Iran nach WM-Aus: Zwischen Gelassenheit und Schadenfreude

    Nach WM-Aus gegen USA:Iran: Zwischen Gelassenheit und Schadenfreude

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    Iran ist auch bei seiner sechsten WM-Teilnahme in der Gruppenphase gescheitert. Die Niederlage gegen die USA löste im Land unterschiedliche Reaktionen aus.

    ZDF-Reporter Thomas Skulski über die besonderen Umstände, viele Symbole und Tumulte in und um das Stadion beim WM-Spiel Iran gegen USA. 30.11.2022 | 3:39 min
    Nach der 0:1-Niederlage gegen die USA haben sich Regierungsanhänger in Iran hinter das Nationalteam gestellt. An einem bekannten Verkehrsknotenpunkt in der Hauptstadt Teheran wurde in der Nacht zu Mittwoch auf einem großen Werbebanner Irans Team abgebildet.

    Brisante Begegnung mit USA

    "In Guten wie in schlechte Zeiten, wir unterstützen euch bis in die Ewigkeit", prangte auf dem bekannten Plakat, das immer wieder auch für Propagandazwecke genutzt wird. Regierungsvertreter zeigten sich angesichts der von hohen politischen und sportlichen Erwartungen überschatteten Begegnung gegen den politischen Erzfeind USA gelassen.
    Für Entsetzen sorgte in der Nacht allerdings ein angeblicher Zwischenfall in der nördlichen Küstenstadt Bandar Anzali. Dort soll bei spontanen systemkritischen Protesten nach dem Spiel ein 27-Jähriger in den Kopf geschossen worden sein. Von offizieller Seite gab es zunächst keine Bestätigung. Die Berichte ließen sich nicht unabhängig bestätigen.

    Gespaltene Fußball-Nation

    In anderen Landesteilen strömten Menschen auf die Straßen, um ihre Schadenfreude über den Sieg der USA auszudrücken. Wegen der anhaltenden Proteste im Land war die WM-Stimmung in den vergangenen Wochen gedrückt.

    Bolzplatz
    :Irans Fußballer und der Kampf um die Bilder

    Die Spieler des Iran haben bei ihrem WM-Spiel gegen Wales auf den stummen Hymnen-Protest verzichtet. Manu Thiele zeigt im aktuellen "Bolzplatz" ihre schwierige Situation auf.
    von Ralf Lorenzen
    25.11.2022, Ar-Rayyan, Katar: Irans Fußballer sangen die Hymne wieder mit
    mit Video
    Ohnehin waren die meisten Iranerinnen und Iraner gespalten in der Frage, ob sie das Nationalteam bei der massiven staatlichen Gewalt gegen die Proteste unterstützen können. Auch viele Systemanhänger sollen daher nach Doha geflogen sein, um die iranischen Spieler zu unterstützen. Politiker hatten sich eigentlich einen Sieg gegen die USA und dadurch Rückendeckung in der Innenpolitik erhofft.

    Nationaltrainer: Es gab keine Drohungen

    Auslöser der Proteste im Iran war der Tod der iranischen Kurdin Jina Mahsa Amini Mitte September. Sie starb in Polizeigewahrsam, nachdem sie wegen Verstoßes gegen die islamischen Kleidungsvorschriften verhaftet worden war. Nach Einschätzungen von Menschenrechtlern wurden seitdem mindestens 450 Demonstranten getötet und rund 18.000 Protestteilnehmer verhaftet.
    Carlos Queiroz
    Irans portugiesischer Nationaltrainer Carlos Queiroz
    Quelle: epa

    Unterdessen wies Irans Nationaltrainer Carlos Queiroz Berichte über angebliche Drohungen von staatlicher Seite gegen seine Mannschaft zurückgewiesen: "Wenn jemand eine Information von einer anonymen Quelle nimmt, ist das nicht professionell. So etwas ist traurig. Innerhalb von zwei Stunden wird aus einer Dummheit eine vermeintliche Wahrheit. Aber das ist die Welt, in der wir leben.“

    Wir haben viele Geschichten gehört über Drohungen, die Spieler angeblich erhalten haben. Das ist eine Schande.

    Carlos Queiroz

    "Was ich sagen kann ist: Dank des Teamworks haben wir Spieler, die wieder gelächelt haben. Sie haben verstanden, für wen sie spielen, habe ihre Mission verstanden, für den Iran zu spielen," erklärte der portugiesische Coach, der in Mosambik geboren ist.
    Der US-Nachrichtensender CNN hatte zuvor berichtet, den iranischen Spielern und ihren Familien seien Haftstrafen angedroht worden, falls sie im zweiten WM-Gruppenspiel erneut nicht die Nationalhymne mitsingen sollten. Als Quelle nannte CNN eine für die Sicherheit der WM zuständige Person.

    Gruppe A: Niederlande, Senegal
    Gruppe B: England, USA
    Gruppe C: Argentinien, Polen
    Gruppe D: Frankreich, Australien
    Gruppe E: Japan, Spanien
    Gruppe F: Marokko, Kroatien
    Gruppe G: Brasilien
    Gruppe H: Portugal
    (Stand: 01.12.22)

    WM-Spielplan >

    Quelle: dpa, sid, ZDF
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