Korte zu FDP-Kommunikation: "Souverän unscharf formulieren"
Interview
Liberale in der Krise:Korte: Kommunikationsstil der FDP ist "ruinös"
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Angesichts der Debatte um das "D-Day"-Papier der FDP spricht Politanalyst Korte von einem "ruinösen Kommunikationsstil". Für die Wähler sei dieser "geradezu verletzend" gewesen.
Sehen Sie hier das Interview mit Karl-Rudolf Korte in voller Länge.01.12.2024 | 3:06 min
Nach der Affäre um das "D-Day-Papier" und dem Ausstieg aus der Ampel versucht FDP-Chef Christian Lindner offenbar mit einer Kommunikationsoffensive den Trubel auch in seiner Partei zu beruhigen. In einem auf der Plattform X veröffentlichten Videobeitrag spricht er von einer "Machtauseinandersetzung" über die Deutung des Ampel-Scheiterns.
X-Post von Christian Lindner
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In der vergangenen Woche war ein Strategiepapier bekanntgeworden, in dem vom "D-Day" und einer "offenen Feldschlacht" innerhalb der Ampel die Rede war, also militärischen Begriffen. Generalsekretär Bijan Djir-Sarai trat am Freitag wegen falscher Angaben zu internen Dokumenten zurück. Er wollte damit die politische Verantwortung übernehmen. Auch FDP-Bundesgeschäftsführer Carsten Reymann erklärte seinen Rücktritt. Er gilt als Verfasser des Papiers. Lindner hat sich von dem Papier distanziert.
Im Interview mit dem ZDF heute journal erklärt Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte, wie die FDP ihre Kommunikationsstrategie aus seiner Sicht überdenken müsste und warum auch die anderen Ampel-Parteien Probleme hätten.
Die FDP ist nach der Veröffentlichung des sogenannten „D-Day“-Papiers unter Druck. Das Papier sei ein "kommunikativer Fehler gewesen“, so der FDP-Fraktionsvorsitzende Christian Dürr.02.12.2024 | 4:03 min
Sehen Sie das Interview mit dem Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte oben in voller Länge oder lesen Sie es unten in Auszügen.
Im Interview betont Korte, dass ...
... der FDP-Kommunikationsstil "ruinös" sei
Der Kommunikationsstil der FDP nach Bekanntwerden des "D-Day"-Papiers sei für die Partei "ruinös" und für die Wähler "verletzend" gewesen, so Korte. Insofern sei das außergewöhnlich.
... ist Politikwissenschaftler und seit 2002 Professor an der Universität Duisburg-Essen am Campus Duisburg und seit 2006 Direktor der NRW School of Governance.
Dennoch sei es der "erste Koalitionsbruch seit 40 Jahren" und "die ersten vorgezogenen Wahlen seit 20 Jahren".
Insofern ist das eine historische Konstellation, mit der die Parteien im Moment auch ein bisschen lernen müssen umzugehen.
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Karl-Rudolf Korte, Politologe
FDP-Chef Lindner will auch nach Veröffentlichung des sogenannten D-Day-Papiers weiter im Amt bleiben. Im ZDF heute-journal räumte er Fehler bei der Krisenkommunikation ein.30.11.2024 | 0:40 min
... politische Sprache da sei, um Mehrheiten zu behalten
Zur Sprache von Herrn Lindner sagt Korte: "Es kommt noch hinzu, dass da ein Wechsel der Perspektive ist. Bisher hatten wir den Eindruck, das ist irgendwie eine Opfer-Geschichte. Jetzt ist es eine Täter-Geschichte."
Es komme eine "distanzierte, bürokratische, fremde Sprache dazu, die nicht wirbt um uns, sondern die sich von uns distanziert". Das sei letztlich hochfunktional, "denn politische Sprache ist dazu da, Mehrheiten zu behalten, in der Regel in der eigenen Partei".
Am Ende des Satzes noch die Mehrheit zu haben, heißt, ich muss souverän unscharf formulieren. Das regt uns als Zuhörerinnen und Zuhörer total auf, aber es ist natürlich auch eine Kunst.
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Karl-Rudolf Korte, Politologe
Mitarbeiter hätten sich in dem umstrittenen Papier "Gedanken über mögliche Szenarien gemacht", sagt FDP-Chef Lindner. Es sei dann ein "falscher Eindruck" entstanden.29.11.2024 | 6:44 min
... Wahlkämpfe etwas verändern könnten
Der Start der FDP in den Wahlkampf sei denkbar schlecht gewesen. Aber Wahlkämpfe veränderten auch etwas, sagt Korte. "Wir haben noch einige Wochen zu beobachten." Die Parteien müssten sich erstmal selbst mobilisieren.
Das sei die größte Kraftanstrengung, in eigene Rauschphasen überzugehen und danach mit Themen zu begeistern. "Das ist noch nicht ausgeschlossen, dass man am Ende ein Alleinstellungsmerkmal findet, was für fünf Prozent reichen könnte." Aktuell sehe es allerdings nicht danach aus.
Nach den Enthüllungen über den geplanten Ampelbruch durch die FDP zieht die Partei nun Konsequenzen. Generalsekretär Djir-Sarai und Geschäftsführer Reymann treten zurück.29.11.2024 | 2:38 min
... auch die anderen Ampel-Parteien Probleme hätten
Die Tatsache, dass auch die anderen Ampel-Parteien Probleme hätten, habe eine Vorgeschichte. "Die Ost-Wahlen in Serie haben alle Ampel-Parteien geschreddert", stellt Korte fest. "Der Generalsekretär der SPD ging schnell von Bord, der gesamte Vorstand der Grünen ist zurückgetreten. Und jetzt das Desaster bei der FDP."
Wahlen lösen etwas aus.
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Karl-Rudolf Korte, Politologe
Landtagswahlen hätten eine "ungeheure Wucht", betont Korte und wird dann grundsätzlich: "Das macht uns als Wählerinnen und Wähler stark, dieses Instrument auch zu nutzen."
Das Interview führte Marietta Slomka, zusammengefasst hat es Katharina Schuster.
Quelle: dpa
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