Einsatz von "PMSG" Stutenblut macht Schweinefleisch billiger

    Einsatz von "PMSG":Billiges Schweinefleisch durch Pferdeleid

    von Veronika Mendler
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    Ein Rohstoff teurer als Gold: Das Blut trächtiger Stuten. Der darin enthaltene Stoff PMSG verspricht mehr Effizienz in der Ferkelerzeugung. Und dafür werden viele Stuten gequält.

    Trächtige Stute
    Trächtige Stute: Im Blut der Tiere ist ein wirtschaftlich wertvoller Stoff.
    Quelle: Imago

    Das Hormon Pregnant Mare Serum Gonadotropin oder kurz PMSG, das aus dem Blut trächtiger Stuten gewonnen wird, wird weltweit zur Zyklussynchronisation von Sauen in der Schweinezucht eingesetzt. Die Tiere gebären damit gleichzeitig und haben danach keine Zyklusprobleme.
    Für die Erzeuger bedeutet dies eine höhere Planungssicherheit, verlässliche Würfe und letztlich niedrigere Preise für die Kunden. Die Maschinerie "Schweinefleischproduktion" läuft rund.

    In Island oder Südamerika werden regelrechte Blutfarmen betrieben

    Immerhin gehört Deutschland zu den vier größten Schweinefleisch-Herstellern der Welt. Doch die wenigsten Verbraucher wissen, was hinter dem günstigen Schweinefleisch wirklich steckt.
    Auf sogenannten Blutfarmen in Südamerika oder auch Island wird halbwilden, trächtigen Stuten unter widrigsten Bedingungen, teils durch Zwang und Schläge, der begehrte Rohstoff in großem Maße abgenommen.
    Verletzungen der Stuten bleiben meist unbehandelt. Offene, unversorgte Wunden, unterernährte und lahmende Pferde konnte die Tierschutzorganisation Animal Welfare Foundation erstmalig 2015 in Südamerika und nun erneut dokumentieren.

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    Die Dokumentation "Stutenfarmen – Pferdeleid für unser Schnitzel" können Sie am Sonntag, 15. Januar, um 15:45 Uhr im ZDF sehen oder jederzeit in der Mediathek.

    Die Natur ermöglicht gute Alternativen

    Dass das Problem rund um die Blutfarmen und der damit einhergehenden Tierquälerei der deutschen Regierung bekannt ist, zeigt das Projekt, das die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung von 2019 bis 2021 in Auftrag gegeben hat.
    Ziel war es, sichere Alternativen zu PMSG hervorzubringen und somit komplett auf PMSG aus Pferdeblut verzichten zu können. Die beiden Forscher des Projekts, Prof. Dr. Axel Wehrend der Universität Gießen und Prof. Dr. Johannes Kauffold der Universität Leipzig, haben herausgefunden, dass ein Verzicht von PMSG auch für konventionelle Ferkelproduzenten durchaus möglich ist.
    Und zwar mit natürlichen Mitteln. Eber- und Lichtstimulation etwa, gesunde und angepasste Ernährung sowie Tiergesundheit, -wohlbefinden und Tierbeobachtung.

    Auch Landwirte finden die Praxis grausam

    Die Bedürfnisse von Betrieben und Tieren müssen aufeinander abgestimmt werden. Das ist eine Menge Arbeit, aber natürliche Verfahren sind möglich, mit demselben Erfolg.
    Für Prof. Dr. Wehrend ist die weitere Herstellung und der Einsatz von PMSG in der Schweinehaltung daher nicht mehr vertretbar.

    Wir müssen und können komplett auf PMSG verzichten.

    Prof. Dr. Axel Wehrend , Universität Leipzig

    Auch einige informierte Landwirte sehen das so. Ihnen ist die Herstellung von PMSG aus Stutenblut zu grausam und PMSG zu teuer.

    Die EU-Kommission kennt das Problem

    Warum also darf PMSG noch immer eingesetzt und vermarktet werden? Seit der Aufdeckung der Zustände auf Blutfarmen in Island durch die Animal Welfare Foundation im Jahr 2021 ist der PMSG-Einsatz auch in Europa ein Thema.
    Das EU-Parlament forderte im Oktober 2021 die EU-Kommission auf, ein EU-weites Produktions- und Importverbot von PMSG aus Stutenblut zu beschließen. Bislang vergeblich. Noch ist die Kommission dem EU-Parlamentsbeschluss nicht gefolgt. Das Problem: Tierschutzbestimmungen der EU gelten nicht in den Ländern, in denen das PMSG gewonnen wird.
    Seit Jahren machen Tierschützer auf die Zustände in Schweinemastanlagen aufmerksam. frontal_ und der „Spiegel“ haben neue, verdeckt gedrehte Aufnahmen zugespielt bekommen.27.09.2022 | 2:31 min

    Cem Özdemir will an die EU appelliert haben

    Selbst den Grünen in der Bundesregierung ist das Thema bislang relativ egal. Denn noch sind keine rechtskräftigen Schritte bezüglich PMSG eingeleitet worden.
    Eine Interviewanfrage lehnte Landwirtschaftsminister Cem Özdemir ab. Stattdessen erklärte eine Sprecherin: "Bundesminister Özdemir hat sich auch an EU-Kommissarin Kyriakides gewandt und nachdrücklich die Aufnahme von Tierschutzanforderungen bei der Herstellung von Tierarzneimitteln gefordert, um den tierschutzwidrigen Bedingungen bei der Stutenhaltung zum Zweck der PMSG-Gewinnung Einhalt zu gebieten. Hierfür hat er die volle Unterstützung Deutschlands zugesagt."
    Wann es jedoch bindende Gesetze geben wird, ist unklar. Bis dahin bleibt das Leid von Stuten für günstiges Schweinefleisch gängige Praxis.
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