US-Präsidentschaftswahl 2024: Wer hat gegen Trump Chancen?

    Top-10-Republikaner für 2024:Wer kann es mit Trump aufnehmen?

    Alexandra Hawlin
    von Alexandra Hawlin, Washington, D.C.
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    Donald Trump hat mit seiner Ankündigung das Rennen um eine Präsidentschaftskandidatur 2024 bereits eröffnet. Welche Republikaner gegen ihn in den Ring steigen könnten.

    Bis zur Präsidentschaftswahl in den USA am 5. November 2024 ist es zwar noch etwas hin. Aber das Rennen um eine Kandidatur ist bei den Republikanern längst gestartet. Denn zumindest einer hat ungewöhnlich früh seinen Namen offiziell in den Ring geworfen - Donald Trump. Jetzt soll DeSantos folgen. Andere halten sich noch zurück.
    Auch wenn im Moment noch alles offen ist, kursieren Favoritenlisten in amerikanischen Medien. Hier sind zehn Namen, die in der kommenden Zeit interessant werden könnten. Berücksichtigt wurde dabei, wie wahrscheinlich es ist, dass die Personen kandidieren und wie aussichtsreich ihre Gewinnchancen sind.

    Donald Trump, 76, Ex-Präsident

    Der ehemalige US-Präsident hatte im November verkündet, dass er 2024 wieder ins Weiße Haus einziehen will - wenige Tage nach den US-Zwischenwahlen, die für seine Kandidaten überwiegend niederschmetternd ausgefallen waren. Seine Kampagne startet Donald Trump am kommenden Wochenende in South Carolina mit einer Kundgebung.
    Der 76-Jährige ist bislang der einzige, der offiziell seinen Hut in den Ring geworfen hat. Wer unter den Republikanern noch mitzieht, wird sich zeigen. Laut Umfragen haben 55 Prozent der Amerikanerinnen und Amerikaner eine ablehnende Meinung gegen Trump. Das sollte ihn aber nicht weiter beirren. Viel gefährlicher könnte ihm ein Kollege aus Florida werden: Ron DeSantis.
    Donald Trump
    Donald Trump, 45. Präsident der Vereinigten Staaten, geb. am 14. Juni 1946.
    Quelle: AP

    Ron DeSantis, 44, Gouverneur von Florida

    In einem hypothetischen Rennen zwischen Trump und DeSantis hat der Gouverneur aus Florida in fast allen Umfragen die Nase vorn. Anders sieht es aber aus, wenn mehr als zwei Kandidaten in den Ring steigen - dann hat fast immer Trump die Nase vorn. Ron DeSantis gilt als jung, smart und sehr konservativ, spielte Baseball in Yale, machte seinen Abschluss mit Auszeichnung an der Harvard Law School und hat die Navy Seals im Irak beraten.
    Für viele ist der 44-Jährige der Favorit für die kommende Präsidentschaftswahl. Nicht ohne Grund feuert Donald Trump vor allem auf seiner Plattform Truth Social gegen den Mann aus Florida. Dabei hat dieser sein Interesse an einer Kandidatur noch gar nicht bekannt gegeben. Im November wurde DeSantis mit überragender Mehrheit (knapp 60 Prozent) zum Gouverneur wiedergewählt. Wie er es so weit geschafft hat, wird er in seinem Buch ("The Courage to Be Free") verraten, das im Februar erscheint.
    Ron DeSantis
    Ron DeSantis, Gouverneur von Florida, geb. am 14. September 1978.
    Quelle: epa

    Mike Pence, 63, Ex-Vizepräsident

    Es ist ziemlich untypisch, dass ein früherer Vizepräsident seinen ehemaligen Präsidenten herausfordert. Aber Mike Pence zieht es ernsthaft in Erwägung und macht daraus kein Geheimnis. Pence distanziert sich zunehmend von Donald Trump, der seine Anhänger am 6. Januar 2021 beim Sturm aufs Kapitol gegen Pence aufhetzte und verhindern wollte, dass Pence in seiner Rolle als Vizepräsident die Wahl Joe Bidens zum neuen Präsidenten formal bestätigt.
    Nach einer Kandidatur gefragt, meinte Pence: "Ich denke, wir werden in Zukunft bessere Alternativen haben." Ende vergangenen Jahres legte er schon mal den Grundstein für eine mögliche Kandidatur. Im November veröffentlichte er seine Memoiren über die Zeit im Weißen Haus und machte Wahlkampf für die Republikaner.
    Mike Pence
    Mike Pence, früherer Vizepräsident der Vereinigten Staaten, geb. am 7. Juni 1959.
    Quelle: AP

