Studierende aus der Uniklinik: Zahnärzte zum halben Preis

    Tag der Zahnschmerzen:Studierende als Zahnärzte zum halben Preis

    von Gina Köhler
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    Krone, Brücke, Implantat: Zahnarztbesuche können schnell teuer werden. Wer sparen will, kann sich für Studierendenkurse in der Aachener Uniklinik anmelden.

    Zahnarzt mit Patientin
    In Studierendenkursen können angehende Zahnärzte unter Anleitung Patienten behandeln.
    Quelle: MEV

    Zu kleiner Kiefer, kaputte Zähne durch Sportunfälle, jede Menge Karies - im Mund von Frederic Förster gab es einige Baustellen. Er brauchte mehrere Füllungen, einige Wurzelbehandlungen und eine Teilkrone.

    Kostenlose Zahnreinigung von Zahnmedizin-Studierenden

    2021 entscheidet sich der damalige Auszubildende für eine Behandlung im Studierendenkurs an der Uniklinik Aachen. Denn: Im Studierendenkurs sind die Zuzahlungen deutlich geringer. Bei Füllungen lassen sich hier, je nach Größe, fast 60 Prozent sparen. Zahnreinigungen gibt es sogar kostenlos.
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    Ich hatte eigentlich keine Angst vorm Zahnarzt und bin vorher auch regelmäßig hingegangen. Aber es gab halt immer wieder Komplikationen bei mir. Und gerade als Azubi war der finanzielle Aspekt auch nicht ohne.

    Frederic Förster, Patient

    Ab dem 7. Semester dürfen Studierende ran

    In den Studierendenkursen behandeln Zahnmedizinstudierende ab dem siebten Semester echte Patienten. Vorher haben sie drei Jahre lang die Techniken gelernt und an Phantomköpfen die Behandlungen geübt. Das Konzept der Studierendenkurse gibt es nicht nur in Aachen.

    Patienten-Übungen sind für Studierende in Deutschland Pflicht

    In Deutschland müssen alle Zahnmedizinstudierenden im Rahmen des Studiums an echten Patienten üben, um zum Staatsexamen zugelassen zu werden. Auch im Staatsexamen selbst gibt es praktische Prüfungen am Patienten, die die Studierenden bestehen müssen, um ihre Zulassung als Zahnärzte zu bekommen.
    Das ist zentraler Bestandteil der Ausbildung, meint Professor Andreas Braun, Direktor für Zahnerhaltung, Parodontologie und Präventive Zahnheilkunde an der Uniklinik Aachen.

    Wir versuchen, die Studierenden mit dem Staatsexamen berufsfähig zu machen. Sie sollen wissen, wie man eigenständig diagnostiziert und behandelt, sodass sie das nach ihrem Abschluss dann auch tatsächlich können.

    Professor Andreas Braun, Direktor für Zahnerhaltung, Parodontologie und Präventive Zahnheilkunde an der Uniklinik Aachen

    Studierende arbeiten im Team

    Die Studierenden sind dabei nicht auf sich allein gestellt. Im Zweierteam behandeln sie je einen Patienten, zusätzlich kontrolliert ein Assistenzarzt jeden Handgriff. Ein Oberarzt ist auch immer in Reichweite, sollte es zu Komplikationen kommen.
    Durch die engmaschigen Kontrollen dauert eine Behandlung im Studierendenkurs länger als eine reguläre Behandlung. Viele Patienten schätzen aber gerade die enge Betreuung sehr.

    Uni-Kurs soll keine Konkurrenz zu anderen Zahnärzten sein

    Kleinere Schönheitskorrekturen und Verbesserungen kommen in der Praxis öfter vor. Gravierende Fehler, die zum Zahnverlust geführt haben, hätte es aber noch nie gegeben, so Professor Braun. Allerdings wollen sie ihre Behandlungen nicht in Konkurrenz zu niedergelassenen Zahnärzte sehen.

    Hoher Praxisanteil in der Zahnklinik

    Eine der behandelnden Studierenden ist Sandra Hennecke. Sie hat gerade frisch ihr Staatsexamen in der Tasche, hat also zwei Jahre in der Zahnklinik hinter sich.
    Für sie war der hohe Praxisanteil in ihrem Studium besonders wichtig. So startet sie jetzt bestens vorbereitet in ihr Berufsleben als Zahnärztin.

    Viele sind erstaunt, dass wir die grundlegenden Dinge, die wir später in den Zahnarztpraxen machen werden, schon im Studium gelernt haben. Natürlich gibt es viel, was ich noch dazulernen muss, und es muss noch eine Art Routine entstehen. Aber meine Ausbildung war sehr umfassend.

    Sandra Hennecke, behandelnde Studierende

    Übernehmen Krankenkassen die Behandlungskosten?

    Bei den gesetzlichen Krankenkassen sind die Behandlungen in den Studierendenkursen denen in der vertragsärztlichen Zahnarztpraxis gleichgestellt. Auf Nachfrage von ZDFheute äußert sich die Techniker Krankenkasse dazu so:
    "Ist es eine sogenannte 'vertragliche Leistung', werden die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Sollte sich nach einer Behandlung - egal ob in einer Uniklinik oder Zahnarztpraxis - herausstellen, dass eine weitere Behandlung mit einer vertraglichen Leistung notwendig wird, werden diese Kosten ebenfalls übernommen."
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    Studierendenkurs als Win-Win-Situation

    Die Behandlung in Studierendenkursen ist also eine Win-Win-Situation. Die Patienten erhalten hochwertige Zahnbehandlungen auf dem neusten Stand der Forschung und die Studierenden können in einem geschützten Rahmen wichtige Erfahrungen für ihre berufliche Zukunft sammeln.
    Frederic Förster ist auf jeden Fall von dem Modell überzeugt. Heute, fast drei Jahre nach seiner ersten Behandlung, geht er gar nicht mehr zu seinem niedergelassenen Zahnarzt, sondern lässt sich nur noch in der Uniklinik Aachen behandeln.

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