Ex-US-Präsident Obama warnt vor Gefahren für die Demokratie

    Ex-US-Präsident in Berlin:Obama warnt vor Gefahren für die Demokratie

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    Er hat's noch drauf: Trotz Kritik an seiner Amtszeit begeistert Ex-US-Präsident Obama in Berlin routiniert sein Publikum - und warnte vor allem vor den Gefahren für die Demokratie.

    Barack Obama trifft sich mit Kanzler Olaf Scholz in Berlin.
    Barack Obama trifft sich mit Kanzler Olaf Scholz in Berlin.
    Quelle: Michael Kappeler/dpa

    Der frühere US-Präsident Barack Obama ist bei einer Veranstaltung in Berlin mit tosendem Applaus empfangen worden und hat vor der Polarisierung der Gesellschaft und Desinformation gewarnt. "Ich glaube, das sind einige der größten Gefahren für die Demokratie", sagte Obama.

    Manche jungen Leute glauben, alles, was sie auf Tiktok sehen, ist wahr. Wer auch immer das von euch auch denkt: Ist es nicht.

    Barack Obama, ehemaliger US-Präsident

    Der 61-Jährige sprach am Mittwochabend in einer Halle am Ostbahnhof mit 17.000 Sitzplätzen. Tickets wurden im Vorfeld für rund 61 bis 550 Euro angeboten. Auch wenn Barack Obama seit 2017 kein US-Präsident mehr ist, weiß er immer noch die Massen in seinen Bann zu ziehen.

    Schwärmerei für Frau Michelle

    Der deutsche Moderator Klaas Heufer-Umlauf führte durch den Abend. Der ehemalige Präsident sprach mit ihm über seine Sicht auf aktuelle politische Themen wie den Klimawandel und gute politische Führung.
    Dabei vergaß Obama nie wohl gesetzte Pointen: "Fragen Sie meine Frau Michelle, ich habe zehnmal am Tag Unrecht." Über seine Frau geriet er dann auch ins Schwärmen, besonders bei dem Gedanken, bald wieder zu Hause bei ihr zu sein.

    Abendessen mit Angela Merkel

    In Deutschland wird Obama bis heute wie ein Popstar gefeiert. Und auch an diesem Abend - angekündigt als "an evening with President Barack Obama live in person" - standen die Versäumnisse seiner achtjährigen Präsidentschaft eindeutig nicht im Vordergrund. Stattdessen schienen die Worte Obamas eher Nostalgie in der Halle auszulösen.
    Alle Menschen aus dem Reichsbürger-Milieu lehnten die demokratische Grundordnung ab, so der Psychologe Sebastian Bartoschek, der zu Verschwörungstheorien forscht. 07.12.2022 | 4:05 min
    Vielen sind sie noch gut im Gedächtnis, die Familienfotos vor dem Weißen Haus: Michelle und Barack gemeinsam mit den Töchtern Sasha und Malia - und natürlich Hund Bo. Obamas Selbstironie, seine jovialen Faustgrüße, der Präsident auf dem Basketball-Court und sein ikonischer Mic Drop. Der Kontrast zu Amtsnachfolger Donald Trump könnte größer kaum sein.

    Essen mit Olaf und Angela: "Die gleichen Grundwerte teilen"

    Schon seit einigen Tagen reist Obama nun durch Europa und absolvierte einen ähnlichen Termin Ende vergangener Woche in Zürich vor rund 10.000 zahlenden Gästen. In Berlin traf er dann eine gute Bekannte:
    "Gestern Abend war ich Abendessen mit einer alten Freundin - Angela Merkel. Heute habe ich Mittag gegessen mit dem neuen Kanzler Olaf Scholz." Die beiden kämen aus zwei unterschiedlichen Parteien, würden aber "die gleichen Grundwerte teilen".
    Die ehemalige Kanzlerin Angela Merkel und der ehemalige US-Präsident Barack Obama beim Abendessen in Berlin.
    Die ehemalige Kanzlerin Angela Merkel und der ehemalige US-Präsident Barack Obama beim Abendessen in Berlin.
    Quelle: dpa

    Obama: "In einer Demokratie gibt es Regeln"

    Es gebe immer inhaltliche Differenzen, wie beispielsweise bei der Handelspolitik. "Das ist es, was eine gesunde Demokratie ausmacht: dass wir eine Debatte darüber führen, wie wir unsere Gesellschaft am besten voranbringen und sicherstellen können, dass es allen gut geht", sagte Obama.
    Wie Rechtsextreme die Krise nutzen25.10.2022 | 9:31 min
    "Aber in einer Demokratie gibt es Regeln für den Umgang mit Meinungsverschiedenheiten, und es gibt Dinge, die wichtiger sind als die aktuellen Themen oder die Notwendigkeit, dass eine Partei ihre Agenda gegenüber der anderen durchsetzt."

    Trotz Kritik an seiner Amtszeit ist Obama in Europa beliebt

    Obama hatte mit seinem Einzug ins Weiße Haus einen Wandel angekündigt. Er wollte ein ganz anderes Amerika schaffen: fairer, toleranter, bunter, weltoffener. Die Vorschusslorbeeren waren riesig, und bis heute wird ihm vorgehalten, dass ein paar Reden gereicht hätten, um ihn zum Träger des Friedensnobelpreises zu machen.
    Von vielen Verbündeten in Europa entzweite ihn der NSA-Skandal, auch sein fundamental anderes Verständnis von Staatlichkeit, Datenschutz und der Umgang mit dem US-Gefangenenlager Guantánamo stießen auf Kritik. In der Klimapolitik hingegen schwenkten die USA unter Obama auf die Linie der westlichen Partner ein. Mit "Obama Care" versuchte er, das Fundament eines Sozialstaates zu legen. Und obwohl seine politische Gesamtbilanz gemischt bis ernüchternd ausfallen mag, machte ihn neben diesen Errungenschaften vor allem sein charismatisches Auftreten in Deutschland und Europa beliebt - bis heute.
    Quelle: dpa, AFP

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