Wie Kulturkämpfe Floridas Schulen verändern

    Gesetze gegen Queere:Wie Kulturkämpfe Floridas Schulen verändern

    von Leonie Georg
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    Kurz vor Schulbeginn streichen viele Schulen in Florida Psychologiekurse. Denn durch das konservative "Don't say Gay"-Gesetz tobt dort ein Kampf um Lehrpläne und Bücherverbote.

    Schüler der Hillsborough High School halten am 03.03.2022 während eines landesweiten Schulstreiks eine LGBTQ-Pride-Flagge in der Hand.
    Seit über einem Jahr gibt es Streit über Gouveneur Ron DeSantis' Schulgesetz. Archiv.
    Quelle: Imago

    Es herrscht Chaos an Floridas Schulen. Wenige Tage vor dem Unterrichtsbeginn nehmen viele Schulen in dem US-Bundesstaat einen sehr nachgefragten Psychologiekurs aus ihrem Lehrplan.
    Denn das Bildungsministerium hatte die Schulen vergangene Woche aufgefordert, Lektionen, die sich mit sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität beschäftigen, aus dem Kurs zu streichen.
    Ron DeSantis im Profilbild in grünen Farben, links daneben ein gelbes Fragezeichen.
    Ron DeSantis möchte der nächste US-Präsident werden. Mit seinem konservativen Kulturkampf etabliert sich der Republikaner bei den Wählern als “Trump mit Gehirn”.06.07.2023 | 16:23 min

    Von Psychologiekursen hängt Zulassung zum Studium ab

    Das "College Board", das die Kurse prüft, stellte klar, dass diese Themen aber für die Anrechnung eines Psychologiestudiums obligatorisch seien. Sie rieten dazu, den Kurs lieber gar nicht anzubieten als in gekürzter Form.

    Wenn wir nicht den gesamten Inhalt unterrichten, erhalten unsere Schüler keine Zertifikate. Wenn wir den gesamten Inhalt unterrichten, verstoßen unsere Lehrkräfte gegen das Gesetz.

    Online-Statement Schulbezirk Brevard County

    "Daher werden wir in diesem Jahr an keiner unserer Highschools Psychologie anbieten", so der Schulbezirk Brevard County in einem Online Statement.

    Unterricht zu sexueller Orientierung im Lehrplan verboten

    Evan Reid studiert an der Florida University im Nebenfach Psychologie, in der Highschool war der Kurs eine wichtige Vorbereitung für sein Studium.
    Für ihn sei es nicht nachvollziehbar, was daran verwerflich sein soll: "Ich hatte wirklich eine normale Erfahrung mit diesem Kurs. Es gab keinen Moment, in dem ich mich unwohl gefühlt habe."

    Es gab nichts Bemerkenswertes zum Thema Geschlecht und Sexualität im Lehrplan.

    Evan Reid, Psychologiestudent

    Ursprung des Konflikts ist das Schulgesetz aus dem Jahr 2022, das von Gegnern als "Don't say Gay"-Gesetz bezeichnet wird. Es verbietet den Unterricht über sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität.
    Ron DeSantis, Gouverneur von Florida, unterzeichnet am 28. März 2022, in der Classical Preparatory School in Shady Hills, Florida, das Gesetz über Elternrechte in der Bildung
    Ron DeSantis, Gouverneur von Florida, unterzeichnet am 28. März 2022 das Gesetz über "Elternrechte in der Bildung".
    Quelle: AP

    Der republikanische Gouverneur Floridas und Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur, Ron DeSantis, hatte es im vergangenen Jahr unterzeichnet und den Kampf gegen eine sogenannte "Woke-Agenda" erklärt.

    "Angriff auf Schwule und Schwarze"

    Ein Begriff, der von Konservativen gerne als Schimpfwort gegen progressive Werte verwendet wird. Die Streichung des Psychologiekurses ist ein weiterer von vielen Lehrplankämpfen und Bücherverboten, die in Florida toben.
    Die Ziele von Ron DeSantis machen Reid und anderen Menschen in seiner Umgebung Angst: "Dieser ganze Angriff auf die Woke-Kultur ist kein Angriff auf das Woke-Sein."

    Es ist ein Angriff auf Schwule, auf Schwarze, auf arme Menschen. Es ist ein Angriff auf Menschen, die nicht in seine Vorstellung von einer idealen Gesellschaft passen.

    Evan Reid, Psychologiestudent

    Die Kirche von Dawn Bennett ist ein Zufluchtsort für die queere Community in Tennessee.
    In den USA werden immer mehr Anti-LGTBQ-Gesetze verabschiedet, oft begründet mit dem Willen von Gott. Diese Pastorin in Tennessee will LGBTQ-Personen einen Schutzraum bieten. 28.05.2023 | 1:03 min

    Afroamerikanische Geschichte habe "keinen pädagogischen Wert"

    "Erst war er gegen afroamerikanischen Geschichtsunterricht. Jetzt ist er hinter Psychologie her", ergänzt Reid. In diesem Jahr lehnte das Bildungsministerium bereits einen afroamerikanischen Geschichtskurs ab, mit der Begründung, dass er "keinen pädagogischen Wert" habe.
    Letzten Monat geriet DeSantis in die Kritik, nachdem das Bildungsministerium beschlossen hatte, Schüler sollen lernen, dass versklavte Menschen "Fähigkeiten entwickelten", die "zu ihrem persönlichen Vorteil eingesetzt werden konnten".

    Lehrer in Florida geben ihr Amt auf

    Wer gegen die Gesetze verstößt, dem kann die Lehrerlaubnis entzogen werden oder sogar eine Haftstrafe drohen. Viele Lehrkräfte haben aufgrund des Drucks bereits ihr Amt aufgegeben.
    So auch Heather Felton, die bis vor einem Jahr noch Englisch an der Southeast High School in Manatee County unterrichtete.

    Es ging gegen mein Gewissen, weiterhin so zu unterrichten, wie es der Staat von uns verlangt. Florida ist dabei, ein faschistischer Staat zu werden.

    Heather Felton, ehemalige Englischlehrerin in Florida

    "Das ist nicht das, worauf unser Land gegründet wurde. Wir müssen alle Teile unserer Geschichte, alle Teile unserer Gemeinschaft akzeptieren, jeder Bürger sollte sich in den Schulen willkommen fühlen", so Felton.
    Sie will sich nun dafür einsetzen, dass sich etwas ändert. "Ich arbeite daran, mich in unserem Staat zu engagieren. Wir haben immer noch eine Stimme. Und man sagt ja, wenn man etwas liebt, dann kämpft man dafür."

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