    Mike Pompeo, 59, Ex-Außenminister

    Wenige haben ihr Interesse am Weißen Haus so deutlich gemacht wie Trumps ehemaliger Außenminister Mike Pompeo. Die Frage ist eher, wie groß ist das Interesse der Republikanischen Partei an ihm? Eine öffentliche Ankündigung gab es noch nicht, aber der frühere CIA-Direktor soll bereits ein Team zusammenstellen. Auf Trumps Kandidatur hin, twitterte Pompeo: "Wir brauchen mehr Ernsthaftigkeit, weniger Lärm und Führungspersönlichkeiten, die nach vorne blicken, anstatt in den Rückspiegel zu starren und sich als Opfer darzustellen."
    Als Außenminister habe er stets nach dem Credo "America First" gehandelt, sagt der 59-Jährige über sich selbst. Daher lautete seine Philosophie immer: Niemals einen Zentimeter nachgeben. Sein gleichnamiges Buch ("Never give an inch") wird am Dienstag veröffentlicht. Interessant wird, wie die Resonanz darauf ausfällt.
    Mike Pompeo
    Mike Pompeo, ehemaliger Außenminister der Vereinigten Staaten, geb. am 30. Dezember 1963.
    Quelle: AP

    Nikki Haley, 50, ehemalige Gouverneurin von South Carolina

    In seinem Buch untermauert Mike Pompeo die Gerüchte, dass Trump es wohl während seiner Amtszeit in Erwägung gezogen haben soll, seinen Vize Mike Pence für Nikki Haley abzusetzen. In einem Interview mit Fox News sagte Haley am Donnerstag: "Es ist wirklich traurig, wenn man Lügen und Geschwätz verbreitet, nur um ein Buch zu verkaufen."
    Unter Trump war Haley Botschafterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen. Eigentlich hatte sie immer betont, sie werde nicht gegen Trump antreten. Das gilt aber nicht mehr. Gegenüber Fox News sagte Haley, dass sie kurz vor einer Entscheidung steht, ob sie ins Rennen geht und sie glaube, dass sie die Führungspersönlichkeit sein könnte, die es braucht.
    Nikki Haley
    Nikki Haley, ehemalige Gouverneurin von South Carolina (2011-2017), Botschafterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen (2017–2018), geb. am 20. Januar 1972.
    Quelle: dpa

    Tim Scott, 57, Senator aus South Carolina

    Tim Scott, Senator aus South Carolina, hat sich noch nicht auf eine Kandidatur für das Weiße Haus festgelegt. Viele seiner Kolleginnen und Kollegen im Senat sind aber der Meinung, dass er gute Chancen hätte und empfehlen es ihm. Scott ist aktuell der einzige schwarze republikanische Senator und setzt auf Themen wie Bildung und Diversität. Spannend macht ihn vor allem seine Biografie.
    Sein Großvater wurde als Drittklässler dazu gezwungen, die Schule abzubrechen, um auf Baumwollfeldern zu arbeiten. "Unsere Familie hat es in einer einzigen Lebensdauer vom Baumwollfeld in den Kongress geschafft", schreibt Scott über seine Familiengeschichte. Eine mögliche Kandidatur hat Scott zumindest schon mal anklingen lassen: "Mein Großvater stimmte für den ersten schwarzen Mann, der zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde", wird Scott nach seiner Wiederwahl zitiert. "Ich wünschte, er hätte lange genug gelebt, um vielleicht einen weiteren Schwarzen zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt zu sehen. Aber dieses Mal soll es ein Republikaner sein."
    Tim Scott
    Tim Scott, Senator aus South Carolina, geb. am 19. September 1965.
    Quelle: AP

    Glenn Youngkin, 56, Gouverneur von Virginia

    Als Glenn Youngkin 2021 die Gouverneurswahl für sich entschied, gewannen die Republikaner in Virginia den Gouverneurssessel zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt. Trump beanspruchte den Sieg für sich und schrieb auf seinen Social-Media-Plattformen, dass Youngkin seine Wahl ihm zu verdanken hätte.
    Youngkin hingegen, der vor den Zwischenwahlen im November Wahlkampf für Kari Lake in Arizona oder Tudor Dixon in Michigan gemacht hatte (beide haben die Gouverneurswahl verloren), hält Trump auf Abstand. Seine Anhänger sehen den 56-Jährigen als gute, wenn auch weit weniger bekannte Alternative zu Ron DeSantis - mit einer umgänglicheren Persönlichkeit, die Sympathien bei Vorwahlen sammeln könnte. Ob er ins Rennen um die Präsidentschaft 2024 gehen wird, hat Youngkin noch nicht festgelegt. "Es gibt keine Pläne für Entscheidungen", zitiert ihn die New York Times bei einer Kundgebung Anfang des Jahres.
    Glenn Youngkin
    Glenn Youngkin, Gouverneur von Virginia, geb. am 9. Dezember 1966.
    Quelle: dpa

