Ökologie im Fußball: Klubs bei Nachhaltigkeit zu defensiv

    Ökologie im Profifußball:Klubs bei Nachhaltigkeit noch zu defensiv

    von Ralf Lorenzen
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    Erstmals mussten die 36 Bundesliga-Klubs in dieser Saison für ihre Lizenz auch Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Zu schwammig, zu langsam, zu wenig Druck - lautet die Kritik.

    Bremen, Weserstadion
    Sichtbar nachhaltig: Photovoltaik auf dem Dach des Bremer Weserstadions.
    Quelle: Imago

    Alle 36 Klubs der ersten und zweiten Liga haben die Lizenz für diese Saison erhalten. Auch zu Geldstrafen oder Punktabzügen aufgrund der neuen Nachhaltigkeitskriterien wurde nichts bekannt. Gibt es also nur noch ökologische Musterschüler unter den Profiklubs?
    Die Nachhaltigkeitskriterien treten erst zur Saison 2024/25 vollständig in Kraft und werden bis dahin weiterentwickelt. Erst dann soll auch klar sein, wie mögliche Sanktionen aussehen können. In einem ersten Schritt musste sichergestellt werden, dass jeder Verein seinen Status Quo in Sachen Nachhaltigkeit seriös ermitteln und mitteilen kann.

    Strukturen aufgebaut, Leute eingestellt, Daten ermittelt

    "Die Aufnahme der Nachhaltigkeitskriterien in die Lizensierung hat sehr viele strukturelle Veränderungen in den Klubs gebracht", sagt Stefan Wagner, der für die Stabsstelle Unternehmensentwicklung bei der TSG Hoffenheim verantwortlich und Mitglied der DFL-Kommission für Nachhaltigkeit ist, im Gespräch mit ZDFheute.
    John Anthony Brooks jubelt mit seinem Team nach dem 1-1.
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    "Da sind Leute angestellt und der Status Quo ist dokumentiert worden. Die Anforderungen an das, was da zu dokumentieren ist, sind sehr hoch." Das Thema Nachhaltigkeit habe in der DFL eine hohe Relevanz bekommen, sagt Wagner, der auch Vorsitzender der Initiative "Sports for Future" ist.

    Umwelthilfe beklagt fehlende Schwerpunktsetzung

    Eine Entwicklung in die richtige Richtung sieht auch Thomas Fischer, der Bereichsleiter Kreislaufwirtschaft von der Deutschen Umwelthilfe. Das Tempo ist ihm allerdings viel zu langsam und der Handlungsdruck zu niedrig.

    Die DFL und damit auch viele Vereine dürfen sich nicht darauf ausruhen, was vor kurzem angestoßen wurde. Die enthaltenen Kriterien haben aber gar keine Verbindlichkeit. Es gibt momentan keine Sanktionsmechanismen und damit auch keinerlei Druck.

    Thomas Fischer

    Als Beispiel für die von ihm kritisierte fehlende Priorisierung der Handlungsfelder und Maßnahmen nennt Fischer das Beispiel der Fanmobilität: "Dort soll man zwei Projekte pro Jahr durchführen. Wenn man dann fünf Fahrradständer baut und einen Fanzug für ein Auswärtsspiel organisiert, hat man die Kriterien pro forma erfüllt, aber ganz sicher nicht das Problem der nachhaltigen Mobilität in der Breite gelöst. Das ist wenig ambitioniert und lässt scheunentorgroße Löcher für Vereine, die nichts oder nur ganz wenig machen wollen und damit trotzdem durchkommen."
    Bremens Leonardo Bittencourt jubelt über sein Tor zum 3:0.
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    Werder, TSG, Freiburg, St. Pauli sind Vorbilder

    Dabei gebe es beispielsweise bei Werder Bremen ein vorbildliches Mobilitätskonzept, an dem sich andere orientieren könnten. Als Vorreiter in anderen Handlungsfeldern nennt Fischer den SC Freiburg bei den Mehrwegbechern im Bereich Abfallmanagement, die TSG Hoffenheim bei der Eigenstromerzeugung mit PV-Anlagen und den FC St. Pauli bei der nachhaltigen und fairen Produktion von Merchandising Artikeln.
    "Wir erwarten ambitionierte Zielvorgaben in allen Handlungsfeldern", fordert Fischer. Die könnten zur Not auch gestaffelt zu erreichen sein, um Vereine, die noch nicht so weit sind, nicht zu überfordern. Klar sei aber die Notwendigkeit schnellen Handelns Aller. "Das geht nur über Verbandsvorgaben."

    Regeln, Stadien, Nachhaltigkeit
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    Hoffenheim definiert CO2-Reduktionsziele

    Die Notwendigkeit ambitionierter gemeinsamer Ziele sieht auch Stefan Wagner. "Aber ich bin mir nicht sicher, ob wir das über die Lizenzierung schaffen oder eher über Positiv-Anreize - indem wir uns gemeinsam Ziele stecken und jeder seinen Beitrag dafür transparent macht."
    Für die TSG Hoffenheim hat Wagner die CO2-Reduktionsziele der Sports for Climate Action Targets der UN übernommen: 50 Prozent bis 2030 und 90 Prozent bis 2040, gemessen am Emissionswert von 2019. Doch noch längst nicht alle Profivereine haben ihren CO2-Abdruck überhaupt berechnet.

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