Globales Plastikabkommen: Erfolg im Kampf gegen Plastikmüll?
Verhandlungen in Südkorea:Kommen weltweite Regeln gegen Plastikmüll?
von Mark Hugo
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Im koreanischen Busan gehen die Verhandlungen über das erste globale Plastikabkommen in die letzte Runde. Ein Durchbruch ist möglich. Beobachter sind aber skeptisch.
Im südkoreanischen Busan steht die letzte Verhandlungsrunde der UN-Plastikkonferenz an. Ziel sind Vorgaben, mit denen die wachsende Plastikverschmutzung aufgehalten werden soll.25.11.2024 | 0:25 min
Geht es nach einer UN-Resolution von 2022, dann ist die inzwischen fünfte auch die letzte Verhandlungsrunde über ein globales Plastikabkommen - vorausgesetzt, dass es im koreanischen Busan bis Ende der Woche tatsächlich auch einen Durchbruch geben wird: nämlich einen Vertrag mit weltweit gültigen und verbindlichen Regeln, unterzeichnet von den Delegationen der fast 200 UN-Länder.
Die Regeln könnten die Basis sein für den Kampf gegen die wachsende Plastikverschmutzung in den Ozeanen und an Land.
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Immer mehr Lobbyinteressen bei Verhandlungen
Ob das gelingen wird, ist allerdings fraglich. "Ich befürchte, dass wir nicht so weit kommen werden, wie wir es uns vorgenommen haben", sagt Melanie Bergmann vom Alfred-Wegener-Institut (AWI), Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Die Meeresökologin nimmt als Teil der deutschen Delegation an den Verhandlungen teil. Die Ausgangslage sei anfangs sehr gut gewesen, erinnert sich Bergmann.
Leider muss man sagen, dass von Verhandlungsrunde zu Verhandlungsrunde immer mehr verwässert wurde, immer mehr Lobbyinteressen tatsächlich sichtbar wurden.
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Dr. Melanie Bergmann, Alfred-Wegener-Institut
Gegenwind komme etwa aus Ländern mit "starken fossilen Industrien" - wie Iran, Russland oder Saudi-Arabien, so Bergmann in einem Briefing des Science Media Center (SMC).
UNEP, das Umweltprogramm der UNO, geht davon aus, dass die Menschheit allein in diesem Jahr mehr als 500 Millionen Tonnen Plastik verbraucht haben wird, wovon 400 Millionen am Ende Müll sein werden. Ohne weitere Maßnahmen könnte laut UNEP diese Menge bis 2060 auf 1,2 Milliarden Tonnen ansteigen. Die Plastikproduktion aus fossilen Stoffen wie Öl trägt zunehmend zum Treibhausgasausstoß bei. In vielen Ländern gibt es keine ausreichende Müllentsorgung und daher landet das Plastik häufig in der Natur.
Vor allem die Verschmutzung der Meere wird zunehmend zum Problem für Tiere, Ökosysteme und den Menschen. Laut GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung sind wohl schon mehr als 100 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Ozeane gelangt. Im Pazifik gibt es bereits gewaltige Müllstrudel. Dabei treibt nur etwa ein Prozent an der Oberfläche. Das Problem: Plastik zerfällt mit der Zeit in immer kleinere Teile. Studien haben Mikroplastik weltweit etwa im Trinkwasser und in menschlichem Gewebe nachgewiesen.
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Plastikabkommen: Noch viele Einigungen offen
Das aktuell vorliegende Papier für das Abkommen ist daher sperrig, umfasst mehr als 70 Seiten mit noch rund 3.000 eckigen Klammern - also Textstellen, über die es noch keine Einigung gibt.
Hoffnung macht eine geraffte Version des Verhandlungsvorsitzenden. Sie ist deutlich griffiger und benennt mögliche Kompromisse. Ob sie aber als Grundlage angenommen wird, ist unklar.
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Begrenzung der Plastikproduktion?
Gestritten wird im Kern etwa darüber, ob es reicht, das Problem mit neuer Technik und Recycling-Lösungen anzugehen oder ob die Produktion von Plastik begrenzt werden muss. Aus Melanie Bergmanns Sicht ist beides notwendig. Angesichts einer "überbordenden Vielfalt" unterschiedlichster Materialien sei Recycling allein schwierig. In vielen Ländern des globalen Südens gebe es dafür auch gar keine Infrastruktur.
Was man einfach nicht vergessen darf: Plastik geht nicht weg. Plastik ist da. Auch Recycling-Zyklen sind endlich.
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Melanie Bergmann, Alfred-Wegener-Institut
Und natürlich geht es in Busan auch darum, wie das alles finanziert werden soll. Chancen und Risiken müssten fair verteilt werden, um den "Knoten" in den Verhandlungen zu lösen, glaubt Henning Wilts vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. "Die Frage wird sein: Wie schaffen wir es, verbindlich die Industrie, die Hersteller von Kunststoffen, aber auch die verarbeitende Industrie, die Recyclingindustrie, da miteinzubeziehen?"
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Umweltverschmutzung: "Plastik-Steuer" gefordert
Bisher seien vor allem die Hersteller an den Kosten für das Abfallmanagement nicht beteiligt. Daher:
Plastik ist einfach viel zu billig.
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Henning Wilts, Wuppertal Institut
"Wir bräuchten so etwas wie eine Plastik-Steuer", so Wilts, um Alternativen attraktiver zu machen. Ob die allerdings in Busan am Ende in einem Abkommen stehen könnten? Wilts: "Ich befürchte: nein." Noch ist man sich übrigens nicht mal einig, ob das Abkommen mehrheitlich oder einstimmig - wie bei Klimakonferenzen - beschlossen werden soll.
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Für Melanie Bergmann gibt es so immerhin die Option: Ambitionierte Staaten könnten ein Abkommen beschließen und anderen ihre Maßnahmen "über internationale Regularien und Handel sozusagen aufzwingen".
Beispiel: Für sehr wenige Länder, die nicht im Abkommen sind, werde ein großer Hersteller kaum anders produzieren. "Allerdings braucht es dafür natürlich eine kritische Masse an Ländern, die auch bereit sind, das dann mitzutragen", meint Bergmann.
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Vertagung des Plastikabkommens in weitere Runde?
Möglich sei natürlich auch, dass die Verhandlungen in Busan am Ende in eine zusätzliche Runde vertagt werden, so Bergmann. Bedenken, die offenbar Bundesumweltministerin Steffi Lemke teilt. "Während täglich Unmengen von Plastik in Umwelt und Ozeanen landen, habe ich Sorge, dass die Verhandlungen ins Stocken geraten könnten", ließ sie kürzlich wissen - verbunden mit dem Appell, "im Bemühen für ein solches Abkommen nicht nachzulassen".
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Deutschland gehört dabei zu den Ländern, die sich für ein verbindliches Abkommen starkmachen, "das von der Produktion über Recycling bis zu Entsorgung reicht", so die Bundesumweltministerin. Ob es dazu kommt, wird sich in Busan entscheiden.
Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion
Quelle: dpa
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