Waldbrände in Kanada: 29.000 Menschen vor Flammen geflohen

    Waldbrände in Kanada:Fast 30.000 Menschen vor Flammen geflohen

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    In Kanada wüten weiterhin mehr als hundert Waldbrände - einige sind außer Kontrolle geraten. Inzwischen sind fast 30.000 Menschen vor dem Feuer geflohen, wie Behörden mitteilten.

    Trotz Regenschauer und zurückgehender Temperaturen weiten sich die Brände im Westen Kanadas aus. Mittlerweile seien in der Provinz Alberta mehr als 375.000 Hektar Land abgebrannt, mehr als 29.000 Menschen hätten ihre Häuser verlassen müssen, teilten die Behörden am Sonntagnachmittag (Ortszeit) mit. 31 der 108 aktiven Waldbrände seien außer Kontrolle.
    Am Samstagabend hatte die Provinz Alberta angesichts des Ausmaßes der Feuer den Notstand ausgerufen. Damit können Bundesmittel für den Kampf gegen die Flammen freigegeben werden. Die bislang abgebrannte Fläche entspricht ungefähr einem Viertel der Größe Schleswig-Holsteins.
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    Regenfälle helfen bei Brandbekämpfung in Alberta

    Die jüngsten Regenfälle hätten bei der Brandbekämpfung geholfen, sagte Christie Tucker, Leiterin der Feuerschutzbehörde Alberta Wildfire.

    Dadurch hatten die Feuerwehrleute die Möglichkeit, an einigen Brandherden zu arbeiten, an die sie wegen des extremen Verlaufs der Brände nicht herankommen konnten.

    Christie Tucker, Leiterin Feuerschutzbehörde Alberta Wildfire

    Diese "gute Nachricht" betreffe aber nur den Süden von Alberta, nicht den Norden, wo weiterhin extrem schwierige Bedingungen herrschten. Bei ihrem Kampf gegen die Brände konzentrieren sich Feuerwehr und Rettungskräfte auf die bewohnten Gebiete.
    Eine Rauchsäule steigt vom Lauffeuer in der Nähe von Shining Bank, Alberta, auf.
    In der kanadischen Provinz Alberta wüten Waldbrände, die außer Kontrolle geraten sind.07.05.2023 | 0:52 min
    Auch in den nächsten Tagen würden kühlere Temperaturen und eine höhere Luftfeuchtigkeit erwartet. Tucker habe um Hilfe auch aus dem benachbarten US-Bundesstaat Montana gebeten.
    In der benachbarten Provinz British Columbia führten zwei nicht zu kontrollierende Waldbrände zu Evakuierungen. Dort herrschte zudem die Sorge, dass stärkere Winde die Flammen in den kommenden Tagen weiter anfachen könnten. 

    Waldbrände in kanadischer Fracking-Region

    Das Ausmaß der Schäden lasse sich noch nicht abschätzen, teilten die Behörden weiter mit. Colin Blair, Direktor der Behörde für Katastrophenschutz Alberta, sagte laut dem Sender CBC, Priorität sei der Schutz von Menschenleben und die Bewältigung von Notfällen.
    Alberta ist eine der wichtigsten ölproduzierenden Regionen der Welt. Die Frackingunternehmen beobachteten die Lage, meldeten bislang aber keine Unterbrechung der Produktion. Der Westen Kanadas wird seit einigen Jahren immer wieder von extremen Wetterereignissen heimgesucht, die sich durch den Klimawandel in Intensität und Häufigkeit verstärken.
    Auch in Europa brennt es - ungewöhnlich früh im Jahr:

    Klimawandel wird für mehr Brände sorgen

    Seit Januar gab es Behördenangaben zufolge bereits mehr als 360 Brände. Das sei angesichts dessen, dass der Mai erst begonnen habe, eine außergewöhnlich hohe Zahl. Im Jahr 2016 hatte Alberta bereits riesige Brände erlebt, damals wurden mehr als 2.400 Gebäude zerstört.
    Angesichts des Klimawandels warnen Experten, dass die Häufigkeit und Intensität von Waldbränden zunehmen werde. In den Prärieprovinzen im Westen des Landes stieg die Durchschnittstemperatur nach Angaben des Amts für Umwelt und Klimawandel Kanada seit Mitte des 20. Jahrhunderts um 1,9 Grad Celsius.
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    von Christina Gantner und Stella Könemann
    16.07.2022, Frankreich, Landiras: Ein Feuerwehrmann steht vor einem lichterloh brennenden Wald
    mit Video
    Quelle: dpa, AP, AFP

    Die Folgen des Klimawandels