Watzke und Völler: Bundesliga darf selbstbewusst sein

    Völler und Watzke:Bundesliga darf Selbstbewusstsein zeigen

    von Frank Hellmann
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    Krise der Nationalelf hin oder her - die Fußball-Bundesliga soll 2023 Selbstbewusstsein zeigen. Macher wie Hans-Joachim Watzke oder Rudi Völler nennen die Gründe.

    17.01.2023, Offenbach a. M.: Hans-Joachim Watzke (l), Sprecher des DFL-Präsidiums, zeichnet Rudi Völler beim DFL-Neujahrsempfang mit dem DFL-Ehrenpreis aus
    Wollen Selbstvertrauen verströmen: Hans-Joachim Watzke und Rudi Völler beim DFL-Neujahrsempfang. Völler bekam den DFL-Ehrenpreis überreicht.
    Quelle: dpa

    Rudi Völler hätte es gar nicht groß erwähnen müssen. Aber nachdem der allseits beliebte Ex-Nationalspieler und -Teamchef beim Neujahrsempfang der Deutschen Fußball-Liga (DFL) vor der versammelten Schar der Ehrengäste erzählte, dass ihm sein erster Profivertrag bei den Offenbacher Kickers einst ein Monatsgehalt von 2.000 Mark einbrachte ("viel Geld damals") und dann in einer Offenbacher Eventlocation noch Bilder gezeigt wurden, die ihn im Trikot von Werder Bremen oder Bayer Leverkusen zeigten, sagte er es doch: "Ich bin ein Kind der Bundesliga."

    Völler bald auf Retter-Mission für den DFB?

    Trotz seiner erfolgreichen Stationen im Ausland hat der 62-Jährige bis heute ein solches Verantwortungsgefühl für den deutschen Fußball, dass er sich demnächst wohl ein zweites Mal auf eine Retter-Mission einlassen wird. Nur nicht wie vor mehr als zwei Jahrzehnten als Teamchef, sondern diesmal als Geschäftsführer beim Deutschen Fußball-Bund (DFB).
    Neulich "am Tiefpunkt": Am 6. November 2003 setzt der damalige DFB-Teamchef Rudi Völler im Interview bei Waldemar Hartmann zu seiner legendären Wutrede an.14.04.2021 | 0:55 min
    Obwohl noch gar nicht offiziell berufen, hatte Völler am Dienstag schon einen Rat parat: "Wir dürfen uns als Deutsche nicht zu klein machen, nicht als DFL, nicht als DFB, nicht die Klubs."
    Zum Bundesliga-Wiederbeginn an diesem Wochenende die breite Brust rauskehren, sollte das heißen. Klar, die WM sei ein Desaster gewesen, "aber wir sind gut genug, mit den ganz Großen mitzuhalten".

    Watzke gibt sich optimistisch für die Liga

    Völler ist damit auf einer Linie mit Hans-Joachim Watzke, der als Boss von Borussia Dortmund und Aufsichtsratschef der Liga derzeit den mächtigsten Mann des deutschen Fußballs gibt.
    Der 63-Jährige glaubt nicht, dass das dritte verkorkste Turnier in Folge - von der WM 2018 über die EM 2021 nun bis zur WM 2022 - negativ auf die eigene Liga abstrahlt. Dann hätte die Premier League nicht diesen hohen internationalen Stellenwert, sagte Watzke mit süffisantem Seitenhieb auf die bei EM und WM notorisch erfolglosen Engländer.
     
    Die Bundesliga dürfte ruhig Selbstbewusstsein zeigen, weil sie gut wirtschafte und sportlich erfolgreich sei: "Die Premier League wirft mit Geld um sich, aber wo ist das Problem? Wir haben noch sieben Klubs im Europapokal. Wir stehen sportlich besser da als vor zwei, drei Jahren." Man wolle den "deutschen Weg" gehen, den "mit den günstigsten Eintrittspreisen und den meisten Zuschauern".

    Zuversicht für den Europapokal

    Watzke verbreitete auch mit Blick auf den Europacup Zuversicht, auch wenn die Aufgaben schwierig erscheinen. Der FC Bayern (gegen Paris St. Germain), Borussia Dortmund (gegen FC Chelsea) und RB Leipzig (gegen Manchester City) spielen gegen Kontrahenten, die kaum ein finanzielles Limit kennen. Eintracht Frankfurt muss gegen die SSC Neapel ran, eines der formstärksten Teams in ganz Europa, Tabellenführer der Serie A nebenbei.
    In der Europa League müssen sich Bayer Leverkusen (gegen AS Monaco) und Union Berlin (gegen Ajax Amsterdam) beweisen. Namhafte Gegner gewiss, aber kein Grund zum Tiefstapeln. Watzke hat mehrere Punkte ausgemacht, die für bessere Zeiten sorgen sollen: Neben einer solidarischen Liga und einem guten Verhältnis zwischen DFL und DFB verlangte er als Lehre der WM auch, dass der "Fußball seine Rolle klar definiert, in dem er sich auf Kerngeschäft konzentriert".

    Investoren und Nachhaltigkeit im Fokus

    Die interimsmäßig an die Spitze gewählten Vorstände Axel Hellmann (Eintracht Frankfurt) und Oliver Leki (SC Freiburg) wollen für die Liga die nächsten Monate ausloten, "was wir tun können, um das Produkt zu stärken". Dass Investoren in Teilbereiche einsteigen, um bei der Eigenproduktion, Ausspielung und Vermarktung einzelner Medienpakete zu helfen, ist offenbar nicht vom Tisch, "denn wir spüren den Druck auf dem Spieler- und Medienmarkt".
    Und schneller darf es nach der Meinung des Frankfurter Vorstandssprechers Hellmann insbesondere beim Thema Nachhaltigkeit gehen. "Da ist der Fußball noch ein bisschen rückständig."

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