserpaar.

    Die Präsenz meiner Eltern ist unersetzlich und sie sind mir immer am nächsten, egal in welcher Situation ich mich befinde. Ich möchte mich auch bei meiner Mutter bedanken, dass sie mich auf die Welt gebracht hat.

    Prinzessin Aiko von Japan

    Eine Hommage, denn nach der Geburt Aikos 2001 bedankte sich die damalige Kronprinzessin für die Geburt ihrer Tochter.

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