Nations League: Wie geht es für die DFB-Frauen weiter?

    Frauen Nations League:Wie geht es für das DFB-Team weiter?

    von Frank Hellmann
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    Nur mit Schützenhilfe von Island haben sich die DFB-Frauen fürs Nations-League-Finalturnier im Februar 2024 qualifiziert. Wie geht’s für das Nationalteam nun weiter?

    Horst Hrubesch, aufgenommen am 05.12.2023
    Horst Hrubesch betreut die DFB-Frauen auch im Play-off-Turnier.
    Quelle: Imago

    Joti Chatzialexiou machte aus seiner Erleichterung gar keinen Hehl. Nach seiner wohl letzten Dienstreise mit den DFB-Frauen sprach der Sportliche Leiter Nationalmannschaften von einem "vorzeitigen Nikolausgeschenk, das uns die Isländerinnen gemacht haben".
    Denn nur durch den 1:0-Sieg Islands in Dänemark blieb die Nullnummer der deutschen Frauen-Nationalelf im letzten Gruppenspiel gegen Wales folgenlos. Damit kann Deutschland weiter auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024 hoffen.
    Die deutschen Fußball-Frauen bleiben trotz des 0:0 gegen Wales im Rennen um ein Olympiaticket, weil Dänemark im Parallelspiel ebenfalls nicht gewann.05.12.2023 | 5:28 min

    Wie erklärte Horst Hrubesch den schwachen Auftritt in Wales?

    Wir haben uns das Spiel aus der Hand nehmen lassen und waren immer zu spät in den Zweikämpfen.

    Horst Hrubesch, Interimstrainer DFB-Frauen

    So die Kritik des 72-jährigen Interimstrainers, der unverhohlen zugab, dass man zur Pause bereits mit 0:2 hätte in Rückstand liegen können. Der fahrige Auftritt war ein Rückfall in ideenlose WM-Zeiten. "Das war nicht unser Anspruch, meiner schon gar nicht." Anders als beim überzeugenden Erfolg gegen Dänemark in Rostock sei sein Team in Swansea "nicht über die Mentalität" gekommen.
    Die Spielerinnen schienen auf den Widerstand des punktlosen Tabellenletzten nicht eingestellt, Leistungsträgerinnen wie Giulia Gwinn und Sydney Lohmann zu schonen, war ein Fehler - genau wie die Startaufstellung der intern sogar beim VfL Wolfsburg von Sportdirektor Ralf Kellermann angezählten Jule Brand. Dennoch konstatierte Hrubesch:

    Wir haben geschafft, was wir uns vorgenommen haben: Wir sind noch im Geschäft.

    Horst Hrubesch, Interimstrainer DFB-Frauen

    Der Traum von Olympia lebt weiter.
    DFB-Kapitänin Alexandra Popp ist erleichtert nach dem Island-Sieg. Das Team sei aber noch nicht so sicher, dass sie nun aufhören könne. 26.09.2023 | 7:17 min

    Wie geht es in der Nations League weiter?

    Die Finalrunde ist vom 23. bis 28. Februar 2024 terminiert, am kommenden Montag werden von der UEFA die Halbfinals ausgelost, gleichzeitig auch das Heimrecht. Anders als bei den Männern spielen die Frauen kein Turnier auf neutralem Platz. "Mir wäre Frankreich sehr lieb, dann hätten wir zwei Möglichkeiten, uns zu qualifizieren", sagt Hrubesch.
    Kommen die als Gastgeber für Olympia gesetzten Französinnen ins Endspiel, reicht auch Platz drei. Die weiteren Gegner sind Weltmeister Spanien und die Niederlande, die durch Last-Minute-Treffer gegen Belgien (4:0) noch Vizeweltmeister England von Rang eins verdrängten. Hrubesch gibt zu, "nicht als Favorit" in der Nations-League-Endunde anzutreten.

    3:0-Sieg über Dänemark
    :DFB-Frauen landen Big Point für Olympia

    Nächstes Etappenziel erreicht: Die deutschen Fußball-Frauen gewinnen in der Nations League gegen Dänemark mit 3:0 und haben damit weiter Chancen aufs Olympiaticket.
    Die DFB Frauen jubeln zum 2:0 durch Marina Hegering beim Spiel gegen Dänemark am 01.12.2023.
    mit Video

    Wer wird die DFB-Frauen zukünftig trainieren?

    Hrubesch bleibt vorerst Trainer über den Jahreswechsel, "so ist es geplant", sagte er selbst. Ihm würde auch der Traum nicht verwehrt, mit dem Team bei den Olympischen Spielen in Paris (26. Juli bis 11. August) anzutreten.
    Zunächst will DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig mit Nia Künzer noch vor Weihnachten eine neue Sportdirektorin Frauenfußball vorstellen, im Hintergrund wird auch bereits die Trainerfrage abgeklopft, um spätestens für nächsten Sommer gewappnet zu sein.
    Voraussetzung ist Erfahrung im Frauenfußball, daher sind Stefan Kuntz oder Miroslav Klose kein Thema. Zum Kandidatenkreis gehören nach ZDF-Informationen neben den Bundesliga-Trainern Tommy Stroot (VfL Wolfsburg) und Stephan Lerch (TSG Hoffenheim) und dem früher beim FC Bayern arbeitenden Thomas Wörle (SSV Ulm Männer), die inzwischen bei Eintracht Frankfurt angestellte, frühere U16-Nationaltrainerin Friederike Komp und sogar Jill Ellis, zweimalige Weltmeistertrainerin der USA, die derzeit die Technische Studiengruppe der FIFA leitet.

    Direkt ans Finalturnier vom 23. bis 28. Februar 2024 (Erster und Zweiter für Olympia qualifiziert. Wird Gastgeber Frankreich Erster oder Zweiter rückt der Dritte für Olympia nach) folgt im Frühjahr 2024 die nächste Auflage in der Nations League. Sie ist erstmals die Qualifikation für die EM 2025.

    Die UEFA will damit den Wettbewerb ausgeglichener gestalten. Deutschland muss in der A-Kategorie mindestens Gruppenerster oder -zweiter werden, um sich direkt zu qualifizieren. Als Gruppendritter oder -vierter gäbe es noch die Möglichkeit, über zwei Playoff-Runden ein EM-Ticket zu lösen. 16 Teams sind bei der EM in der Schweiz dabei. Die Gastgeber sind automatisch qualifiziert.

    Warum ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024 so wichtig?

    Anders als bei den Männern treten bei den Frauen die Nationalteams mit ihren besten Spielerinnen an. Nationalspielerin Sara Däbritz, die beim Olympiasieg 2016 unter Silvia Neid dabei war, schwärmt noch heute von einem "unvergesslichen, unbeschreiblichen Erlebnis".
    Hrubesch, der in jenem Jahr die Männer zu Silber führte, sagt: "Olympia ist das absolute Highlight bei den Frauen". Neben Gold in Rio de Janeiro gab es für Deutschlands Fußballerinnen noch dreimal Bronze, 2000 in Sydney, 2004 in Athen und 2008 in Peking.

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