    Ted Cruz, 52, Senator aus Texas

    Seine Ambitionen auf das Weiße Haus sind kein Geheimnis. Im Jahr 2016 führte der Senator aus Texas bei den parteiinternen Vorwahlen einen erbitterten Wettstreit gegen Trump und musste sich gegen ihn geschlagen geben. Seitdem hat der 52-Jährige versucht, sich mit Trump zu verbünden. "Es war der größte Spaß, den ich je in meinem Leben hatte", sagte Cruz kürzlich in einem Interview über das Rennen damals und meinte, er würde es jederzeit wieder machen.
    Nach eigenen Angaben lebt der Senator mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern den "American Dream". Sein Vater floh aus Kuba, kam mit 100 US-Dollar ins Land und fing als Tellerwäscher an. Seine Mutter stammt aus einer irisch-italienischen Arbeiterfamilie und war die Erste, die aufs College ging und Programmiererin wurde. Ted Cruz ging auf die renommierten Universitäten von Princeton und Harvard und schloss sich später dem Wahlkampf-Team von George W. Bush an. Seit 2013 ist er Senator für Texas.
    Ted Cruz
    Ted Cruz, Senator aus Texas, geb. am 22. Dezember 1970.
    Quelle: AP

    Chris Sununu, 48, Gouverneur von New Hampshire

    Der Gouverneur von New Hampshire ist einer, der sich von Trump nicht vereinnahmen lässt und ihm ein Dorn im Auge ist. Einst soll er Trump als "f*****g crazy" bezeichnet haben. Sununus Vision für die Zukunft der Republikanischen Partei ist eine ohne Trump. Das stellte er in einem Interview gegenüber CNN Mitte Dezember klar.
    "Er hat seine Zeit abgesessen, er hat seinen Dienst getan, wir machen weiter", sagte der 48-Jährige, der gerade zum vierten Mal in seine zweijährige Amtszeit gestartet ist. "Ein Land zu sein, in dem die beste Chance für unsere künftige Führung die Führung von gestern ist", bezeichnete Sununu als "unamerikanisch." Seine Wiederwahl hat er mit einem zweistelligen Vorsprung gewonnen, aber in den jüngsten Umfragen ist er zum ersten Mal seit 2017 nicht mehr auf der Liste der zehn beliebtesten Gouverneure der Vereinigten Staaten.
    Chris Sununu
    Chris Sununu, Gouverneur von New Hampshire, geb. am 5. November 1974.
    Quelle: AP

    Liz Cheney, 56, ehemalige Kongressabgeordnete

    Die ehemalige Abgeordnete im Repräsentantenhaus aus dem Bundesstaat Wyoming hat in vergangener Zeit schon mehrfach betont, sie würde alles machen, um Donald Trump vom Oval Office fernzuhalten - "koste es, was es wolle".
    Für einige ist die ehemalige Vizevorsitzende im Untersuchungsausschuss zum 6. Januar ein "RINO" (Republican-in-Name-Only), nur auf dem Papier eine Republikanerin. Für die anderen ist Liz Cheney eine eingefleischte Konservative, die versucht, das Rückgrat ihrer Partei zu retten. In den vergangenen Monaten hat Cheney zumindest über eine Präsidentschaftskandidatur nachgedacht.
    Liz Cheney, stellvertretende Vorsitzende, spricht während einer Anhörung des Sonderausschusses des Repräsentantenhauses, der den Angriff vom 6. Januar auf das US-Kapitol untersucht.
    Liz Cheney, ehemalige Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus, geb. am 28. Juli 1966.
    Quelle: dpa

    Ebenfalls erwähnenswert sind: Marco Rubio, Senator von Florida; Josh Hawley, Senator von Montana; Asa Hutchinson, ehemaliger Gouverneur von Arkansas; Larry Hogan, ehemaliger Gouverneur von Maryland; Greg Abbott, Gouverneur von Texas; Chris Christie, ehemaliger Gouverneur von New Jersey; Kristi Noem, Gouverneurin von South Dakota; Will Hurd, ehemaliger Kongressabgeordneter
    Hier zehn vielversprechende Kandidaten der Demokratischen Partei:

    Top 10 Demokraten für 2024
    :Wer, wenn nicht Biden?

    Wer hätte gute Karten für eine Präsidentschaftskandidatur 2024, wenn Biden nicht ins Rennen geht? Hier sind zehn derzeit vielversprechende Demokraten.
    Alexandra Hawlin, Washington, D.C.
    Pete Buttigieg