Kreidezähne: Wie sie entdeckt und behandelt werden

    FAQ

    Neue Volkskrankheit bei Kindern?:Wie Kreidezähne entdeckt und behandelt werden

    von Lena Mosebach
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    Weißliche Zähne, braune Flecken, poröse Oberflächen - das sind einige der vielen Symptome von Kreidezähnen. Fünf Dinge, die Sie über Kreidezähne wissen sollten.

    Kreidezähne behandeln
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    1. Was Kreidezähne sind

    Viele sagen, dass es ein größeres Problem ist als Karies bei Kindern, da über 15 Prozent betroffen sind.

    Dr. Bettina Ferrari, Zahnärztin

    Der Fachausdruck für Kreidezähne lautet MIH - Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation. Bei Kreidezähnen hat der Zahnschmelz der Betroffenen nur ein Zehntel der üblichen Härte, was überwiegend am Mangel des Minerals Hydroxylapatit liegt. Dieser Mineralmangel macht die Zähne besonders anfällig und brüchig. So können Bakterien leichter eindringen und Karies entsteht.
    Ein Zahn mit Plaque wird von Bakterien angegriffen, es bildet sich Karies.
    Wie man die Zähne vor Bakterien schützt.24.09.2022 | 1:28 min
    Patienten mit Kreidezähnen haben oft mit Diskriminierung zu kämpfen. Einige denken, dass die Flecken durch mangelnde Zahnhygiene entstehen. Zusätzlich leiden Betroffene oft unter extremer Empfindlichkeit für Hitze- und Kältereize, wodurch Kauen und Zähneputzen erschwert wird.

    • Der Zahnschmelz ist das härteste Material im menschlichen Körper. Er besteht aus Mineralstoffen wie Kalzium, Phosphat und Fluor, die den Zahn wie eine Schutzbarriere umgeben. Er entwickelt sich zwischen dem achten Schwangerschaftsmonat und dem vierten Lebensjahr. Bei Kreidezähnen sind diese Mineralien nicht in ausreichender Menge im Schmelz vorhanden. Der Zahnschmelz ist daher weicher als bei gesunden Zähnen. Dies nennt man Hypomineralisation.
    • Da sich der Schmelz bereits früh entwickelt, treten Kreidezähne zwischen dem achten Schwangerschaftsmonat und dem vierten Lebensjahr auf. In leichten Fällen können sie später in Erscheinung treten, z.B. im Erwachsenenalter. Die Störung ist dann jedoch schon seit der Entwicklung des Zahnschmelzes vorhanden.

    2. Was zu den Ursachen bekannt ist

    Die Entwicklung der bleibenden Zähne beginnt bereits im Mutterleib und ist im Alter von etwa vier Jahren abgeschlossen. Bei hypomineralisierten Zähnen ist dieser Prozess gestört. Woran dies liegt, konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden. Es gibt allerdings einige Vermutungen von Forschenden:





    3. So werden Kreidezähne entdeckt

    Kreidezähne sind relativ leicht anhand folgender Merkmale zu erkennen:
    • Weißlich-cremefarbene (kreidige) bis gelblich-bräunliche scharf abgegrenzte Flecken auf den Backen- und/oder Frontzähnen
    • Unklare Zahnstruktur (fehlende Zahnhöcker an den Backenzähnen)
    • Furchen auf der Zahnoberfläche
    • Abgeplatzter Zahnschmelz
    • Schmerzen beim Kauen und Putzen
    • Empfindlichkeit bei Hitze- und Kältereizen
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    In Deutschland gibt es ab dem Durchbrechen der Milchzähne das Angebot regelmäßiger zahnärztlicher Kontrolluntersuchungen. Wenn Eltern mit ihren Kindern konsequent zu diesen Terminen gehen, können Mineralisationsstörungen wie Kreidezähne festgestellt und behandelt werden.

    Sobald die Eltern Zahnveränderungen bei Kindern erkennen, sollte sofort ein Zahnarzt aufgesucht werden.

    Dr. Bettina Ferrari, Zahnärztin

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    4. Prophylaxe - Wie Fluorid im Zahn wirkt

    Es ist leider nicht heilbar, sondern wird ein Dauerthema für die betroffenen Patienten sein.

    Dr. Bettina Ferrari, Zahnärztin

    Mit prophylaktischen Maßnahmen kann man den Zahnschmelz stärken und die Zähne so lange wie möglich erhalten. Am wichtigsten ist regelmäßiges Zähneputzen, am besten mit einer elektrischen Zahnbürste und fluoridhaltiger Zahnpasta.
    Hauptbestandteil der Behandlung ist das regelmäßige Fluoridieren. Hierbei werden die Zähne mit einem Fluoridlack oder -gel bestrichen.

    • Fluor ist ein giftiges und stark riechendes Gas. Fluorid hingegen ist ein Spurenelement, das natürlich in der Umwelt vorkommt. Fälschlicherweise werden die Begriffe oft durcheinandergebracht, wodurch viele Verbraucher verunsichert sind.
    • Fluorid ist sehr wichtig für unsere Zahngesundheit und stärkt den Zahnschmelz. Ein Mangel an Fluorid kann die Entstehung von Karies begünstigen. Um die benötigte Menge an Fluorid im Blick behalten zu können, hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung Richtwerte festgelegt. Bei Erwachsenen liegt der Tagesbedarf zwischen 3,1 und 3,8 Milligramm, bei Säuglingen bei 0,25 Milligramm.
    • Liegen Kreidezähne vor, bespricht man mit dem Zahnarzt genau die benötigte Menge an Fluorid. Die meisten Zahnpasten enthalten bereits eine kleinere Menge Fluorid. Auch in Trink- und Mineralwasser findet es sich oft. So kann ein Restbedarf ermittelt werden, wie oft der Betroffene zusätzlich fluoridieren sollte.
    • Eine Fluorid-Überdosis kann frühestens ab einer Tagesmenge von 350 Milligramm auftreten und Symptome wie Übelkeit, Erbrechen oder Fluorosen verursachen. Fluoridgele erhält man in Apotheken und Drogerien.

    5. Wenn Zahnpflege und Fluorid-Prophylaxe nicht ausreichen

    Sobald Fluoridprophylaxe und regelmäßige Zahnpflege nicht mehr ausreichen, müssen Zahnärzte auf andere Methoden zurückgreifen. Bei kleineren Furchen reicht es oft aus, die Zähne mit einer Fissuren-Versiegelung zu behandeln. Hierbei werden Furchen auf der Zahnoberfläche mit einer Kunststofffüllung versiegelt und der Zahn so vor dem Eindringen von Bakterien geschützt.
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    Je stärker die Hypomineralisation voranschreitet, desto poröser werden die Zähne. Es können dann Stücke aus den Zähnen herausbrechen. In diesen Fällen kommen Füllungen oder Überkronungen zum Einsatz. Kann der Zahn nicht mehr überkront werden, muss er eventuell komplett entfernt und durch eine Prothese ersetzt werden.
    Die Forschung zu den Ursachen der Kreidezähne steht nach wie vor am Anfang. Da es bislang keine ursächlichen Heilungsmöglichkeiten gibt, ist die engmaschige Kontrolle und Behandlung der Zähne sehr wichtig. Je länger sie erhalten bleiben, desto uneingeschränkter können Betroffene mit der Erkrankung leben.

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