Drittstaatenlösung: Keine Einigung bei Bund und Ländern
Asylverfahren in Drittstaaten:Debatte dauert an: Bund und Länder nicht einig
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Bund und Länder sind sich einig - in ihrer Uneinigkeit. Sie haben sich aber auf eine Fortführung der Debatte über Asylverfahren in Drittstaaten verständigt.
Kanzler Scholz hat bei der Ministerpräsidentenkonferenz versprochen, Asylverfahren außerhalb der EU weiter zu prüfen. Auch bei anderen Themen wurden konkrete Ergebnisse vertagt.21.06.2024 | 1:52 min
Großbritannien hat es bereits beschlossen. Wer hier ohne gültige Papiere einreist, soll in das ostafrikanische Land Ruanda geflogen werden, etwa 6.600 Kilometer von London entfernt. Hier, in Ruanda, soll dann der Asylantrag bearbeitet werden.
Bekannt geworden ist dieses Verfahren als Ruanda-Modell. Eine sogenannte Drittstaatenlösung. Doch für Deutschland soll es die nicht geben - jedenfalls vorerst nicht. Bund und Länder konnten sich am Donnerstag nicht darauf verständigen.
Asylverfahren in Drittstaaten, Bezahlkarte für Geflüchtete und Pflichtversicherung für Elementarschäden – das sind die Themen, die die Länderchefs mit Kanzler Scholz besprechen.20.06.2024 | 1:38 min
Bund setzt sich für konkrete Vorschläge Dezember als Deadline
Olaf Scholz (SPD) vermied am Donnerstagabend ein klares Ja oder Nein zu solchen Plänen. Dafür sei es zu früh, sagte er. Bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit den Ländern sagte der Bundeskanzler aber:
Es ist fest vereinbart, dass wir den Prozess fortführen.
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Olaf Scholz, SPD
Gleichzeitig dämpfte Scholz mögliche Erwartungen. Es verböten sich alle Spekulationen, "was überhaupt geht". Die Bundesregierung wolle aber bis zum nächsten Bund-Länder-Treffen im Dezember mitteilen, welche Vorschläge sie mache. Die Länder hatten vor dem Treffen gefordert, "konkrete Modelle" für Asylverfahren in Drittstaaten zu erarbeiten.
Kanzler Scholz berät aktuell mit den Ministerpräsidenten über Asylverfahren. Auf Initiative der Union drängen die Länder darauf, sie künftig in Nicht-EU-Ländern abzuwickeln. 20.06.2024 | 1:16 min
Innenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte zu den rechtlichen und praktischen Voraussetzungen für Asylprüfungen in Drittstaaten Stellungnahmen von Experten eingeholt. Zur Frage, welche Möglichkeiten es gibt, sagte Scholz: "Ich glaube, das ist zu früh." Bund und Länder hätten zunächst einen Zwischenbericht dazu zur Kenntnis genommen.
Im Beschlusspapier des Bund-Länder-Gipfels heißt es: "Die Bundesregierung wertet nun die im Nachgang eingereichten Stellungnahmen der Sachverständigen aus und wird hieraus Schlussfolgerungen ziehen."
Der Migrationsexperte Gerald Knaus hält es für vertretbar, Asylanträge in sicheren Drittstaaten zu prüfen, mit denen die EU Abkommen geschlossen hat. "Es ist kein Aufheben der Menschenrechtsstandards, die bleiben ja bestehen", so Knaus.20.06.2024 | 5:40 min
Verhaltene Reaktionen, teils auch Optimismus
Zuvor hatten sich die Länder auf ein Asylmodell geeinigt. Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zeigte sich weiter skeptisch. Die Expertenanhörung habe "einen ganzen Sack voller Fragen" aufgeworfen, sagte er. Er rate allen zur Vorsicht, die davon ausgehen, dass eine solche Prüfung zu einem positiven Ergebnis führen müsse.
Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) war hingegen überzeugt, dass Bund und Länder "nicht bei Gutachten stehenbleiben" würden, "sondern jetzt werden Modelle geliefert und konkrete Vorschläge zur Umsetzung gemacht". Rhein sprach von einem "Meilenstein" auf dem Weg zu einem praktikablen Modell.
Er forderte den Bund auf, jetzt zügig die Voraussetzungen für die geplanten Abschiebungen nach Syrien und Afghanistan zu schaffen.
Bundesregierung will Abschiebung von Schwerstkriminellen und Gefährdern vorantreiben
Scholz sagte, die Bundesregierung werde zudem die Abschiebungen von Schwerkriminellen und "Gefährdern" auch nach Afghanistan und Syrien vorantreiben. Die Bundesinnenministerin habe dazu schon Gespräche aufgenommen, man sei dort "auf einem guten Weg".
Der CDU-Politiker Thorsten Frei wirft der Ampel-Regierung Untätigkeit bei der Abschiebung islamistischer Straftäter nach Afghanistan und Syrien vor und fordert einen "grundlegenden Paradigmenwechsel" in der Migrationspolitik.06.06.2024 | 4:46 min
Länder begrüßen Abschiebe-Ankündigung
Die Länder begrüßten diese Ankündigung, auch die Ausweisungsregelungen bei Billigungen terroristischer Straftaten zu verschärfen, sagte Hessens Regierungschef Rhein nach dem Bund-Länder-Treffen. Man erwarte, dass dafür zügig die nötigen Voraussetzungen geschaffen würden. Zudem bekräftigte er die Forderung nach Rückführungsabkommen.
Wir bekennen uns als Länder ausdrücklich zu unserer Verantwortung, die wir bei dem Thema natürlich auch haben, bei Abschiebungen.
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Boris Rhein, hessischer Ministerpräsident
Aber um abschieben zu können, brauche es Rückführungsabkommen mit den Herkunftsländern. "Die Länder haben den Bund deswegen in einem gemeinsamen Beschluss gebeten, diese Abkommen auf höchster politischer Ebene intensiv voranzutreiben, vor allem natürlich auch mit den Staaten, aus denen die meisten irregulären Flüchtlinge mit geringen Anerkennungsquoten nach Deutschland kommen."
Rhein lobte das "konstruktive Miteinander" zwischen Bund und Ländern. Dies sei "in Zeiten wie diesen, in denen um uns herum so viel ins Rutschen gerät und so viel Unsicherheit auch besteht" ein wichtiges Signal, "dass Politik handlungswillig ist, handlungsfähig ist und sich an den Tisch setzt, zu guten Lösungen zu kommen".
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