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Nach WM-Desaster der Flick-Elf : Warum die DFB-Frauen als Vorbilder taugen

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Beim Deutschen Fußball-Bund steckt nur eine Nationalmannschaft in der Krise: Auch abseits des Rasens bietet das Frauen-Team Anschauungsunterricht für die schwächelnde Männer-Elf.

Hansi Flick und Martina Voss-Tecklenburg
Die öffentliche Wahrnehmung ihrer Teams könnte derzeit kaum konträrer sein: Hansi Flick und Martina Voss-Tecklenburg (Archivbild)
Quelle: dpa

Rege Aktivität auf den Social-Media-Kanälen der besten deutschen Fußballerinnen ist nichts Ungewöhnliches. Alexandra Popp, die DFB-Kapitänin vom VfL Wolfsburg, hat ihre Erfahrungen als Gast in der ZDF-Show "Wetten, dass..?" geteilt. Lina Magull, Kapitänin vom FC Bayern, postete ein Gruppenbild aus dem Camp Nou, wo die Münchnerinnen kürzlich vor großer Kulisse aufgetreten waren.

EM-Hype hält im Frauenfußball an

Und Laura Freigang, Führungsfigur bei Eintracht Frankfurt, richtete trostspendende Worte an die mitgereisten Fans nach der Niederlage im Topspiel in Wolfsburg vor fast 15.000 Zuschauern. Alle Ereignisse belegen steigende Zustimmungswerte für den Frauenfußball. In der Bundesliga sind nach neun Spieltagen mit 173.438 Besuchern mehr gekommen als in der kompletten Runde der Vorsaison.

Der EM-Hype hält an. Selbst Werder Bremen, ein Abstiegskandidat, lockte durch die Spielpause der Männer wegen der WM in Katar stolze 20.417 Fans zu einem Heimspiel ins Weserstadion. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist stolz auf den anhaltenden Boom.

Werders Fans in der Ostkurve haben ein Banner für die Frauen aufgehängt

Aktiver WM-Boykott - Volle Ränge beim "ehrlichen Fußball" 

Die DFB-Elf ist raus aus der WM - zu Hause purzeln die Rekorde: beim Frauen- und Amateurfußball, oder auch beim Futsal und Rollstuhlbasketball. Überall dort, wo Fans mobil machen.

von Ralf Lorenzen

Es könnte sicher nicht schaden, wenn der Verband die beiden Aushängeschilder noch enger miteinander verzahnen würde. Doch einen echten Austausch hat es vor der Abreise zur WM in die Wüste nicht gegeben.

Im Sommer nutzten zwar beide Teams dasselbe Trainingscamp in Herzogenaurach, die Männer für die Nations League, die Frauen für die EM-Vorbereitung, doch vieles wirkte alibihaft oder inszeniert.

DFB-Frauen hängen bei Einschaltquote Männer ab

Dabei können die einen von den anderen inzwischen viel lernen. Rückblende: Im Sommer waren die deutschen Fußballerinnen über Nacht zu Heldinnen geworden. Ihr besonderer Spirit, ihre totale Hingabe, ihr gelebter Zusammenhalt und ihr erfolgreiches Spiel verzückten die Nation.

Fast 18 Millionen schalteten am 31. Juli beim EM-Finale gegen England ein. Kein einziges WM-Spiel der deutschen Männer erreichte diese Quote.

Nationalspielerinnen wie Popp, Magull oder Freigang sind längst Sympathieträgerinnen in der Öffentlichkeit, die auch den Umgang mit nicht-sportlichen Themen besser hinbekommen. Beim komplexen Thema Equal Pay werben sie zuerst für eine differenzierte Sichtweise. Equal Play ist ihnen wichtiger als Equal Pay. Erst gleiche Bedingungen, dann vielleicht bessere Bezahlung.

Was Kanzler Olaf Scholz nicht abgehalten hat, vor dem wichtigen EM-Gruppenspiel gegen Spanien einen Tweet abzusetzen, um das Thema einseitig zu befeuern. Doch über dieses Stöckchen sind die Protagonisten nicht gesprungen.

Bundestrainerin trifft fast immer den richtigen Ton

15 der 23 EM-Spielerinnen haben studiert oder studieren noch. Sie verdienen einen Bruchteil des Geldes der Männer, doch ersparen sie sich neidische Kommentare. Mit ihrem intellektuellen Background können sie gesellschaftlich relevante Themen anbringen, ohne dass eine konzertierte Verbandsaktion aus PR-Zwecken dahintersteht. Der DFB beschäftigt mit Martina Voss-Tecklenburg eine Bundestrainerin, die (fast) immer den richtigen Ton trifft. Gerade in Fragen, die oft sehr weit über den Fußball hinausreichten.

Drei Tage nach dem ersten Aufeinandertreffen haben die deutschen Fußballfrauen den zweiten Härtetest gegen die USA mit 2:1 verloren.

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Wer die 54-Jährige vielleicht sogar eilig als Nachfolgerin von Hansi Flick vorschlägt, sollte bedenken: Voss-Tecklenburg würde den Wechsel aktuell nicht vollziehen. Bis zur Frauen-WM 2023 in Australien und Neuseeland (20. Juli bis 20. August 2023) ist es nicht mehr lange hin - und diese Mission will sie leiten.

Das enttäuschende Abschneiden der Männer dürfte dafür sorgen, dass die Rückendeckung für die Frauen bis dahin weiter steigt. Weil sie jetzt endgültig die wahren Vorbilder des deutschen Fußballs sind. Auch wenn es viele Männer leider noch immer nicht wahrhaben wollen.

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