Geopolitische Ambitionen:Experte: Trumps Ankündigungen ernst nehmen
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Grönland und den Panamakanal annektieren, Kanada als Bundesstaat eingliedern: Außenpolitisch dreht der designierte US-Präsident Trump gerade richtig auf. Was bezweckt er damit?
Trump sei überzeugt, der weltbeste Geschäftsmann zu sein, so ZDF-Korrespondent Theveßen. 08.01.2025 | 7:18 min
Es scheint, dass sich der designierte US-Präsident Donald Trump gerade selbst widerspricht. Einerseits hat er sich noch im Wahlkampf als Isolationist verkauft - er wollte "sich raushalten", den "Fußabdruck verkleinern" und innenpolitisch für Ordnung sorgen. Andererseits macht er nun zur Durchsetzung nationaler Interessen genau das Gegenteil dessen und droht, Grönland und den Panamakanal zu annektieren und Kanada zum 51. US-Bundesstaat zu machen. Was will er damit erreichen?
Worum geht es bei Trumps Plänen?
"Hier geht es in erster Linie um den Geschäftsmann Donald Trump, der nun amerikanischer Präsident wird", meint ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen.
Es geht um pure nationale Interessen und die setzt man durch, indem man die Maximalforderung stellt.
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Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios Washington
Das mag, erklärt Theveßen weiter, "widersprüchlich sein, doch es geht ihm darum, die USA stärker zu machen in der Auseinandersetzung mit China. Und es geht ihm um die wirtschaftlichen Interessen seiner Familie".
"Superspannend" sei gewesen, was Teilnehmer der Pressekonferenz in Trumps Anwesen Mar-a-Lago berichteten. "Dass an Wänden entlang superreiche Geschäftsleute gestanden haben, die alle tatsächlich ein Interesse haben, aktiv zu werden in Grönland, Panama und Kanada", so Theveßen. In einigen Fällen seien Interessen des Trump-Konzerns direkt betroffen.
Trumps Drohungen folgen der Logik von "Make America Great Again", sagt Experte Vormann.08.01.2025 | 13:40 min
Vormann: "Die Geopolitik ist zurück"
Trump sorge deshalb für Unruhe mit seinen Äußerungen, "weil man das nicht gewohnt ist", glaubt Boris Vormann, USA-Experte am Bard-College Berlin. Nach dem Fall der Mauer, "dachte jeder, es gebe nur Win-Win-Situationen. Jeder profitiert von der Globalisierung". Diese liberale Weltordnung aber sei nun in weite Ferne gerückt, so Vormann. "Die Geopolitik ist zurück, jeder Nationalstaat versucht, das Beste rauszuholen. Das sehen wir bei Russland, auch bei Trump."
Der designierte US-Präsident Donald Trump fordert, dass die NATO-Staaten fünf Prozent ihrer Wirtschaftskraft für die Verteidigung ausgeben sollen. In Berlin stößt das auf Kritik.08.01.2025 | 1:55 min
Das wirke "erratisch und unrational", weil sich die USA "vom Versprechen der Globalisierung für alle" abgewandt hätten, so Vormann. Stattdessen versuche man, "die eigenen Seerouten zu sichern, die eigenen Interessen zu sichern und das Beste für sich rauszuholen". Das alles wirke widersprüchlich mit der Art und Weise, wie die USA sich dargestellt hätten in der Welt der letzten 60, 70 Jahre.
Experte: Verschiebung von Grenzen gefährlich
"Das ist aber ganz in der Logik von 'Make America Great Again', aber eben in der Logik des 19. Jahrhunderts", glaubt der Experte. "Wenn jeder nur auf seinen Vorteil bedacht ist", so der Professor für Politikwissenschaften weiter, "dann kommen wir in Teufels Küche". Man sei schließlich von der Politik der Landnahme abgekommen und habe diese Ansprüche zurückgeschraubt.
Wenn man anfängt, Grenzen zu verschieben, verschiebt man auch eine Machtbalance, da kann einige Dynamik losgetreten werden, die gefährlich ist.
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Boris Vormann, Professor für Politikwissenschaft
Wie ernst meint Donald Trump das alles?
Könnte Trump seine außenpolitischen Forderungen wirklich genauso meinen und durchsetzen wollen? Das ist hier die Gefahr, sagt Vormann. Dabei gehe es Trump nicht nur um Geopolitik. "Ich glaube, es geht auch darum, innenpolitisch zu versuchen, Legitimität herzustellen."
Trump sehe Möglichkeiten, zu expandieren, neue Rohstoffe und Handelsrouten zu sichern und über den Panamakanal zusätzliche Einnahmen zu generieren, so Vormann.
Ich glaube, das muss man schon sehr ernst nehmen, was er da sagt.
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Boris Vormann, Professor für Politikwissenschaft
In Ramstein sind zum letzten Mal vor dem Amtsantritt Donald Trumps Unterstützer der Ukraine zusammengekommen. Wie es danach weitergeht, berichtet ZDF-Reporterin Isabelle Schaefers.09.01.2025 | 1:09 min
Wo bleibt Deutschland?
"Deutschland muss sich vor allem erst mal der eigenen politischen Position bewusst werden", so Experte Vormann. "Ich glaube, man spricht natürlich von der 'Zeitenwende' schon seit geraumer Zeit in Deutschland, aber das darf man nicht nur national denken".
Der designierte US-Präsident Trump sorgte mit einem Forderungskatalog für heftige Kritik bei der internationalen Politik.08.01.2025 | 2:26 min
Deutschland sei ein vergleichsweise kleines Land, sei aber natürlich die größte Wirtschaftsmacht in Europa.
Aber wenn Europa nicht zusammenhält, dann ist man geopolitisch und geoökonomisch verloren im Vergleich zu China, das ja auch große Ambitionen hat.
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Boris Vormann, Professor für Politikwissenschaft
Ich glaube, man muss in Europa sehr schnell sehr handlungsfähig werden, sowohl sicherheitspolitisch als auch handelspolitisch. Und da liegt auf jeden Fall einiges im Argen.
Sehen Sie hier die ganze Sendung:
Vor seinem Amtsantritt stellt Trump mehrere Gebietsansprüche. Was seine Drohungen gegen internationale Partner bedeuten und ob er Erfolg haben könnte, analysiert ZDFheute live.08.01.2025 | 31:31 min
Quelle: dpa
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